Am Dienstag, 2. Juni 2009, wurde Gero Vogl das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Damit wurde der Physiker, der seit 1985 eine Professur an der Fakultät für Physik inne hat und mit Ende September 2009 von der Universität Wien emeritieren wird, für seine herausragenden Leistungen im Bereich der Naturwissenschaften geehrt. Zu Ehren Gero Vogls veranstaltet die Gruppe Dynamik Kondensierter Systeme am 2. und 3. Juli 2009, die Tagung "Kinetik und Dynamik im Lauf der Zeit". |
Seit fast 25 Jahren lehrt und forscht Gero Vogl - stellvertretender Sprecher der Gruppe Dynamik Kondensierter Systeme an der Fakultät für Physik - als Professor an der Universität Wien. Am 2. Juni wurde dem renommierten Physiker das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.
Anlässlich seiner bevorstehender Emeritierung im September 2009 veranstaltet die Gruppe Dynamik Kondensierter Systeme eine Tagung am Donnerstag, 2., und Freitag, 3. Juli 2009. Die Vorträge der Tagung behandeln die vielen Forschungsbereiche, zu denen Gero Vogl arbeitete, wie beispielsweise interdisziplinäre Anwendungen der Diffusion von der Physik ausgehend auf Biologie und Medizin. Nach einleitenden Worten durch Herwig Peterlik, Gruppensprecher der Dynamik Kondensierter Systeme, eröffnet Rektor Georg Winckler offiziell die Tagung "Kinetik und Dynamik im Lauf der Zeit" und Christoph Dellago, Dekan der Fakultät für Physik, begrüßt die Tagungsgäste.
Breites Themenspektrum - Tagungsprogramm (PDF)
Das thematische Spektrum der Vorträge ist breit gefächert, darunter "Transportphänomene in Flüssigkeiten und Festkörpern", "Vom 'Kuhbiss' zum Hämmern mit Ionen" und "Variationen im reziproken Raum und im Weltraum". Da sehr unterschiedliche Forschungsgebiete am Programm stehen, werden die Vorträge allgemeinverständlich gehalten und sind somit für Studierende wie auch für Angehörige der Fakultät von Interesse. Alle Vortragenden haben eine persönliche Verbindung zu Gero Vogl: Sie sind entweder seine ehemaligen DissertantInnen oder - internationale - KollegInnen.
So spricht Martin Müller vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Christian-Albrechts-Universität (Kiel) über "Physik am seidenen Faden" und Bogdan Sepiol von der Fakultät für Physik (Universität Wien) zu "Atomare Diffusion - Eine Übersicht". Ein spezifisches Thema behandelt Yutaka Yoshida vom Shizuoka Institute of Science and Technology (Japan): "Ein Mössbauer-Mikroskop für Eisenatome - A Mössbauer Microscope for Iron Atoms", ebenso wie Helga Lichtenegger von RUAG Aerospace (Wien), die über "Variationen im reziproken Raum und im Weltraum" berichtet.
Gero Vogl
Gero Vogl, am 6. Januar 1941 in Bielitz geboren (heutiges Bielitz-Biala in Südpolen) und in Niederösterreich aufgewachsen, promovierte 1965 am II. Physikalischen Institut der Universität Wien. Er habilitierte sich 1974 für Experimentalphysik an der TU München, wo er seit 1970 Leiter der Tieftemperaturbestrahlungsgruppe am universitätseigenen Forschungsreaktor war. Von 1977 bis 1985 übernahm er die Professur (C3) für Experimentalphysik am Institut für Kernphysik an der Freien Universität Berlin und am Hahn-Meitner-Institut Berlin. Im Jahr 1985 trat er die Professur für Experimentalphysik am Institut für Festkörperphysik der Universität Wien an.
In den Jahren 2003 und 2004 übernahm er den Vorsitz der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (ÖPG), und von 2004 bis 2006 war er Vizedekan der Fakultät für Physik an der Universität Wien. Er wurde als Mitglied in die Evaluierungskommission Physik des Deutschen Wissenschaftsrates gewählt und ist Mitglied zahlreicher Scientific Advisory Boards europäischer Großforschungszentren.
Nukleare Festkörperphysik
Gero Vogls Forschungsinteressen lagen von Anfang an im Bereich der nuklearen Festkörperphysik. Er hat auf dem Gebiet der Diffusionsmechanismen zahlreiche Methoden entwickelt und weiterentwickelt, die zu einem grundlegenden Verständnis von Diffusionsphänomenen führten. Dies ist ein zentraler Punkt für die Entwicklung von Materialien, die im Hochtemperaturbereich eingesetzt werden können. Als Sprecher des von ihm initiierten Forschungsschwerpunkts "Nukleare Festkörperphysik" des FWF von 1991 bis 1998 prägte er dieses Forschungsgebiet. Er kombinierte die Mößbauer-Spektroskopie und die Neutronenstreuung und konnte sich dem zentralen Ziel seiner Forschungstätigkeit widmen: dem Verständnis der Atome in kondensierter Materie, insbesondere der Mechanismen der Diffusion einzelner Atome in Metallen und Legierungen. (vg/td)
Tagung zur Emeritierung von Gero Vogl: "Kinetik und Dynamik im Lauf der Zeit" Donnerstag, 2. Juli bis Freitag, 3. Juli 2009 Fakultät für Physik, Christian-Doppler-Hörsaal, 3. Stock Strudlhofgasse 4, 1090 Wien Programm (PDF) |