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Zur Geschichte des eLearning |
| eLearning |
| Gastbeitrag von Charlotte Zwiauer am 29. Oktober 2003 |
Seit rund 30 Jahren wird computerbasiertes Lernen eingesetzt. Ein Streifzug von Drill-and-Practice-Methoden zu aktuell eingesetzten Community-orientierten Lernumgebungen. |
Im deutschsprachigen Hochschulbereich bilden sich derzeit erste Standards des eLearning heraus: Blended-Learning-Szenarien, in denen sowohl Online-Lernumgebungen als auch virtuelle Gruppenarbeiten in den Präsenzunterricht didaktisch begründet integriert werden. Das mag spät erscheinen angesichts der doch 30-jährigen Vorgeschichte des computerbasierten Lernens. Schaut man sich diese Vorgeschichte genauer an, werden die Gründe für diese lange Anlaufzeit verständlicher. Vom Behaviourismus zur Interaktion In den 1970er Jahren wurden vor allem im angloamerikanischen Raum erste computerbasierte Trainingsprogramme - sogenannte Computer Based Trainings - entwickelt. Dabei konnten die EntwicklerInnen auf die Theorien des Instructional Design zurückgreifen, wobei die zugrunde liegenden Lerntheorien zu diesem Zeitpunkt dem Behaviourismus und dem Kognitivismus zuzurechnen sind. Die Produkte beschränkten sich häufig auf Drill-and-Practice-Methoden und hatten ein dementsprechend beschränktes Einsatzgebiet. Als eines der Hauptprobleme stellte sich die mangelnde Motivierung der Lernenden heraus, sich allein durch Interagieren mit einem Programm und ohne direkte Betreuung durch einen Lehrenden Wissen anzueignen. Zu Beginn der 1980er zeichnete sich sowohl in den Konzeptionen des Instruktionsdesigns als auch in den mehr oder weniger darauf basierenden konkreten Produktionen eine erste Öffnung für konstruktivistische Ansätze ab. Als in den 1990er Jahren die Technologie soweit fortgeschritten war, dass multimediale Lernprogramme für breitere Anwendergruppen entwickelt werden konnten, entstand eine ganze Palette von Entwicklungen: Neben Drill-and-Practice-Programmen für den Erwerb von Basiswissen etwa im Sprachenbereich finden sich Simulationen für das Einüben spezieller Fertigkeiten, aber auch interaktive Lernprogramme, die auf selbständige Wissenskonstruktion abzielen. Hier setzte im deutschsprachigen Raum auch die erste Welle von Förderprogrammen zur Entwicklung von multimedialen Bildungsinhalten für den Hochschulbereich an. Hohe Investitionskosten und im Verhältnis dazu begrenzte Einsatzgebiete entfachten allerdings bald eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen. Internet, Webliteracy, Hypertexte Mit der Verbreitung des Internets Mitte der 1990er Jahre entstanden auch an deutschsprachigen Universitäten eLearning-Szenarien, wie wir sie heute kennen: Community-orientierte Lernarrangements, in denen Lernende in Teams konkrete Aufgabenstellungen bearbeiten. Das verlangt sowohl von Lehrenden als auch Studierenden neue Kompetenzen und Erfahrungen in Webliteracy, Virtueller Gruppenarbeit und Online-Moderation. Daneben entstehen nach wie vor Contententwicklungen - webbasiert, zielgruppenorientiert, curricular eingebunden und auf ausgereiften didaktischen Grundlagen. Für Lehrende als AutorInnen solcher Produktionen folgt eine weitere Herausforderung: es gilt Wissen in Hypertext-gerechte Einheiten zu zerlegen und diese didaktisch begründet wieder zu rekontextualisieren. Dabei können AutorInnen auf eine bis in die 1940er Jahre reichende Hypertext-Diskussion zurückgreifen, die von Anfang an interdisziplinär geführt wurde: sowohl von Seiten der Informationswissenschaft als auch der Geisteswissenschaften und Pädagogik kommen hier essentielle Beiträge. Das Erschließen und aktive Gestalten von Hypertexten in Bildungszusammenhängen - wiederholt als ein Kernbereich von Medienkompetenz bestimmt - ist nach wie vor nicht durchgängig etablierter Standard, weder bei Lehrenden noch Studierenden. In dem Maß, mit dem sich vernetzte Wissens- und Arbeitssysteme in nationalen und internationalen Studienprogrammen, weltweiten Forschungscommunities und nicht zuletzt in Angeboten des lebenslangen Lernens durchsetzen werden, sind Hochschulen gefordert, auch diese Kompetenzen neben den oben beschriebenen verstärkt auszubilden. Dr. Charlotte Zwiauer ist Mitarbeiterin im Projektzentrum Lehrentwicklung. Förderprogramm des BMBWK "Neue Medien in der Lehre an Hochschulen und Fachhochschulen" |
