Redaktion: Sie haben bei Ihrer ersten Präsentation im Mai letztes Jahr gesagt, Sie möchten das "Faktum Massenuniversität bewusst gestalten" und "die Universität aus dem Blick der Studierenden betrachten". Außerdem möchte die Universität Wien die Studienbedingungen verbessern. Welche Pläne gibt es in diesem Bereich? Christa Schnabl: Wir haben nur sehr wenige Studienrichtungen, in denen es sehr viele Studierende gibt, aber in der Gesamtzahl ist es ein erheblicher Prozentsatz von Studierenden, die mit Studien mit hoher Studierendenzahl konfrontiert sind. Wir richten daher ein besonderes Augenmerk auf die Studieneingangsphase und wollen insbesondere die Information und Orientierung der Studierenden verbessern. In diesen Studien ist der Einsatz von E-Learning und TutorInnen sehr wichtig, weil prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen für große Studierendenzahlen nicht durchführbar sind.
Weiters soll die Betreuungssituation bei den Master- oder Diplomarbeiten verbessert werden, ein/e ProfessorIn soll nicht mehr als 20 bis 25 Arbeiten betreuen. Darüber hinaus werden wir in nächster Zeit Maßnahmen diskutieren, wie wir die Qualität in der Lehre weiter verbessern können. Bisher wurden betreuungsintensive Studien stark über externe Lehre unterstützt; wir wollen einen Schritt weitergehen und die externen Lehrenden stärker an die Universität anbinden. Man wird diskutieren müssen, auch im Zusammenhang mit dem Kollektivvertrag, in welchen Bereichen und welchem Ausmaß der Einsatz von Senior Lecturers sinnvoll ist. Das sind Lehrende, deren Arbeitsausmaß sich aus den Lehraufgaben während des Semesters ergibt.
Im Bereich Service baut Student Point sein Beratungsangebot permanent aus. In nächster Zeit muss auch die Schnittstelle Schule - Universität ausgebaut werden, denn SchülerInnen brauchen gute Infos darüber, was sie im Studium und in der Arbeitswelt erwartet. Uniport hat dazu vor kurzem eine Broschüre herausgegeben. Durch die Einrichtung der StudienServiceCenters wurde ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung des Services für die Studierenden gemacht.
Redaktion: Die Universität Wien möchte sich im Europäischen Bildungsraum mit einem attraktiven Studienangebot positionieren. Was tut die Universität, um internationale (Master-)Studierende verstärkt anzusprechen? Schnabl: Wir wollen nicht nur internationale Studierende ansprechen, sondern auch unsere Studierenden dazu bewegen, z.B. im Rahmen eines ERASMUS-Programms zumindest für ein Semester ins Ausland gehen. In diesem Bereich möchten wir unsere Aktivitäten intensivieren. Wir erwarten auch eine gewisse Verschiebung von der horizontalen Mobilität innerhalb des Bachelor- oder Masterprogramms hin zur vertikalen Mobilität vom Bachelor zum Master, d.h. dass Studierende z.B. einen Bachelor in Wien und anschließend den Master in Italien machen. Und umgekehrt müssen wir unsere Masterprogramme im Ausland bewerben, so dass etwa ein Student nach einem Bachelor in Paris zu einem Masterprogramm an die Universität Wien kommt. Wir bieten ein sehr ausdifferenziertes Masterprogramm entsprechend unseres Forschungsprofils an. Das ist die Chance, um internationale Studierende anzuziehen, auch weil wir versuchen werden, gerade für den Master englischsprachige Programme zu entwickeln bzw. das eine oder andere Masterprogramm gänzlich in Englisch anzubieten, ähnlich wie bei Doktoratsprogrammen.
Redaktion: Zu Ihren Agenden zählt auch die Weiterbildung. Schnabl: Die Universität Wien bietet derzeit 21 Lehrgänge im Ausmaß von 60, 90, mitunter 120 ECTS an. Ich gehe davon aus, dass sich das Programm in nächster Zeit weiterentwickeln wird und wir weitere Lehrgänge aufbauen werden, etwa im Bereich LehrerInnenweiterbildung. Zusätzlich wollen wir in nächster Zeit Angebote aufbauen für die Zielgruppe der 30- bis 50-Jährigen, die sehr engagiert ist im Beruf; für sie wollen wir keine Langformen mit Curriculum und zertifiziertem Abschluss aufbauen, sondern kürzere, seminaristische Angebote; das können Einzelseminare sein oder Angebote mit zehn oder 30 ECTS.
Redaktion: Zum Bereich Alumni: Was ist geplant, damit noch mehr AbsolventInnen den Kontakt mit ihrer Universität halten und pflegen? Schnabl: Wir haben im letzten halben Jahr ein Konzept über den Ausbau der Alumni-Aktivitäten erarbeitet. Studierende von heute sind die Alumni von morgen, d.h. wir müssen die Studierenden heute ernst nehmen und so behandeln, dass es ihr Interesse und Anliegen ist, mit der Universität Wien weiterhin in Kontakt zu bleiben. Ein anderer wichtiger Punkt ist, die Alumniarbeit stärker in die Universität hineinzutragen und auch an die Fakultäten und Fächer anzubinden, denn Alumni haben auch ein Interesse an der Entwicklung ihres Faches. Daher sollen die Alumnitätigkeiten auf der Ebene der Institute intensiviert und gleichzeitig besser mit dem überfakultären Angebot verzahnt werden. Es braucht daher weiterhin eine Dachorganisation wie den Alumniverband, der überfachliche Tätigkeiten koordiniert und seine Services ausbaut.
Redaktion: Am 1. Juli beginnt die Zulassungsfrist an der Universität Wien. In welchen Studien gibt es Auswahlverfahren? Schnabl: Derzeit sind an der Universität Wien in zwei Studienrichtungen Auswahlverfahren nach der Zulassung in Kraft, in Psychologie und Publizistik. Bisher haben wir die Zahlen der Anmeldungen genau beobachtet: Wenn die Zahl der durchschnittlichen Zulassungen der letzten Jahre überstiegen wurde, haben wir ein Auswahlverfahren gestartet. Für die Studierenden war erst zu einem relativ späten Zeitpunkt - in der zweiten Septemberhälfte - klar, ob es ein Auswahlverfahren geben wird oder nicht. Ab dem kommenden Wintersemester wird das nun umgestellt: Nun kommunizieren wir, dass wir davon ausgehen, dass es in diesen beiden Studienrichtungen wieder ein Auswahlverfahren nach der Zulassung geben wird. Wir werden die Zahlen beobachten: Sollten die Anmeldungen weit geringer sein, dann besteht die Möglichkeit, das Verfahren nach der Zulassung auszusetzen. (mh) |