Die ausgeschriebene Stelle einer Gastprofessur am Department of Philosophy der University of Oregon schien auf Silvia Stoller perfekt zugeschnitten. Gesucht wurden PhilosophInnen mit den Schwerpunkten Continental Philosophy (Phänomenologie) und Feminist Ethics.
In ihrer Habilitationsschrift verband Stoller ihre beiden Forschungsschwerpunkte - Phänomenologie und Genderforschung -, um damit zentrale Fragen zur geschlechtlichen Existenz, der Geschlechterdifferenz und der Geschlechterkonstruktion zu behandeln.
Fragen nach der geschlechtlichen Existenz
Der Ansatz der Phänomenologie – griech.: "phainomena", das sich Zeigende – zieht sich wie ein roter Faden durch die wissenschaftliche Karriere von Stoller, die auch Gründerin und langjährige Leiterin der Wiener "Gruppe Phänomenologie" ist. "In der französischen Phänomenologie ist der Aspekt der leiblichen Existenz zentral. Wir haben einen Körper, der an der Erschließung der Welt beteiligt ist. Somit wird der Leib nicht als Gegensatz zum Geist gesehen, sondern dem Leib selbst wohnt Vernunft inne. Die sinnliche Welt, die durch den Leib erfahren wird, ist viel reicher, als es die Sprache zu benennen vermag", so Stoller über den für Außenstehende schwierig zu fassenden Komplex der Phänomenologie.
Bewerbung, Interviews und Zusage
Vor ihrer Bewerbung im Mai 2009 war Silvia Stoller schon zwei Mal an die University of Oregon eingeladen, als Repräsentantin für "Feminist Phenomenology" Vorträge zu halten. Als europäische Expertin sprach Stoller auch bei der Gründungsveranstaltung der "Society for Interdisciplinary Feminist Phenomenology" (2008). "Vor Ort konnte ich interessante Kontakte mit amerikanischen KollegInnen knüpfen. Durch sie erfuhr ich auch von der Ausschreibung einer Gastprofessur an der University of Oregon", so Silvia Stoller.
Nach ihrer Bewerbung wurde Stoller von der US-amerikanischen Universität kontaktiert, um ein erstes Bewerbungsgespräch zu fixieren. "Das erste Telefonat dauerte 20 Minuten und war inhaltlich sehr konkret. Ich habe im Vorfeld unter anderem Vorschläge für zwölf verschiedene Lehrveranstaltungen erarbeitet und dann einige davon im Interview vorgestellt", so die Phänomenologin. In zweiter Instanz folgte eine 45-minütige Videokonferenz, in der es wiederum um Inhalte in der Lehre ging, dieses Mal tiefer gehend. Weitere Inhalte waren Methoden in der Lehre sowie mögliche Themen in Lesekreisen. "An der University of Oregon wird von ProfessorInnen erwartet, dass sie auch außerhalb des 'normalen' Lehrbetriebs wissenschaftlichen Kontakt zu Studierenden unterhalten und Lesekreise für Graduates anbieten", erklärt Stoller: "Mir kommt das sehr entgegen, da ich unterrichten einfach liebe. Besonders in hoch qualifizierten kleinen Gruppen ist das sehr spannend."
Im Juni 2009 erhielt Silvia Stoller die Zusage der University of Oregon, und ab September wird sie schon an der 1876 gegründeten Universität Seminare für Graduate Students, also fortgeschrittene StudentInnen halten. "Ich freue mich riesig über diese Stelle. Es ist eine große Auszeichnung an dieser Universität arbeiten zu können", so Stoller abschließend. (td)
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