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Papyrologe Bernard Palme


Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik
Österreichische Nationalbibliothek
Papyrussammlung und Papyrusmuseum ÖNB
Erste Professur für Papyrologie an der Universität Wien
Köpfe & Karriere
Redaktion am  9. Juni 2004

Eine Forschungskooperation zwischen Universität Wien und der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek sichert die Aufarbeitung der weltweit größten Papyrussammlung. Die neu geschaffene Professur hat Univ.-Doz. Mag. Dr. Bernhard Palme (Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik) inne.

"Was macht Papyrus denn so wichtig?", fragte Bernhard Palme, neu berufener Inhaber der Professur für Papyrologie an der Universität Wien beim heutigen Festakt im Senatssaal der Universität Wien vor FachkollegInnen und VertreterInnen der Universität Wien, der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), der Akademie der Wissenschaften und des FWF. "Die Menschen der Antike sprechen unmittelbar zu uns in ihrer Alltagssprache", fuhr Palme fort. Rektor Georg Winckler und Dr. Johanna Rachinger, Generaldirektorin der ÖNB, zeigten sich sehr erfreut über die Kooperation der größten Universität und der zentralen wissenschaftlichen Bibliothek des Landes: Die Aufgabe der Nationalbibliothek, das Sammeln und Bewahren von Weltkulturerbe, sei ohne wissenschaftliche Erforschung und Erschließung im kollektiven Gedächtnis nicht vorhanden ? was lag also näher, als dafür mit der Universität als Zentrum der Forschung zu kooperieren. Mit der Übersiedlung der 1883 begründeten Papyrussammlung, die auf eine private Sammelleidenschaft von Erzherzog Rainer zurückgeht, in moderne Räume 1999 und der nun eingerichteten Professur hätten sich die Rahmenbedingungen erheblich verbessert. Papyrussammlung der Nationalbibliothek Erfreut über die neue Professur ist auch Prof. Hermann Harrauer, Direktor der Papyrussammlung und des Papyrusmuseums der ÖNB. "Eine freudvolle, aber auch mühsame Arbeit liegt noch vor ihm", meinte Harrauer zu seinem ehemaligen Schüler Palme in Anbetracht der Zahlen: Die Papyrussammlung, eine von zehn Sondersammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek, beherbergt mit über 180.000 Objekten die weltweit größte Sammlung von antiken Schriftzeugnissen, die 2001 von der UNESCO in das Memory of the World Register aufgenommen wurde. Mehr als 60.000 dieser Texte sind in altgriechischer Sprache abgefasst (ca. 96.000 in arabischer Sprache), von denen seit Gründung der Sammlung vor 121 Jahren bis heute erst ca. 4700 veröffentlicht wurden. Harrauer unterstrich aber auch das Engagement von Univ.-Prof. Dr. Ekkehard Weber, Vorstand des Instituts für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik, der im Jahr 1981 veranlasste, dass das Fach Papyrologie an der Universität Wien den Studierenden in der Lehre angeboten wurde. In seiner Rede würdigte Harrauer den Papyrologen Palme mit folgendem Bild: "Vor mir sehe ich ein neu vermessenes Land nach einer Nil-Überschwemmung, wie das damals häufig der Fall war. Viel Land war verwüstet, und um trotzdem Steuern eintreiben zu können für beackertes Land, pflanzte man im öden Boden Bäume, die tief wurzelten und Früchte trugen: Palmen. Die österreichische Papyrologie hat jetzt auch so eine Palme, Herrn Bernhard Palme." 