Seit Februar 2010 hat E. Christiana Köhler die Professur für Ägyptologie mit dem Schwerpunkt Archäologie inne. Die gebürtige Deutsche verbrachte zuletzt mehrere Jahre an der Macquarie University in Sydney. An der Universität Wien begeistert sie der hervorragende Ruf der Ägyptologie und die lange akademische Tradition, die sie an der jungen Universität in Australien langsam zu vermissen begann. Am Montag, 17. Mai 2010, hält sie im Kleinen Festsaal der Universität Wien ihre Antrittsvorlesung zum Thema "Memphis - Die erste Stadt des Pharaonenreiches". |
"Seit ich klein bin, hat mich Ägypten fasziniert - das war praktisch einprogrammiert", lacht Christiana Köhler: "Heute ist es die uralte Frage 'Wo kommen wir her?', die ich mit meiner Forschung zu beantworten versuche. Im alten Ägypten können wir unsere Ursprünge erkennen, denn das archäologische Material ist wunderbar erhalten."
Die wissenschaftliche Karriere Köhlers begann in Trier, wo sie sich für das Studium der Ägyptologie, Klassischen Archäologie, Kunstgeschichte und Ethnologie inskribierte. Sie promovierte in Heidelberg und erhielt im Anschluss daran ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das ihr einen Post-Doc-Studienaufenthalt an der University of Pennsylvania in Philadelphia ermöglichte. 1996 ging sie als Dozentin an die Macquarie University of Sydney. Seit Februar 2010 ist Christiana Köhler nun Professorin für Ägyptologie mit dem Schwerpunkt Archäologie und Vorständin des Instituts für Ägyptologie an der Universität Wien.
Ägypten vor dem Pyramidenbau
Einer der Forschungsschwerpunkte der Wissenschafterin ist die Frühzeit des alten Ägypten: "Ich gehe an die Wurzeln, indem ich mich mit der Zeit vor dem Pyramidenbau auseinandersetze. Die ersten Pyramiden datieren um 2.600 vor Christus und entstammen der vierten Dynastie. Ich beschäftige mich mit der Zeit davor." Köhler fasziniert insbesondere der Übergang von einer nicht-staatlichen zu einer staatlichen Gesellschaft sowie die Entstehung politischer Strukturen. "Diese Dinge sind natürlich auch für den modernen Menschen relevant. Nehmen wir zum Beispiel das Steuersystem - das hat sich schon im alten Ägypten entwickelt."
Von den Hörsälen in Sydney und Wien …
Im Vergleich zwischen der österreichischen und der australischen Hochschullandschaft reflektiert Köhler ihre Erfahrungen in der Lehre: "In Australien zahlen die StudentInnen eine hohe Studiengebühr. Das macht Studieren und Lehren zu einem Geschäft. Dieser kommerzielle Aspekt wirkt sich auf die Lehre aus - man bietet ein Produkt an, die StudentInnen 'kaufen'. Das hat natürlich Einfluss auf die allgemeine akademische Kultur. Mir gefällt das österreichische System wesentlich besser. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Lehre sind gegeben, und es geht um rein akademische Belange."
Ein weiterer positiver Aspekt für die Lehre an der Universität Wien ist die überschaubare Studierendenzahl am Institut für Ägyptologie. In Sydney gibt es jedes Jahr rund 200 Erstsemestrige, mehr als die Gesamtzahl aller aktuell in Wien für Ägyptologie inskribierten Studierenden. "In den letzten Wochen hatte ich aber trotzdem sehr viel zu tun", fügt die Ägyptologin lachend hinzu: "Ich musste nämlich erst einmal meine Vorlesungen vom Englischen ins Deutsche übersetzen."
... zur Ausgrabungsstätte Helwan in Ägypten
"Mein Forschungsgegenstand ist meine Grabung", erklärt Christiana Köhler, die einen archäologischen Zugang in der Ägyptologie verfolgt. Seit rund 14 Jahren leitet sie eine Ausgrabungsstätte in Helwan, einem Fundort in der Nähe des modernen Kairo. Es handelt sich dabei um einen Friedhof, in dem BewohnerInnen der ersten Hauptstadt des Pharaonenreichs - Memphis - bestattet wurden.
Die Forscherin interessiert sich insbesondere dafür, wie es zur Gründung von Memphis kam, und was eine Hauptstadt rund 5.000 Jahre vor unserer Zeit kennzeichnete. Die Funde geben Aufschluss über die materielle Kultur des alten Ägypten (Werkzeuge, Gefäße, Schmuck) und lassen Rückschlüsse auf die Gesellschaftsstruktur zu. Die Arbeit an einer Ausgrabungsstätte ist kein leichtes Unterfangen: "Bisher habe ich immer in dreimonatigen Kampagnen gearbeitet. Wir stehen mit den Hühnern auf und arbeiten bis abends. So geht das sechs Tage die Woche, und an meinem 'freien' Tag erledige ich die Buchhaltung und anderen Papierkram. Das geht ganz schön an die Konsistenz."
Spaß und harte Arbeit
Wenn sich junge Menschen für eine wissenschaftliche Karriere in der Ägyptologie/Archäologie interessieren, brauchen sie Beharrlichkeit und Geduld, meint die neue Professorin abschließend: "Man muss die Bereitschaft für harte Arbeit mitbringen - sowohl physisch als auch intellektuell. Trotzdem darf auch der Spaß nicht verlorengehen." (dh)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. E. Christiana Köhler vom Institut für Ägyptologie zum Thema "Memphis - Die erste Stadt des Pharaonenreiches" findet am Montag, 17. Mai 2010 um 17.00 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.
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