Friedrich Stadler, der seit Oktober 2008 eine Doppelprofessur für History and Philosophy of Science am Institut für Philosophie und am Institut für Zeitgeschichte inne hat, wurde Ende Oktober 2009 zum Präsidenten der "European Philosophy of Science Association" (EPSA) gewählt. Dass sich die Wiener Wissenschaftsphilosophie im Aufbruch befindet, davon zeugt auch die enge Zusammenarbeit mit der European Science Foundation (ESF), ein bevorstehender Zeitungslaunch zum Thema sowie der neue Joint Master für "Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte". |
Die gesamteuropäische Vereinigung "European Philosophy of Science Association" (EPSA) mit Mitgliedern aus aller Welt wurde Ende 2006 in Wien gegründet und verfolgt das Ziel, die europäische Tradition der Wissenschaftsphilosophie wie auch die gegenwärtige Wissenschaftsphilosophie in Europa auf höchstem internationalen Niveau zu fördern und zu vernetzen, ähnlich der "Philosophy of Science Association" (PSA) in Nordamerika. Eine besondere Aufgabe stellt die Kooperation zwischen den zahlreichen nationalen Gesellschaften und Zeitschriften, sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses unter besonderer Berücksichtigung des Gender-Aspektes dar.
Friedrich Stadler, seit 2008 Professor für History and Philosophy of Science an der Universität Wien und zudem Leiter des Instituts Wiener Kreis, wurde nun Ende Oktober 2009 im Rahmen ihrer zweiten Konferenz in Amsterdam von der Generalversammlung der "European Philosophy of Science Association" (EPSA) für die nächsten zwei Jahre zum Präsidenten von EPSA gewählt.
Status quo der Wissenschaftsphilosophie
Eine spezielle Interaktion existiert zwischen EPSA und einem laufenden Research Network Programme der European Science Foundation (ESF) "The Philosophy of Science in a European Perspective" (PSE), das bis um Jahre 2013 mit fünf thematischen Teams ein Netzwerk für die einschlägige Forschung in Europa zur wissenschaftsphilosophischen Kommunikation unterhält und ihre Aktivitäten durch eine eigene Buchreihe dokumentiert. Der erste Band der vom Institut Wiener Kreis veranstalteten Wiener Eröffnungskonferenz Ende 2008 wird demnächst im Springer Verlag (Dordrecht) von Friedrich Stadler unter dem Titel "The Present Situation in the Philosophy of Science" herausgegeben.
"Inhaltlich soll sowohl die allgemeine Wissenschaftsphilosophie wie auch die Philosophie der einzelnen Disziplinen von den Natur- bis zu den Kulturwissenschaften am Puls der Forschung gefördert werden, wobei die absolute Trennung von reiner und angewandter, wie auch diejenigen von analytischer und kontinentaler Wissenschaftstheorie in Frage gestellt werden soll", erklärt Friedrich Stadler: "Auch der Dualismus von historischer und systematischer Dimension wird durch die Konferenzstruktur und die Zeitschrift problematisiert, um der pluralistischen und fächerübergreifenden Perspektive Rechung tragen zu können."
Neue Zeitschrift zur Wissenschaftsphilosophie
Zu diesem Zwecke werden alle zwei Jahre große Konferenzen veranstaltet (2007 in Madrid und zuletzt 21. Bis 24. Oktober 2009 in Amsterdam), an denen neben einigen geladenen Vorträgen rund 180 Vorträge inklusive Symposia abgehalten wurden, die aus einer großen Anzahl von eingereichten Papers durch ein internationales Programm- Komitee ausgewählt wurden. Die dritte Konferenz wird im Herbst 2011 in Athen stattfinden. Eine Auswahl der besten Vorträge wird in den jeweiligen Proceedings veröffentlicht. Außerdem hat EPSA eine eigene Zeitschrift ins Leben gerufen, das "European Journal for Philosophy of Science" (EJPS), das erstmals ab Anfang 2011 im Springer Verlag als offizielles Organ der Association dreimal jährlich die blühende und wachsende Scientific Community der Wissenschaftsphilosophie präsentieren und ein Forum für dieses interdisziplinäre Feld bilden wird:
Neuer Joint Master für "Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte"
Für die Universität Wien ist diese Entwicklung insofern erfreulich, als der Bereich der Wissenschaftstheorie und History and Philosophy of Science (HPS) mit den Professuren und Nachwuchsstellen von Friedrich Stadler und seit August 2009 von dem aus Cambridge berufenen Martin Kusch wechselseitig bereichert werden kann. Im Bereich der Lehre läuft bis Ende 2009 das Initiativ-Kolleg "The Sciences in Historical Context", mit sehr guten Chancen zur Fortsetzung durch ein erweitertes volles FWF-Doktoratsprogramm. Darüber hinaus wird ein Joint Master für "Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte" der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft und der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät ab dem Wintersemester 2010 als sinnvolle Ergänzung des Schwerpunkts angeboten.
|