Die Tropenstation La Gamba steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Anton Weissenhofer und Werner Huber, Universität Wien. Gleich hinter der Station beginnt - als Teil des Piedras Blancas Nationalparks - der "Regenwald der Österreicher" und bietet daher optimale Bedingungen für wissenschaftliche Studien und Studenten-Projektpraktika.
Diversität der Tagfalter
Im Fokus des derzeitigen Projektpraktikums steht eine Organismengruppe, die die Mehrzahl aller Arten in terrestrischen Lebensräumen ausmacht: die Insekten. Mit mehr als 200 Arten beherbergt der "Regenwald der Österreicher" z.B. eine beeindruckende Zahl von Tagfaltern, die etwa der Tagfalter-Diversität von ganz Österreich entspricht. Die Erforschung ihrer Diversität erfolgte weitgehend im Rahmen von Praktika und Diplomarbeiten, und auch in diesem Jahr widmet sich unter Anleitung von Martin Wiemers eine Gruppe von Studierenden diesem Thema.
Aufspüren "neuer" Arten
Da insbesondere im Primärwald die meisten Arten nur in geringer Individuendichte vorkommen, ist es vielfach nicht leicht sie zu finden, wenngleich der Regenwald in der Umgebung der Station durch ein gutes Wegenetz erschlossen ist. So können noch immer fast jeden Tag für das Gebiet neue Arten entdeckt werden. Auch in diesem Jahr wurden schon an den ersten beiden Tagen wieder zwei neue Arten gefunden. Das Aufspüren "neuer" Arten ist aber eher ein Nebeneffekt solcher Praktika. Die Hauptaufgabe für die Studierenden besteht in der Analyse der Diversitätsmuster in verschiedenen Habitaten und des Einflusses anthropogener Nutzung auf die Vielfalt der Arten in tropischen Lebensräumen, die sich deutlich von denjenigen in Mitteleuropa unterscheiden. Durch die vielfältigen Lebensräume im "Regenwald der Österreicher" und die enge Verzahnung von Primärwäldern mit genutzten Flächen ist die Tropenstation La Gamba für solche Studien prädestiniert.
Schutz vor Fressfeinden
Bei Wanderungen durch den Regenwald und manchmal schon im Garten der Station lassen sich kleine grazile Tagfalter-Arten mit fast durchscheinenden Flügeln entdecken, aber auch bunte und schillernde, fast Handteller große Tiere, wie zum Beispiel die bekannten Morpho-Falter. Durch ihre oft auffallenden Farben und Muster sind die Schmetterlinge aber nicht nur für uns schön anzuschauen, sondern auch für mögliche Fressfeinde wie Vögel und Echsen leicht zu entdecken. Um dieser Gefahr zu entkommen, haben viele Arten die verschiedensten Abwehrmechanismen entwickelt.
Unter Anleitung von Johannes Spaethe untersucht eine Gruppe von Studierenden in diesem Zusammenhang die Funktion von Augenflecken auf den Flügeln mancher Falter als einen möglichen Abwehrmechanismus. Manche Tiere besitzen auf der Unter- oder Oberseite ihrer Flügel runde Zeichnungsmuster, die einem Beobachter wie ein "Auge" erscheinen. Man nimmt an, dass diese Zeichnungsmuster von potentiellen Fressfeinden ebenso als Augen interpretiert werden und diese von einem Angriff abhalten, da sie selbst nicht Beute eines möglicherweise noch größeren Raubtiers werden wollen.
Mit Hilfe von farbigen Papierattrappen und darauf befestigten Mehlkäferlarven, die den "Körper" eines Falters imitieren sollen, soll die Funktion der Augenflecke als Schutzmechanismus überprüft werden. Dazu wurden mit Hilfe eines Computers manchen Attrappen die "Augen" entfernt, bei anderen sogar noch vergrößert. Die Attrappen werden im Wald verteilt an Bäumen befestigt und über mehrere Tage beobachtet, um zu testen, ob sie von Vögel oder Echsen gefunden und die Käferlarven gefressen werden, oder z.B. Attrappen mit besonders großen Augen vermieden werden.
Die Sammelaktivität von Tropenbienen
Neben den Schmetterlingen bilden die stachellosen Bienen eine weitere wichtige Bestäubergruppe in den Tropen. Diese sozialen Insekten leben in Kolonien, die, je nach Art, wenige Dutzend bis mehrere Tausend Individuen umfassen können. Auch die Körpergröße der Tiere kann zwischen den Arten stark variieren; die kleinsten sind kaum größer als eine Fruchtfliege, die großen erreichen etwa die Größe unserer heimischen Honigbiene. Allen Arten gemein ist der Bedarf an Nektar und Pollen, letzterer dient ausschließlich als Larvenfutter.
Da die Futterpflanzen im Regenwald oftmals spärlich gesät sind, sammeln verschiedene Bienenarten an den gleichen Blüten, der Konkurrenzdruck ist also groß. In einem weiteren Projekt soll herausgefunden werden, wann die verschiedenen Arten und Kolonien im Laufe des Tages sammeln und ob z.B. kleinere, konkurrenzschwächere Arten ihre Sammelaktivität an das Verhalten größerer Arten anpassen und vor allem dann sammeln, wenn die größeren ihre "Siesta" machen. Dafür beobachten die Studierenden von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Nacht die Ein- und Ausflüge an den Nesteingängen verschiedener Bienennester, die im Garten und der näheren Umgebung der Tropenstation in Bäumen, alten Termitennestern oder im Boden häufig zu finden sind.
Arbeiten wie diese können als Bachelorarbeiten durchgeführt werden und zudem als Pilotstudien für spätere Diplom- und Masterarbeiten sowie Dissertationen dienen.
Mag. Dr. Werner Huber ist am Department für Strukturelle und Funktionelle Botanik tätig und gemeinsam mit Mag. Dr. Anton Weissenhofer wissenschaftlicher Leiter der La Gamba Tropenstation. Dipl.-Biol. Dr. Johannes Spaethe arbeitet am Department für Evolutionsbiologie und Dipl.-Biol. Dr. Martin Wiemers am Departments für Biodiversität der Tiere. |