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Papyrologe Bernhard Palme



Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik
Papyrussammlung und Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek
Lebenslauf und Forschungstätigkeit von Bernhard Palme


Feier und Vortrag von Bernhard Palme anlässlich der Vertragsunter- zeichnung von Universität Wien und ÖNB am 9.6.2004: Erste Professur für Papyrologie an der Universität Wien   Kurzversion der Antrittsvorlesung von Bernhard Palme (3. Mai 2005):
Papyrologie und Mentalitätsgeschichte der Antike
Bernhard Palme: Herr über das Papier des Alltags
Forschungsprojekte, Porträts Neo-Professuren
Michaela Hafner (Redaktion) am 29. April 2005

Seit April 2004 ist Bernhard Palme Universitätsprofessor für Papyrologie und Alte Geschichte am Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien. Der Papyrologe über spannende Forschungsergebnisse, die Faszination der Papyri und den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Ab 634 n. Chr. begannen die Araber mit der Eroberung des nahen Ostens, ab 640 wurde auch Ägypten erobert, ab da war die Schriftsprache in Ägypten das Hocharabische. So kurz, so faktenreich.

Was sich in den Schulbüchern als relativ abrupter Wechsel vom Griechischen - in Ägypten jahrhundertelang Verwaltungssprache - zum Arabischen darstellt, sieht nach dem Befund der Papyrusquellen, die V.-Prof. Univ.-Doz. Dr. Bernhard Palme und sein Team in der weltgrößten Sammlung griechischer Papyri in der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) bearbeiten, ein wenig anders aus: "Über 150 Jahre nach der arabischen Eroberung Ägyptens gibt es noch viele Papyri in griechischer Sprache, der späteste bislang gefundene datiert aus 796/97 n. Chr. - noch vier, fünf Generationen nach der Landnahme wurde Griechisch öffentlich eingesetzt", erklärt Bernhard Palme.

Alles begann mit START

Dies ist nur eines der Ergebnisse des sechsjährigen START-Projekts, das Palme 1998 mit seinem Team begann, um die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Papyrologie voranzutreiben. Dabei wurden die rund 60.000 Papyri in griechischer Sprache aus der griechisch-römischen (332 v. - 395 n. Chr.) und byzantinischen Epoche (bis 641 n.) Ägyptens, welche die 1883 gegründete Sammlung an der ÖNB beherbergt, allesamt gesichtet und viele Publikationen und Editionen hervorgebracht. Damit das renommierte, vom Wissenschaftsfonds (FWF) und der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geförderte Forschungsprojekt fortgesetzt werden kann, richtete die Universität Wien die Professur für Papyrologie ein und schloss im Juni 2004 einen Kooperationsvertrages mit der ÖNB.

Lebensnaher Inhalt

Die Leidenschaft für die Papyrologie kam bei Bernhard Palme erst einige Jahre nach dem Studienbeginn an der Universität Wien. Zunächst noch im Bereich der griechischen Epigraphik tätig, rückte die Faszination für die Papyri immer mehr in den Vordergrund, nicht zuletzt durch die optimalen Arbeitsbedingungen in Wien, wofür er auch eine Berufung nach Heidelberg ablehnte.

"Jedes Papyrus-Dokument, egal ob klein oder groß, fragmentarisch oder vollständig, ist ein unverfälschtes Schriftzeugnis aus der Antike, in dem die 'kleinen Leute' zu uns sprechen", so Palme. Denn die bisher gut erforschten Quellen der mediterranen Hochkultur sind entweder öffentliche Steininschriften oder stammen aus der geformten Überlieferung (Geschichtsschreibung, Dichtung), die fast ausschließlich über die handschriftliche Tradition des Mittelalters, also in ständigen Abschriften, überliefert sind.

Papier des Alltags

"Bei den Papyri ist es, als ob man einen Altpapiercontainer umdreht", meint Palme, der sich 1998 habilitierte, schmunzelnd: "Wir finden private Briefe, Einkaufszettel, Steuerunterlagen, Amtskorrespondenz, rechtliche Verträge etc. und bekommen so einen sehr lebendigen Einblick in das Alltagsleben für die Zeit von 300 v. bis 700 n. Chr." Leider sind sie Zufallsfunde und nur im extrem trockenen Klima Ägyptens erhalten geblieben, obwohl Papyri im gesamten hellenistischen Osten und Römischen Reich verbreitet waren. Dennoch lässt sich an Ägypten modellhaft die Gesellschaft oder die administrative Struktur einer spätantiken Provinz erforschen.

Entziffern, übersetzen, kommentieren

Bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung setzt Palme auf Zweigleisigkeit: Zum einem ist ihm die Edition relevanter Papyrusurkunden wichtig, inklusive Entzifferung und Übersetzung. Zum anderen ist für ihn auch die historische Auswertung und die Einordnung in den geschichtlichen Zusammenhang unerlässlich, eine Aufgabe, die detaillierte Kenntnisse der damaligen Lebensverhältnisse erfordert. "Nur rund 30 ForscherInnen weltweit arbeiten kontinuierlich an der Entzifferung und der Kommentierung", so Palme, der sich auf die Spätantike spezialisiert hat.

Papyrologie in der Lehre

An der Universität Wien ist die Papyrologie seit über 20 Jahren Bestandteil der Ausbildung der AlthistorikerInnen. "Der damalige Institutsvorstand Ekkehard Weber hat erkannt, dass die Papyrologie als Fach nur vorwärts kommen kann, wenn sie auch in der Lehre verankert ist und sich Studierende damit beschäftigen", betont Palme, was die Universität Wien anderen Universitäten voraushat.

Palme, der seit 1994 an der Universität Wien lehrt, hält für angehende AlthistorikerInnen, aber auch klassische PhilologInnen und TheologInnen eine zweisemestrige Einführungsvorlesung in die Papyrologie sowie ein Seminar. Denn die Bandbreite der Themen in den Papyri spricht auch andere Disziplinen an - so wurde in der Wiener Sammlung etwa auch ein Teil eines Paulus-Briefes an die Hebräer gefunden.

Voraussetzung zum Besuch der Lehrveranstaltungen ist die Kenntnis des Altgriechischen, denn unverzichtbarer Bestandteil der Seminare ist die Bearbeitung unpublizierter Papyri: "Die Studierenden sollen dadurch zur Editionstätigkeit hingeführt werden." Mittlerweile wird jährlich eine Diplomarbeit oder Dissertation aus dem Fachbereich Papyrologie vollendet.

Geplant: Doktoratskolleg

Und die NachwuchswissenschafterInnen, die in Papyrologie dissertieren, sind sehr gut und engagiert, beurteilt Prof. Palme. Um den bereits vorhandenen internationalen Austausch noch mehr zu forcieren und junge ForscherInnen zu unterstützen, arbeitet Palme an der Realisierung eines Doktoratstudiums in Kooperation mit anderen europäischen Zentren der Papyrologie wie Oxford, Straßburg sowie Heidelberg und Trier. (mh)

Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Bernhard Palme mit dem Titel "Papyrologie und Mentalitätsgeschichte der Antike" findet am Dienstag, 3. Mai 2005 um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.
 

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