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Christian Swertz, flankiert von Vizerektor Arthur Mettinger (li) und Dekan Peter Kampits. Fotos: Öffentlichkeitsarbeit


Der 38-jährige Medienpädagoge ist seit September 2004 Professor an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft.




Großes Interesse im Publikum.




Christian Swertz im Kreis seiner Familie.


Nach der Antrittsvorlesung gab es Gelegenheit zu informellem Austausch.


Lebenslauf und Forschungstätigkeit von Christian Swertz Institut für Bildungswissenschaft, Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft Artikel über Christian Swertz: Chr. Swertz: Lehren und Lernen im Online-Zeitalter
Computertechnologie als Gegenstand und Aufgabe der Medienpädagogik
Antrittsvorlesungen
Gastbeitrag von Christian Swertz am 14. Juni 2005

In seiner Antrittsvorlesung "Computertechnologie als Gegenstand und Aufgabe der Medienpädagogik" am 13. Juni 2005 sprach der Medienpädagoge V.Prof. Mag. Dr. Christian Swertz, M.A. über Neue Medien in der (universitären) Lehre.

Eine Aufgabe der Medienpädagogik ist die Softwareentwicklung. Dabei wird Software in einer aus Sicht eines Pädagogen merkwürdigen Sprache formuliert: Sie determiniert das Verhalten der Maschine, während pädagogisches Sprechen das Verhalten der Lernenden gerade nicht determiniert. Pädagogisches Sprechen und Programmiersprachen sind widersprüchlich, und die Verbindung herzustellen, ist eine erhebliche Herausforderung für pädagogisch motivierte Softwareprojekte, in denen Medien nicht nur genutzt, sondern eben auch gebaut werden. Organisation von Wissen Bei der Produktion von Inhalten für die Computertechnologie entsteht ein Navigationsproblem, da Bildschirme nur einen Auszug aus den Speichern von Computern wiedergeben. Das Navigationsproblem macht es erforderlich, Wissen anders als für den Buchdruck oder das Fernsehen zu organisieren. Dabei kann auf bewährte didaktische Methoden zurückgegriffen werden. Auf dieser Strategie basiert die Web-Didaktik. Sie bietet eine Ontologie von Medientypen, Wissensarten und Relationen an, die auf der einen Seite die mediengerechte Produktion hypertextueller Lernumgebungen anleiten, und auf der anderen Seite das Navigationsproblem lösen, indem z.B. die Wissensarten als Navigationsmittel verwendet werden. Die Navigation kann dabei zusätzlich durch eine Sequenzierung gemäß didaktischer Modelle unterstützt werden. Das Medium ist die Botschaft Computer als Medium werden nun zum Gegenstand der Medienpädagogik. Medien sind Gegenstände, die von Menschen zu Zeichen gemacht werden, d.h. Medien haben eine physikalische, eine pragmatische und eine semiotische Dimension. Im Falle des Computers ist der Gegenstand ein Artefakt. Wenn Menschen ein Artefakt herstellen, dann wird der dabei verwendete Gegenstand zum Zeichen, also wieder zu einem Medium, in dem ein Verständigungsanspruch ausgedrückt wird, mit McLuhan heißt das: Das Medium ist die Botschaft eines Mediums. Dimensionen und Grenzen Die pragmatische Dimension bezeichnet den Umstand, dass nur ein Subjekt einen Gegenstand zu einem Zeichen machen kann. Hier schließt die mediale Reflexivität an. Eine mediale Reflexion ist die Spiegelung eines Raumes in einem Aspekt. In einem Medium reflektieren die physikalische, die semiotische und die pragmatische Dimension aufeinander? einander?. Dabei ist in der pragmatischen Dimension die Äußerung nur ein Aspekt aus dem Möglichkeitsraum eines Subjekts, die dennoch die Eigenschaften des Subjekts widerspiegelt. Diese Spiegelung markiert die Grenzen und die Möglichkeiten empirischer Forschungsprojekte, wie sie in der Wiener Medienpädagogik durchgeführt werden. Medialer Habitus Die Struktur der Computertechnologie weist nun eine rationale Struktur auf, die in der zweifachen sprachlichen Abbildung bei der Formulierung von Algorithmen liegt. Dabei kann durch Algorithmen mit sprachlichen Abbildungen gespielt werden. Dieses Spiel ist aber auch Kern jeder Wissenschaft, und hierin liegt der bildende Gehalt der Computertechnologie. Diese Struktur der Computertechnologie prägt dabei die Menschen, die das Medium verwenden. Diese aufgeprägte Haltung bezeichnen wir als medialen Habitus. Ein Ausdruck des von der Computertechnologie forcierten medialen Habitus ist die Pluralitätsdebatte. Diese wird in der Arbeit von Richard Hönigswald vorweggenommen: Er geht von einem kontingenten Ansatz aus, der sich in der Durchführung der Analyse bewähren muss. Dabei wird Relativität in der Theorie selbst wieder analysiert. Hönigswald verwendet dazu eine relational-dialektische Methode: Einheit und Differenz werden gleichzeitig gedacht. Dabei fällt die relationale Dialektik in den Gegenstandsbereich der Theorie und sichert damit die Konsistenz. Verständigung Im Rahmen dieses Konzepts entwickelt Hönigswald den Verständigungsbegriff. Verständigung läuft in drei Schritten ab. Im ersten Schritt wird Wissen von einem Subjekt mit dem Anspruch der Verständigung in einem sinnlich wahrnehmbaren Gegenstand geäußert. Im zweiten Schritt liegt der Verständigungsanspruch im Gegenstand unabhängig von dem Subjekt, das den Anspruch geäußert hat, vor. Im dritten Schritt erfolgt die Zustimmung oder Ablehnung des Verständigungsanspruchs durch ein Subjekt. Wird Wissen, oder besser: ein Wahrheitssystem, von einem Menschen akzeptiert, kann von Bildung gesprochen werden. Die Antrittsvorlesung "Computertechnologie als Gegenstand und Aufgabe der Medienpädagogik" fand am Montag, 13. Juni 2005 um 18 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.  

WELL

Um den Medienschwerpunkt auszubauen und die E-Learning-Aktivitäten an der Universität Wien voranzutreiben, hat die Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft im April 2005 das Wiener E-Learning-Lab (WELL) gegründet. Das WELL, eine Ergänzung zur Lernplattform WebCT Vista, stellt für Studierende und Lehrende innovative und experimentelle Lernplattformen bereit und ergänzt damit das vorhandene Basisangebot der Universität Wien. "Die enge Verbindung von Forschung und Lehre im Wiener E-Learning-Lab ist europaweit einmalig. Durch die gute Ausstattung der Wiener Medienpädagogik und die Verankerung in einer Forschungseinheit mit Theoretischer Pädagogik sind Voraussetzungen für international relevante exzellente Forschung geschaffen", erklärt Christian Swertz die Besonderheiten der in Europa einzigartigen Professur für Medienpädagogik mit Forschungsschwerpunkt E-Learning. 

   

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