Räume, Beziehungen und Wahrnehmungen stehen im Mittelpunkt des zweitägigen Workshops anlässlich des 65. Geburtstages von Ao. Univ.-Prof. Dr. Edith Saurer vom Institut für Geschichte. An den italienisch-österreichischen Gesprächen "Spazi - Relazioni - Percezioni" nehmen renommierte WissenschafterInnen teil, denen Edith Saurer seit Jahrzehnten wissenschaftlich und freundschaftlich verbunden ist.
Am Freitag, 19. Oktober 2007, gibt es für die Professorin für neuere Geschichte, zu deren Forschungsschwerpunkten u.a. die Geschichte der materiellen Kultur, Frauen- und Geschlechtergeschichte, Geschichte Italiens im 19. Jahrhundert, Historische Anthropologie und Religionsgeschichte (18./19. Jhdt.) gehören, ein Fest im Atelier Augarten. Bevor gefeiert wird, halten die Frauenministerin a.D. Johanna Dohnal und die Geschlechterforscherin Regina Schulte, Professorin an der Ruhr-Universität Bochum, die Festreden.
Von Kirchengeschichte ...
Edith Saurer wurde am 20. August 1942 in Wien geboren. 1960 begann sie, Geschichte, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Wien zu studieren; 1966 erhielt sie ein zweijähriges Rom-Stipendium der ÖAW, ihre kirchenhistorische Dissertation beendete sie 1968.
Als Universitätsassistentin (1970 bis 1983) interessierte sich Edith Saurer zunehmend für die Geschichte materieller Kulturen, für die Geschichte von Grenzen, Steuern und Kriminalität in vergleichender Perspektive, vornehmlich mit dem Fokus auf Italien und Österreich. Diese Forschungsinteressen mündeten in ihrer Habilitation "Straße, Schmuggel, Lottospiel. Materielle Kultur und Staat in Niederösterreich, Böhmen und Lombardo-Venetien" (1983). Seit 1983 war Edith Saurer Universitätsdozentin, seit 1992 ist sie Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Wien.
Gastprofessuren führten sie an die Universität Bielefeld (1987), nach Neapel (1991), an die Universität Leipzig (1993) und ans European University Institute in Florenz (1998, 2003).
... zu Genderforschung
Ausgehend von geschlechterspezifischen Aspekten in der Religion begann sie sich in den 1980er und 90er Jahren mit Frauen- und Geschlechtergeschichte zu beschäftigen. Seit 1982 leitete sie die Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechtergeschichte am Institut für Geschichte der Universität Wien, 1990 gründete sie die feministische historische Zeitschrift "L'Homme" und von 1993 bis 2000 war sie die Vorsitzende der Kommission der Interuniversitären Koordinationsstelle für Frauenforschung (Vorläuferinstitution des Referats Genderforschung).
"Sammlung Frauennachlässe"
1989 organisierte Edith Saurer mit Kolleginnen die Ausstellung "Wer wählt, gewinnt? 70 Jahre Frauenwahlrecht"; im Zuge dieser Forschungsarbeit wurde einmal mehr evident, dass Dokumente zu weiblichen Alltags- und Lebensverhältnissen schwer zugänglich sind. Ein umfangreicher Nachlass einer Wiener Lehrerin und Frauenrechtlerin legte einen Grundstein für die "Sammlung Frauennachlässe". Diesem Archiv stehen Edith Saurer und Christa Hämmerle seit den späten 1990ern gemeinsam vor.
Die Sammlung Frauennachlässe, in der mittlerweile 91 Nachlässe (Tagebücher, Briefe, Fotos etc.) archiviert sind, ist seit Jänner 2006 ein Teil der fünfjährigen Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext", die Edith Saurer auch nach ihrer Pension leiten wird.
Forschungen
Edith Saurer forschte im Laufe ihrer Karriere zu unterschiedlichen Themen, wie etwa zur Geschichte der Materiellen Kultur, zu Religionsgeschichte, zur Geschichte Italiens und zu historisch-anthropologischen Themen. Weiters betreute sie verschiedene Projekte und Dissertationen, z.B. zur Geschichte des Wiener Findelhauses und zum Deutschnationalismus österreichischer Frauen (1918-1938), oder sie begab sich mit Kollegen von der Germanistik "Auf die Spuren der Romantik".
Neben italienisch-österreichischen Vergleichen standen in den vergangenen Jahren verstärkt auch Genderfragen innerhalb Europas im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit, wie etwa die Etablierung der Forschungsplattform, das Projekt "Netzwerkbildung zwischen Ost und West", das die wissenschaftliche Kommunikation zwischen Österreich und Osteuropa intensivieren sollte, oder die Umbenennung von "L'Homme" in "Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft" bezeugen.
Edith Saurer hat eine Vielzahl an Aufsätzen publiziert und eine Reihe von Büchern mitherausgegeben, zuletzt "Politiken der Verwandtschaft" über Verwandtschaftsehen. Neben "L'Homme" ist Sauer auch Mitherausgeberin der Zeitschriften "Historische Anthropologie" und "Wiener Zeitschrift für die Geschichte der Neuzeit". 1991 wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Preis, 1997 mit dem Gabriele-Possanner-Staatspreis ausgezeichnet. (mh)
Ein Fest für Edith Saurer zum 65. Geburtstag Freitag, 19.10.2007, 18 Uhr Atelier Augarten Scherzergasse 1a (Ecke Lampigasse), 1020 Wien Programm (PDF) |