Wann, wenn nicht am heutigen internationalen Frauentag, sollte man die Verdienste von Wissenschafterinnen der Universität Wien besonders hervorheben? Eine von ihnen - die Historikerin Edith Saurer - wird am morgigen Dienstag, 9. März 2010, für ihre wissenschaftlichen Leistungen mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Wien ausgezeichnet. Zu den bisherigen TrägerInnen dieser Auszeichnung gehören bekannte Persönlichkeiten wie z. B. der Quantenphysiker Anton Zeilinger, der Musiker Peter Kraus oder der Polit-Journalist Peter Pelinka. |
Frauentagebücher, Korruption und Ehe haben eine Gemeinsamkeit: Sie zählen zu den bisherigen Forschungsgebieten der Historikerin Edith Saurer, die am Dienstag, 9. März 2010 das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien erhält. Überreicht wird die Auszeichnung von Sandra Frauenberger, Wiener Stadträtin für Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal.
Die Ehrung durch die Stadt Wien ist für Edith Saurer etwas ganz Besonderes, denn sie bestätigt der Historikerin mit Forschungsschwerpunkt Gender, dass ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten sowie die damit verbundene Organisationsarbeit auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen und honoriert werden. Sauer: "Ich hoffe, meine Ehrung hat positive Folgen sowohl für andere Wissenschafterinnen als auch für den gesellschaftlichen Diskurs zu Gleichberechtigung und Emanzipation."
Von Kirchengeschichte ...
Edith Saurer wurde am 20. August 1942 in Wien geboren. Sie begann in den 1960er Jahren mit dem Studium der Geschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. 1966 erhielt sie das zweijährige ROM-Stipendium der ÖAW; ihre kirchenhistorische Dissertation beendete sie 1968.
Als Assistentin an der Universität Wien - 1970 bis 1983 - interessierte sich Edith Saurer zunehmend für die Geschichte materieller Kulturen, Grenzen, Steuern und Kriminalität in vergleichender Perspektive, vornehmlich mit dem Fokus auf Italien und Österreich. Diese Forschungsinteressen mündeten in ihrer Habilitation "Straße, Schmuggel, Lottospiel. Materielle Kultur und Staat in Niederösterreich, Böhmen und Lombardo-Venetien" (1983). Ab 1983 war Edith Saurer Universitätsdozentin, seit 1992 ist sie Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Wien.
Gastprofessuren führten sie an die Universität Bielefeld (1987), nach Neapel (1991), an die Universität Leipzig (1993) und ans European University Institute in Florenz (1998, 2003).
... zu Genderforschung
Ausgehend von geschlechterspezifischen Aspekten in der Religion begann sich Saurer in den 1980er und 1990er Jahren verstärkt mit Frauen- und Geschlechtergeschichte zu beschäftigen. Von 1982 bis 2007 leitete sie die Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechtergeschichte (vormals "Arbeitsgruppe Frauengeschichte") am Institut für Geschichte der Universität Wien, 1990 gründete sie die feministische historische Zeitschrift "L'Homme", und von 1993 bis 2000 war sie die Vorsitzende der Kommission der Interuniversitären Koordinationsstelle für Frauenforschung Wien (heute Referat Genderforschung).
"Sammlung Frauennachlässe"
1989 organisierte Edith Saurer gemeinsam mit einem Frauenkollektiv die Ausstellung "Wer wählt, gewinnt? 70 Jahre Frauenwahlrecht"; im Zuge dieser Forschungsarbeit wurde einmal mehr evident, dass Dokumente zu weiblichen Alltags- und Lebensverhältnissen schwer zugänglich sind. Ein umfangreicher Nachlass einer Wiener Lehrerin und Frauenrechtlerin legte einen Grundstein für die "Sammlung Frauennachlässe". Seit den späten 1990er Jahren stehen Edith Saurer und Christa Hämmerle diesem Archiv gemeinsam vor.
Die Sammlung Frauennachlässe ist seit Jänner 2006 ein Teil der Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext", die Edith Saurer auch nach ihrer Pensionierung als Universitätsprofessorin am Institut für Geschichte weiterhin leitet.
Bisherige Forschungen
Edith Saurer forschte im Laufe ihrer Karriere zu unterschiedlichen Themen wie etwa der Geschichte der Materiellen Kultur, zu Religionsgeschichte, zur Geschichte Italiens und zu historisch-anthropologischen Themen.
Die Wissenschafterin hat auch eine Vielzahl an Aufsätzen publiziert und eine Reihe von Zeitschriftenheften und Büchern (mit-)herausgegeben - u.a. den bekannten Sammelband "Politiken der Verwandtschaft". 1991 wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Preis, 1997 mit dem Gabriele-Possanner-Staatspreis ausgezeichnet. (red) |