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Anlässlich des 80. Geburtstags von Gerald Stourzh startet die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät eine Vorlesungsreihe (Foto: Copyright Lisa Peschel. Mit freundlicher Genehmigung des Austrian Studies Newsletter)


Martin van Gelderen hält am 27. Mai die erste Gerald-Stourzh-Vorlesung


Gerald-Stourzh-Vorlesungen Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät Einladung (PDF)
Auftakt der Gerald Stourzh-Vorlesungen
Studium/Lehre, Jubiläen
Redaktion am 20. Mai 2009

Gerald Stourzh - einer der renommiertesten österreichischen Historiker seiner Generation - feierte am 15. Mai seinen 80. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums startet die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät die Gerald Stourzh-Vorlesungen zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie. Die erste Vorlesung - mit Martin van Gelderen als Vortragendem - findet am 27. Mai im Hauptgebäude der Universität Wien statt.

Was macht die moderne Demokratie historisch aus und wie hängt sie mit politischen Teilhaberechten sowie den Menschenrechten zusammen? Der Historiker Gerald Stourzh, der sich als selbstbewussten Staatsbürger, als Citoyen und konsequenten Verfechter der Grundrechtsdemokratie beschreibt, hat diese Zusammenhänge so gründlich und überzeugend herausgearbeitet wie kaum ein anderer.

Gerald Stourzh, emeritierter Ordinarius für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Universität Wien und Doyen der österreichischen Neuzeitforschung, hat die Thematik der Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät fest verankert und auf diesem Gebiet auch international nachhaltige Impulse gegeben.

Respekt für geistige Leistung

Die Geschichte der modernen Demokratie beschäftigt Gerald Stourzh schon seit Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Der Jubilar wurde am 15. Mai 1929 in Wien geboren. Sein Vater, im Brotberuf Beamter, sah sich zum philosophischen Schriftsteller berufen - eine Arbeit, die mit der Machtübernahme der Nazis ein jähes Ende nahm. "So wuchs ich voller Respekt für geistige Leistung auf", schreibt Gerald Stourzh in seinem jüngsten Essayband „Spuren einer intellektuellen Reise“ (Böhlau 2009). Von seinen Eltern wurde er durch deren starke anti-nationalistische Überzeugung geprägt, und die politische Situation während seiner Jugend machte ihn zu einem bewussten Österreicher: Sein tiefgehendes Interesse für politische Vorgänge, Geschichte und Verfassung war geweckt.

Studium im Ausland

Mit 21 Jahren ging Gerald Stourzh für seine Studien ins Ausland: zunächst nach Clermont-Ferrand, dann ins englische Birmingham. Von 1951 bis 1958 war er auf Einladung des berühmten Politikwissenschaftlers Hans J. Morgenthau an der Universität Chicago sowie an der American Foundation for Political Education in Chicago tätig. Gleichzeitig absolvierte Stourzh ein postgraduales Studium der Geschichte, Politik- und Sozialwissenschaften. Sein erster wissenschaftlicher Aufsatz zum Thema "Reason and Power in Benjamin Franklin’s Political Thought" und sein preisgekröntes Buch "Benjamin Franklin and American Foreign Policy" machten Gerald Stourzh in der amerikanischen Geschichtswissenschaft mit einem Schlag bekannt.

Ehrendoktorate und Auszeichnungen

Wieder in Wien baute Gerald Stourzh die Österreichische Gesellschaft für Außenpolitik auf, der er bis 1962 als Generalsekretär vorstand. 1964 bis 1969 lehrte er an der Freien Universität Berlin, 1967/68 in Princeton und von 1969 bis 1997 an der Universität Wien.
Stourzh erhielt Ehrendoktorate von der Universität Graz und von der University of Chicago. Er ist Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Wien und erhielt mehrere Preise.

Start der Vortragsreihe

Mit den Gerald-Stourzh-Vorlesungen zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie will die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät neue Forschungen auf diesem Gebiet zur Diskussion zu stellen und dabei die Maßstäbe heranziehen, für die der Name Gerald Stourzh in der Geschichtsforschung steht: Präzision, Seriosität, Internationalität, Transdisziplinarität, analytische und historische Tiefenschärfe. Dafür wird die Fakultät jedes Jahr einen prominenten Forscher/eine prominente Forscherin einladen und neue Ansätze und Ergebnisse in einem Vortrag zur Diskussion stellen. Die Vortragsreihe wird im Forschungsportal der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät veröffentlicht.

Bei der ersten Gerald Stourzh-Vorlesung - am 27. Mai 2009 - spricht Martin van Gelderen über "Menschenrechte und Demokratie - James Madison, Hugo Grotius und die Probleme des neuen Europa". Van Gelderen ist Professor für Europäische Geschichte am European University Institute in Florenz und vertritt die Ideengeschichte und die Geschichte des Politischen Denkens, insbesondere Naturrechtstheorien und republikanische Traditionen in Europa. (ps)


Erste Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie
am 27. Mai 2009 um 18 Uhr,
im Lesesaal der Fachbereichsbibliothek der Geschichtswissenschaften,
Hauptgebäude, 2. Stock, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien

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