![]() Christian Swertz, Vertragsprofessor für Medienpädagogik mit dem Schwerpunkt Neue Medien in der (universitären) Lehre Institut für Bildungswissenschaft Homepage von Christian Swertz Lebenslauf und Forschungstätigkeit Kurzversion der Antrittsvorlesung von Christian Swertz (13. Juni 2005): Computertechnologie als Gegenstand und Aufgabe der Medienpädagogik |
Chr. Swertz: Lehren und Lernen im Online-Zeitalter |
| Forschungsprojekte, Porträts Neo-Professuren |
| Eszter Bokor (Redaktion) am 21. März 2005 |
Mediendidaktik, Entwicklung von Online-Lernplattformen, Ausarbeitung von Curricula für eLearning, pädagogische Aspekte der Stadtentwicklung ? mit all diesen Themen beschäftigt sich V.Prof. Mag. Dr. Christian Swertz, M.A, der seit September 2004 die neu eingerichtete und bisher in Europa einmalige Professur für Medienpädagogik mit dem Schwerpunkt "Neue Medien in der (universitären) Lehre" an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft erhielt. |
Mitte des 16. Jahrhunderts beklagte der Philosoph und Pädagoge Johann Amos Comenius (1592-1670), dass sich Wissen so schnell erneuere, dass Lehrer gar nicht mehr im Stande seien, sich alles rechtzeitig anzueignen und an ihre Schüler weiterzugeben. Die Lösung fand er im Einsatz der (damals) "neuen Medien": Johannes Gutenberg hatte soeben den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden. Der leidenschaftliche Pädagoge verband das neue Medium mit seinen didaktischen Überlegungen und erfand so das Schulbuch. Die Frage nach dem Einsatz neuer Medien in der Lehre ist also kein Phänomen unserer Zeit. eLearning nicht ohne eDidaktik Pädagogische Fachrichtungen beschäftigen sich immer intensiver mit der Entwicklung mediengerechter und didaktisch fundierter Lernumgebungen im Netz. Das Ziel dabei ist, Wissen so aufzubereiten, dass man es mit Hilfe der Computertechnologie lernen kann: Der Lernprozess soll auf der Plattform selbst stattfinden ? eLearning soll mehr leisten, als bloß online abrufbare Skripten oder Linklisten bereitzustellen. Online-Lernumgebungen sollen selbständiges Lernen bzw. Kommunikation und Vernetzung mit anderen Lernenden ermöglichen. Hier setzt die Arbeit von V.Prof. Dr. Christian Swertz an: Der Medienpädagoge mit Schwerpunkt Mediendidaktik untersucht Lernabläufe, analysiert das Lernverhalten auf der von ihm programmierten Webplattform "InLearn" und entwickelt mit Hilfe dieser empirischen Daten sowie mit Hilfe theoretischer Modelle neue didaktische Designs. "Diese Methode führte mich zur Entwicklung eines didaktischen Konzeptes namens 'Web-Didaktik', das darauf abzielt, Lernenden die Möglichkeit zu geben, bei eLearning aus unterschiedlichen didaktischen Modellen jenes zu wählen, das ihren Bedürfnissen entspricht. Ich halte es für falsch, einen einzigen didaktischen Ansatz zum absolut richtigen zu erklären. Meine 'Web-Didaktik' bietet daher eine Systematik, um unterschiedliche didaktische Modelle abzubilden. Es handelt sich also um eine didaktische Ontologie, die einen flexiblen Zugang ermöglicht", erklärt Swertz. Technisches und pädagogisches Know-how Die neu geschaffene Professur am Institut für Bildungswissenschaft erfordert sowohl pädagogische Kompetenz, als auch ausgezeichnete Informatikkenntnisse, denn das didaktische Konzept muss in die jeweilige Plattform integriert sein, und dies ist nur möglich, wenn die Software nach diesen Bedürfnissen entwickelt wird. Christian Swertz, der auch eLearning-Beauftragter der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft ist, sieht sich als Schnittstelle zwischen PädagogInnen und InformatikerInnen. "Das ist deshalb wichtig, weil in die Struktur einer Plattform eine Bildungsabsicht hineingeschrieben wird. Wenn jemand mit dem Computer arbeitet, passt er/sie sich ihm an, denn den Computer kann man nur so bedienen, wie er programmiert ist. Lernplattformen sollen daher so gestaltet sein, dass sich Lernende an etwas anpassen, das gut strukturiert wurde, wo ein hidden curriculum eingebaut ist. Das ist nur möglich, wenn man an der Softwareentwicklung beteiligt ist", fasst der Experte zusammen. Neue Konzepte für die Universität Wien: Lehramt, ? Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist die Entwicklung eines eLearning-Curriculums für die LehrerInnenbildung gemeinsam mit dem Institut für Schulpraktische Ausbildung, um den Einsatz von Computertechnologie im Unterricht auszubauen. Da im Lehramtsstudium keine zusätzlichen Kapazitäten für eLearning freigemacht werden können, wird der bisherige Inhalt in Form von eLearning-Lehrveranstaltungen vermittelt, so dass die zukünftigen LehrerInnen selbst mit der Plattform arbeiten müssen. "Die Studierenden lernen, wie man eLearning gestaltet, in dem sie selbst in der eLearning-Situation sind. Diese praktische Erfahrung ist sehr hilfreich", betont Swertz. ? Uni-Lehrgang "Knowledge Experts" und eLearning-Lab Eine weitere inneruniversitäre Kooperation ist die Beteiligung am Aufbau des Universitätslehrgangs "Knowledge Experts" unter Federführung von Univ.-Prof. Dr. Budin vom Zentrum für Translationswissenschaft. Dieser Lehrgang für Wissensorganisation und Informationswissenschaft soll Fachleute ausbilden, die Wissen systematisch sammeln und so archivieren bzw. aufbereiten können, dass es gut angeeignet werden kann. Prof. Swertz arbeitet auch an der Beteiligung der Universität Wien am Joint Master Programm "Media and Culture" mit, das bereits an Unis in den USA, England, Frankreich, Italien und Deutschland angeboten wird. Am Institut für Bildungswissenschaften baut Swertz gemeinsam mit ao. Univ.-Prof. Dr. Herbert Hrachovec vom Institut für Philosophie ein medienpädagogisches Labor mit modernster technischer Ausstattung auf. Noch ein gemeinsames Projekt verbindet die beiden Wissenschafter: In Kürze soll ein virtuelles eLearning-Labor entstehen, das die Aktivitäten an der Fakultät in diesem Bereich bündeln und Ergebnisse von eLearning-Initiativen weiterentwickeln wird. Dieses "eLearning-Lab" soll als Ergänzung zu WebCT Vista dienen und noch im Laufe des Sommersemesters online gehen. (eb) Die Antrittsvorlesung von Prof. Christian Swertz findet am 13. Juni 2005 um 18 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt. Buchtipp: Christian Swertz: Didaktisches Design. Ein Leitfaden für den Aufbau hypermedialer Lernsysteme mit der Web-Didaktik. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag 2004 |

