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Individuelles Diplomstudium Pflegewissenschaft Pflegewissenschaft für die Gesundheitsversorgung von morgen (1)Pflegewissenschaft für die Gesundheitsversorgung von morgen (2)Pflegeethik - ein neues Fachgebiet der GesundheitsethikStiftungsprofessur "Pflegewissenschaft" an der Universität Wien
Ein Semester Stiftungsprofessur Pflegewissenschaft
Studium/Lehre, Porträts Neo-Professuren
Dieter N. Unrath (Redaktion) am 10. Januar 2005

Im Dezember 2003 fand die Vertragsunterzeichnung zur Errichtung einer Stiftungsprofessur Pflegewissenschaft ? gefördert vom Roten Kreuz und der Caritas ? an der Universität Wien statt. Ziel ist es, das Studium der Pflegewissenschaften, bisher als individuelles Diplomstudium studierbar, zu verankern. Dazu bat DieUniversitaet-online.at die Professurinhaberin, o. Prof. Dr. Elisabeth Seidl, zu einem Interview.

Im Wintersemester 1998/99 wurde die erste Ringvorlesung zur Pflegewissenschaft unter der Leitung von o. Prof. Dr. Elisabeth Seidl an der Universität Wien angeboten. Ab dem Wintersemester 1999/2000 bestand die Möglichkeit, ein nicht-kombinationspflichtiges, Individuelles Diplomstudium Pflegewissenschaft (IDSP) zu immatrikulieren. Die Universität Wien wird nun gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien ein Curriculum für ein ordentliches Studium Pflegewissenschaft ausarbeiten. Durch ein Studium der Pflegewissenschaften erwerben Pflegepersonen wissenschaftlich fundierte Fachkompetenz in Verbindung mit psychosozialer Kompetenz und sind befähigt, neue Pflegekonzepte für stationäre, teilstationäre und ambulante Bereiche zu entwickeln und umzusetzen. Derzeit studieren 400 Personen Pflegewissenschaften. Redaktion: Seit Wintersemester 2004/05 sind Sie die Stiftungsprofessorin für Pflegewissenschaft. Wenn Sie das Semester Revue passieren lassen, wie verlief die bisherige Arbeit? Elisabeth Seidl: Die Einrichtung der Stiftungsprofessur war ein wichtiger Schritt in Richtung ordentliches Studium Pflegewissenschaft. Es wurden zusätzliche Lehrveranstaltungen auf dem Gebiet der Soziologie, Pädagogik und vor allem auch Psychologie angeboten. Das war für uns eine Entlastung, obwohl es immer noch nicht ausreicht, denn die Gruppe der Studierenden ist weiter angestiegen. Seit 1. Jänner 2005 führen wir die Pflegewissenschaft als Institut. Das bedeutet eine eigene Ausstattung und eine zunehmende Autonomie. Auf jeden Fall ist eine Anhebung der Qualität für die Studierenden spürbar, die von der Ausweitung der Lehrveranstaltungen beeindruckt sind. Redaktion: Sie arbeiten derzeit auch an der Ausarbeitung eines Curriculums mit. Wie weit kommt man hierbei voran? Seidl: Die Rektoren der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien beschlossen bei der Einführung der Stiftungsprofessur, ein Curriculum für ein Bakkalaureat- und Magisterstudium einzurichten. Die Curriculumskommission der Medizinischen Universität hat bereits einen Teilvorschlag vorgelegt. Auch die Universität Wien hat einen Entwurf bearbeitet, und ich glaube, dass es zu einer Einigung kommen wird, denn inhaltlich haben wir ähnliche Vorschläge. Wenn die Medizinische Universität dem Vorschlag der Universität Wien zustimmt, dann besteht die Chance, dass dieser ausgearbeitete Entwurf an die Curricularkommission des Senats im Jänner eingereicht wird und dass das ordentliche Studium Pflegewissenschaft im Herbst 2005 beginnen kann. Redaktion: Wie soll sich die Pflegewissenschaft an der Universität Wien entwickeln, um den internationalen Ansprüchen und Trends zu entsprechen? Seidl: Im internationalen Bereich ist die Pflegewissenschaft großteils für die Versorgung der Menschen im häuslichen Bereich, in den Ambulanzen und Gesundheitszentren für SeniorInnen entwickelt worden. Dadurch wurden kaum noch Heime benötigt. Zudem fühlen sich Hochbetagte in Gesundheitszentren wohler. Vorbildlich hierbei sind z.B. die nördlichen europäischen Länder, wo eine große Anzahl von qualifizierten Personen im ambulanten und häuslichen Bereich tätig ist. Eines der großen Ziele ist, dass das österreichische Gesundheitswesen vonseiten der Pflege ergänzt wird durch nicht nur stationäre, sondern auch durch patientennahe und bewohnernahe Angebote. Denn jetzt ist das Gesundheitssystem Österreichs ganz stark auf Krankenhaus ausgerichtet, wir haben nur eine kleine Tradition an Beratungszentren. Solche Einrichtungen sollten/müssen errichtet werden, will man das Gesundheitssystem von morgen auch nur irgendwie organisieren und finanzieren. Redaktion: Die KrankenpflegerInnen wurden, insbesondere von den ÄrztInnen, immer als "Mägde/Knechte" der Medizin abgetan. Sehen auch die ÄrztInnen die Notwendigkeit eines Universitätsstudiums Pflegewissenschaft? Seidl: Die historisch gewachsene Hierarchisierung zwischen ÄrztInnen und Pflegepersonal in Österreich ist sicher einer der Gründe, dass sich dieser Beruf so spät entwickelt hat. Aber das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz von 1997 schreibt der Pflege einen autonomen Arbeitsbereich zu. Hier gab es sehr viel Widerstand seitens der Ärzte, weil nun die KrankenpflegerInnen z.B. auch Pflegediagnosen erstellen können. Diese Sorge ist aber nicht berechtigt, weil durch hochqualifizierte Pflegepersonen die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefördert wird ? und das ist auch zum Vorteil der Kranken und ihrer Angehörigen. Redaktion: Was glauben Sie, wie wird das Pflegewesen in Österreich in 30 Jahren ausschauen? Sind Sie optimistisch? Seidl: Ja, weil die europäische Entwicklung uns in den Griff nimmt. In allen unseren Nachbarländern ist die akademische Aus- und Weiterbildung der Pflegepersonen viel höher entwickelt. Ich denke, dass wir durch das Studium der Pflegewissenschaften einen großen Sprung schaffen und wir in 30 Jahren auf einem vergleichbaren Niveau dastehen. Ich wünsche mir für diese Zeit eine gut ausgebildete Gruppe von Pflegepersonen, die eine hervorragende Kooperation mit den anderen Gesundheitsberufen bieten. (du)  

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