| Die Ehe als wirkungsmächtige Institution ist ein viel besprochener Gegenstand in den Selbstzeugnissen der Sammlung Frauennachlässe. In den Quellen werden konkrete Erfahrungen mit dem Verheiratet- oder auch Nichtverheiratetsein ebenso festgehalten wie Vorstellungen und Konzepte von Ehe. In der Textsammlung zum Thema "Schreiben über die Ehe" auf der Website der Sammlung Frauennachlässe werden unterschiedliche Beispiele davon vorgestellt.
Bernhardine Alma, eine 1895 geborene Wienerin aus gutbürgerlichem Haus, entwirft als Zwanzigjährige folgende Vorstellungen vom Verheiratetsein:
Tagebuch der Bernhardine Alma, 3. Juli 1915:
(...) Ich will heiraten:
1. daß ich zum Theater kann
2. daß ich frei über mich verfügen kann
3. daß ich überhaupt frei bin
4. daß ich einteilen kann
5. daß ich ein ordentliches Leben führen kann
6. daß alles anders ist
und dann, daß ich, wenn ich will, die heiligen Sakramente empfangen kann. Mein Gatte muß
1. mich zum Theater lassen
2. mich tun lassen, was ich will
3. reich sein
4. in mich verliebt sein, (aber geistig lieben)
5. adelig sein und womöglich ein Schloß haben
6. groß, schlank, sehr elegant sein.
Ich will einmal kein gemeinsames Schlafzimmer haben. Erstens aus Anstand nicht und zweitens, um auch da tun zu können, was ich will, schlafen gehen und aufstehen, wann ich will, im Bett lesen, alles. (...)
(Institut für Geschichte, Sammlung Frauennachlässe, NL 9)
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