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Am Mittwoch, 17. März, hält Monika Henzinger ihre Antrittsvorlesung zum Thema "Algorithmic Game Theory or How Web Search Engines Make Money".


Einladung zur Antrittsvorlesung (PDF) CV von Monika Henzinger Institut für Distributed and Multimedia Systems der Fakultät für Informatik  
Die "Google-Professorin"
Professuren, Porträts Neo-Professuren
Bernadette Ralser (Redaktion) am 10. März 2010

Sie war als Forschungsleiterin von Google Inc. am Aufstieg der weltweit erfolgreichsten Suchmaschine beteiligt, nun lehrt und forscht sie an der Universität Wien. "Algorithmische Spieltheorie" ist Monika Henzingers Spezialgebiet, der Algorithmus ihres Erfolgs lautet "Ziele so hoch wie möglich stecken - und auch dann nicht aus den Augen verlieren, wenn einen das Leben auf Umwege schickt". Am Mittwoch, 17. März 2010, hält die neue Professorin für Theorie und Anwendung von Algorithmen im Kleinen Festsaal der Universität Wien ihre Antrittsvorlesung.

Steil, aber nicht geradlinig verlief die bisherige Karriere von Monika Henzinger: "Ich hatte schon viele verschiedene Arbeitsstellen und musste - hauptsächlich aus familiären Gründen - immer anpassungsfähig sein. Aber ich habe nie aufgegeben, an meinen Zielen zu arbeiten." Denn eines wollte die gebürtige Bayerin schon immer sein: Professorin. "Ich forsche und lehre liebend gerne!" Seit Oktober 2009 verfolgt sie diese Leidenschaft am Institut für Distributed and Multimedia Systems der Fakultät für Informatik.

Von der Universität in die Wirtschaft ...

Gleich nach dem Informatikstudium in Saarbrücken verschlug es Monika Henzinger 1989 in die USA, wo sie drei Jahre später an der Princeton University promovierte und kurz darauf eine Stelle als Assistenzprofessorin für Computer Science an der Cornell University annahm. "Dort habe ich meinen Mann kennengelernt, und als er ein Angebot in Berkeley bekam, sind wir nach Kalifornien umgezogen. Da habe ich mir dann eine Beschäftigung in der Wirtschaft gesucht", blickt sie auf die Anfangsjahre ihrer beruflichen Laufbahn zurück.

Über ihren Job im Forschungszentrum der Firma Digital Equipment Corporations Systems, den Betreibern der Suchmaschine Altavista, kam sie mit den Google-Gründern in Kontakt. "Die waren damals noch Studenten und sind mit ihrer Idee zunächst auf taube Ohren gestoßen - sowohl in der Wissenschaft als auch in der Industrie", erzählt Henzinger: "Frustriert, aber immer noch von ihrem Vorhaben überzeugt, haben sie dann eine eigene Firma gegründet - und mich schließlich als Director of Research mit ins Boot geholt."

In den Jahren bei Google hat sie zunächst die Forschungsgruppe von Grund auf aufgebaut, an der Qualität und Effizienz der neuen Suchmaschine gearbeitet und sich zuletzt an jenes herausfordernde Forschungsfeld herangetastet, das heute ihr Spezialgebiet ist: die algorithmische Spieltheorie.

... und wieder zurück


2005 verwirklichte Henzinger dann ihren lang gehegten Wunsch, indem sie eine Informatikprofessur an der Ecole Polytechnique Federale in Lausanne (CH) antrat. "Wenn ich eines von den Google-Gründern gelernt habe, dann dass man seine Ziele hoch stecken muss. Und wenn man auch nur 70 Prozent davon schafft, hat man trotzdem viel erreicht", so die erfolgreiche Wissenschafterin. Mit der Berufung zur Professorin an der Universität Wien ist sie nun - fürs erste - an einem dieser Ziele angekommen.

Anspruchsvolle Mathematik ...

An Suchmaschinen - und speziell am Thema "sponsored search" - reizt Monika Henzinger vor allem die Möglichkeit, anspruchsvolle Mathematik mit Wirtschaftswissenschaften und Informatik zu verknüpfen. "Wenn man z.B. das Wort 'Blumen' googelt, erscheint rechts auf dem Bildschirm eine Reihe von Werbeanzeigen verschiedenster Anbieter - aber keine x-beliebigen, sondern themenverwandte, wie etwa Blumenversandcenter oder Online-Blumenshops", erklärt sie: "Was die NutzerInnen meist nicht ahnen, sind die kniffligen Rechnungen, Algorithmen und Programme, die hinter den Entscheidungen der Suchmaschine stehen, welche Reklame sie zeigt bzw. an welcher Stelle, und was der jeweilige Anbieter pro Klick auf seine Anzeige bezahlen muss."

... mit Praxisbezug

Nicht immer bekommt der Werbeanbieter das Keyword und die Position, die er sich wünscht - und dann auch noch zu einem fairen Preis. "Das Problem ist, dass niemand so wirklich weiß, was ein fairer Preis ist - also nach welchen Kriterien man den Wert eines Klicks auf eine Werbeanzeige bestimmt." Deshalb werden Google-Keywords heute über großangelegte Online-Auktionen versteigert.

Auktionen sind zwar mittels Spieltheorie mathematisch gut verstanden, im Web sieht es aber wieder anders aus: "Das war noch nie da, dass jemand an Hunderten von Versteigerungen fast gleichzeitig teilnehmen kann", so die Informatikerin. Sie rechnet mit Papier und Bleistift an neuen Strategien und Formeln, um die Spieltheorie "webtauglich" zu machen. Ziel ist es, "sponsored search" zur höheren Zufriedenheit aller Beteiligten weiter zu verbessern und den UserInnen und AnbieterInnen mehr Gestaltungsspielraum einzuräumen.

Anschauliche Lehre

Ihre Erfahrungen aus der Praxis möchte Monika Henzinger auch den Studierenden vermitteln - gemeinsam mit der Freude und Faszination am Fach. "Mir ist wichtig, dass die Studierenden das, was sie bei mir lernen, auch in ihren späteren Berufen brauchen können", so die neue Professorin: "Das heißt nicht, dass man nur Dinge lehren soll, die sofort einsetzbar sind - in der Informatik veraltet direktes Wissen wie beispielsweise Programmiersprachen schnell. Aber es gibt allgemeine Konzepte, wiederkehrende Probleme und Denkweisen, die nicht veralten - und dazu gehört das Algorithmenwissen." (br)


Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Monika Henzinger vom Institut für Distributed and Multimedia Systems zum Thema "Algorithmic Game Theory or How Web Search Engines Make Money" findet am Mittwoch, 17. März 2010 um 17.00 Uhr im Großen Festsaal der Universität Wien statt.

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