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Anton Zeilinger ist 60.


Anton Zeilinger und Paulo Coelho, September 2004. Foto: Ricardo Herrgott, (c) Waldzell Institut


Zeilinger-Team veröffentlicht neues Konzept für QuantencomputerZeilinger-Team erhält EU-Wissenschaftspreis "Descartes"Coelho und Zeilinger im Dialog über "Science and Spirituality" Neuer Weltrekord für Zeilinger-GruppeWeltpremiere: Banküberweisung mittels Quantenkryptographie
60. Geburtstag von Anton Zeilinger
Jubiläen
Redaktion am 20. Mai 2005

Der Experimentalphysiker Anton Zeilinger feiert heute seinen 60. Geburtstag. Nicht nur die Physik hat es ihm angetan: In den nächsten Jahren wird er verstärkt mit Theologen und Philosophen kooperieren.

Einer der bekanntesten österreichischen Wissenschafter feiert heute seinen Geburtstag: Univ.-Prof. Dr. Anton Zeilinger vom Institut für Experimentalphysik der Universität Wien. Zeilinger ist nicht nur bekannt für seinen Einsatz in der österreichischen Forschung ? sei es in der Diskussion um eine potentielle "Elite-Universität", sei es mit Aussagen zu, seiner Meinung nach, Fehlentwicklungen in der Forschungspolitik ?, sondern auch für sein Interesse an Philosophie. In den nächsten vier Jahren wird es an seinem Institut eine Kooperation zwischen Geistes- und Naturwissenschaft geben. Möglich macht dies die Zuwendung der US-Stiftung John Templeton Foundation, die 1987 von einem Investor mit dem Ziel gegründet wurde, neue Einsichten an der Grenze zwischen Theologie und Wissenschaft zu finden. Ab Herbst finanziert die Stiftung vier Jahre lang jeweils ein ganzes Jahr einen Theologen oder Philosophen, der Tag für Tag dem Zeilinger-Team über die Schultern schaut, mit den MitarbeiterInnen diskutiert, die Experimente beobachtet und dabei "schaut, ob es neue philosophische Ansätze gibt, die man aus unserer Arbeit ziehen kann, und darüber publiziert", so Zeilinger. Nachdem 2003 sein populärwissenschaftliches Werk "Einsteins Schleier ? Die neue Welt der Quantenphysik" erschien, erklärt der Physiker nun auf der Doppel-CD "Spukhafte Fernwirkung ? Die Schönheit der Quantenphysik" die Geschichte der Quantenphysik und seine Experimente zu verschränkten Photonen, Teleportation und Quantenkryptografie. "Wir können davon ausgehen, dass die Welt tatsächlich so verrückt ist, wie Einstein hoffte, dass sie es nicht ist?, stellt Zeilinger gleich zu Anfang eines 100-minütigen akustischen Ausflugs in die Quantenwelt klar. Zeilinger ist davon überzeugt, dass die Quantenphysik ? "wenn wir sie eines Tages wirklich verstanden haben" ? noch revolutionärer sein wird als die Leistungen von Kopernikus und Kolumbus. "Es wird schlichtweg um die Frage gehen, was Wirklichkeit ist." Lebenslauf ... Anton Zeilinger wurde am 20. Mai 1945 in Ried/Innkreis (Oberösterreich) geboren. Von 1963 bis 1971 studierte er Physik und Mathematik an der Universität Wien, von 1972 bis 1981 war er Universitätsassistent an der Universität Wien, während dieser Zeit absolvierte er einen Forschungsaufenthalt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) (1977/78). Am MIT wurde er 1981 Professor, 1983 bis 1990 war er ao. Professor an der Technischen Universität (TU) Wien (dazwischen Gast/Professuren an der University of Melbourne, Australien, am Hampshire College, Ampherst, USA und an der Technischen Universität München). Von 1990 bis 1999 war er Ordinarius für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck (Gastprofessor am College de France, Paris und Gastwissenschafter am Merton College der Oxford University), seit 1999 ist Zeilinger Professor am Institut für Experimentalphysik an der Universität Wien. Zeilinger wurde in den vergangenen Jahren vielfach ausgezeichnet, u.a. als "Wissenschafter des Jahres" (1996) oder mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich (2001). 1998 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt. ... und wichtigste Experimente 1995: Damals noch an der Universität Innsbruck, erarbeitete er gemeinsam mit Kollegen der Universität Stanford ein Experiment, das ein Quantenparadigma in Frage stellte: Mittels Quantentricks gelang es ihm, eine Messung durchzuführen, ohne das gemessene Objekt zu stören. 1997: Veröffentlichung der ersten Teleportationsexperimente: Der exakte Quanten-Zustand eines Teilchens A wurde auf ein beliebig weit entferntes Teilchen B übertragen. Der zu übertragende Zustand war die Polarisation, die Schwingungsebene. Da Teilchen A bei der Messung vernichtet wird und - mit der exakt gleichen Information - als B wieder auftaucht, wurde der Vorgang als "beamen" bezeichnet. 1999: erstmals experimenteller Nachweis des Wellencharakters von Fullerenen, relativ großer Moleküle. Fünf Jahre später, 2004, stellten die Wissenschafter fest, dass der Wellencharakter bei sehr hohen Temperaturen wieder verschwindet. 2003: Veröffentlichung eines Experiments, bei dem verschränkte Photonen ohne Leitung quer über die Donau gesandt wurden. Ein Jahr später waren dann Teleportations-Experimente außerhalb des Labors erfolgreich, über einen Abwasserkanal wurden Teilchen vom Wiener Prater auf die Donauinsel "gebeamt". 2004: Erste Durchführung einer Geldüberweisung mittels Quantenkryptografie vom Wiener Rathaus in eine Bank. 2005: Übertragung von verschränkten Photonen über eine Distanz von 7,8 Kilometer ohne Leitung (von der Kuffner-Sternwarte zum Millenniums-Tower). Fernziel Zeilingers ist es, die störende Lufthülle für seine Experimente verlassen und dann quasi das ganze Weltall als Experimentierlabor verwenden zu können. 2005: Präsentation der Verschränkung von vier Photonen zu einem Quantencluster als Beitrag zur Entwicklung eines Quantencomputers ? die Verwirklichung des Quantencomputers ist allerdings noch Zukunftsmusik. (APA/mh)  

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