300 v. bis 700 n. Chr. ? "das papyrologische Jahrtausend" Die Papyrusforschung sei eine relativ junge Wissenschaft, die lange Zeit außerhalb des altertumswissenschaftlichen Fächerkanons und damit auch der Universitäten stand, weil es für sie erst seit den 1870ern ? nach den ersten großen Papyrusfunden ? Interesse gab, also nachdem sich die anderen Studienrichtungen Mitte des 19. Jahrhunderts schon etabliert hatten, erklärte Bernhard Palme. Lange habe daher auch eine Schwellenangst der Historiker gegenüber diesem Fach bestanden, das sich mit bruchstückhaften und schwer lesbaren Dokumenten befasse, die so unterschiedliche Alltagsthemen wie Steuererklärungen, Verträge, Briefe, medizinische Rezepte, Einkaufslisten, Heiratsurkunden oder Zirkusprogramme zum Inhalt haben. "Die Universität Wien ist Vorreiter in der Annäherung der Papyrologie an die historischen Fächer", betonte Palme einmal mehr. In der wissenschaftlichen Aufarbeitung gehe es um zwei Punkte: "Die leichtere Aufgabe, die aber viel Routine erfordert, ist die Edition der Stücke samt Entzifferung und Übersetzung. Die historische Auswertung und die Einordnung in den historischen Zusammenhang ist schon viel schwieriger, denn dazu braucht es detaillierte Kenntnisse der damaligen Lebensverhältnisse, die man sich erst nach mehr als zehn Jahren Beschäftigung erarbeitet hat", so Univ.-Doz. Palme. Neben diesen Themen stehe aber künftig für Palme auch ?eine profunde Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses? im Zentrum ? denn die NB berge einen "ungeheuren Schatz, an dem noch viele Generationen arbeiten werden". Die Wiener Sammlung sei nämlich nicht (nur) deshalb so berühmt, weil sie die größte ist, sondern durch die veröffentlichten Quellen begründet. Von der Professur für Papyrologie zum ?Centre of Excellence? Seit 1998 läuft ein umfangreiches Forschungsprogramm an der Papyrussammlung, das aus dem 1997 an Dr. Bernhard Palme verliehenen START-Preis des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziert wird. Mit der Einrichtung einer Professur für Papyrologie und dem Abschluss des Kooperationsvertrages zwischen der Österreichischen Nationalbibliothek und der Universität Wien ist die Fortsetzung dieses renommierten Forschungsprojektes gesichert, weiters wird sich damit die Papyrologie institutionell als akademische Disziplin etablieren. In Kürze wird sich auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften als dritte Institution an der wissenschaftlichen Zusammenarbeit beteiligen, die unlängst mit der Berufung von Univ.-Doz. Dr. Fritz Mitthof auf eine neu eingerichtete Planstelle für Papyrologie einen weiteren wichtigen Schritt gesetzt hat. Die geplante trilaterale Kooperation zwischen Universität Wien, Österreichischer Nationalbibliothek und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften stellt die Papyrusforschung in Wien auf ein breites und solides Fundament. Die Einbindung in ein weit gefächertes Netzwerk zielt darauf ab, die Wiener Papyrusforschung dauerhaft als ein "Centre of Excellence" und eine Ausbildungsstätte von internationalem Rang zu etablieren. Biografie von Bernhard Palme Bernhard Palme (geb. 1961 in Wien) studierte am Wiener Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde und Epigrafik und dissertierte 1989 bei Prof. Hermann Harrauer. 1992 ging er mit einem Stipendium zu Prof. Dieter Hagedorn an das Institut für Papyrologie in Heidelberg. Als Mitarbeiter und APART-Stipendiat war Palme jahrelang in der Kommission für Antike Rechtsgeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig. 1998 habilitierte er sich für die Fächer Alte Geschichte und Papyrologie. Palme erhielt 1997 als erster Geisteswissenschafter den vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) vergebenen START-Preis des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Dies ermöglichte ihm und seinem Team, mit einer systematischen Edition unpublizierter Bestände der Wiener Papyrussammlung zu beginnen. Über 60.000 Papyrusurkunden wurden bereits gesichtet. Palme hält Lehrveranstaltungen an den Universitäten Wien, Salzburg und Graz. Er ist Mitglied des Komitees der Association Internationale de Papyrologues. (mh/vs/APA)  

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