Am Montag, 30. Juni 2008, feierten sechs AbsoventInnen der Fakultät für Chemie ihr rundes Doktoratsjubiläum. Dekan Franz Dickert begrüßte die JubilarInnen, darunter Gertrud Hartung (97), die vor 70 Jahren an der Universität Wien promovierte. |
Die Fakultät für Chemie verlieh insgesamt sechs Ehrenurkunden an ehemalige AbsolventInnen. (Fotos: Johannes Theiner)

Dekan O. Univ.-Prof. Dr. Franz Dickert begrüßte die JubilarInnen, deren Angehörige und Freunde sowie viele Gäste, die im Großen Hörsaal I der Fakultät für Chemie versammelt waren. Er wies auf die Verdienste der zu Ehrenden hin, die ihre Studien in schwierigen Zeiten erfolgreich gemeistert und in ihrem Leben an den Grundlagen für die Chemie der Gegenwart und Zukunft mitgearbeitet hätten.
Dr. phil. Mag. rer. pol. Robert W. Rosner hatte sein Chemiestudium in Wien - nach einer schwierigen Jugendzeit in der Emigration - absolviert. Durch viele Jahrzehnte war er in verantwortlichen Positionen bei der Firma Loba Chemie beschäftigt. Nach seiner Pensionierung absolvierte er das Studium der Politikwissenschaft.
Laudator Dr. Peter Markl strich in seiner Ansprache Rosners historische Kompetenz hervor, die ihm eine profunde Auseinandersetzung mit der jüngeren österreichischen Wissenschaftsgeschichte ermöglichte. Die Wiederbelebung des Ignaz-von-Lieben-Preises sei seiner Anregung zu verdanken, die Neubewertung der Bedeutung der Wiener Physikerin Marietta Blau durch die Initiative Dr. Rosners möglich geworden. Mit großer Erwartung sehe man daher weiteren Publikationen des Jubilars entgegen.
Vizedekan Univ.-Prof. DDr. Bernhard Keppler verlas und überreichte die Ehrenurkunde der Universität Wien an Doz. Ao. Univ.-Prof. Dr. Herbert Woidich. In seiner Rede zeichnete Univ.-Prof. i. R. Dr. Gerhard Sontag den Lebensweg Woidichs nach und wies darauf hin, dass der Jubilar seine ausgewiesene Kompetenz im Bereich der Lebensmittelchemie und -technologie durch Studien an verschiedenen Universitäten ausgebaut habe. Er strich die vielfältigen Arbeitsgebiete hervor, in denen sich der Jubilar auch nach seiner Pensionierung in Forschung und Lehre sowie als Gutachter und Experte weiterhin unermüdlich tätig ist.

Em. Univ.-Prof. Dr. phil. Karl Buchtela ist durch seine umfassenden Arbeiten im Bereich der Radiochemie und Umweltanalytik anerkannt und auch nach seiner Emeritierung ein gesuchter Experte in Fragen des Strahlenschutzes. Ao. Univ.-Prof. i. R. Dr. Karl Irlweck gab in der Laudatio einen knappen Überblick auf Buchtelas umfassendes Werk und strich dessen konsequente Haltung in der politischen Diskussion um die friedliche Nutzung der Kernernergie in Österreich hervor.

Ao. Univ.-Prof. i. R. Dr. Kurt Rossmanith "verkörperte durch viele Jahre die präparative Anorganische Chemie an seinem Institut", so Univ.-Prof. Dr. Herbert Ipser, der das Lebenswerk des Jubilars beleuchtete und dessen legendäres experimentelle Geschick bei der Herstellung schwieriger Präparate rühmte. Mit seinem umfassenden Wissen und Arbeiten zur Chemie der seltenen Erden verkörpere er die ungebrochene Tradition nach Carl Freiherr Auer von Welsbach an der Universität Wien. Vizedekan Bernhard Keppler überreichte die Ehrenurkunde.
Dr. phil. Helmut Ronge war nach seiner akademischen Ausbildung durch viele Jahre in der chemischen Industrie tätig. In seiner leitenden Funktion bei der Krems-Chemie war es ihm möglich, die wissenschaftliche Arbeit des Instituts für Organische Chemie durch zahlreiche Projektkooperationen zu unterstützen. Dekan O. Univ.-Prof. Dr. Franz Dickert ging in seiner Laudatio auch auf die Bedeutung der vom Jubilar geförderten Chemie-Olympiade ein, durch die interessierten SchülerInnen eine intensive Auseinandersetzung mit dem Fachgebiet ermöglicht werde.

Mit besonderer Freude stellte Dekan O. Univ.-Prof. Dr. Franz Dickert der festlichen Versammlung Frau Dr. Gertrud Hartung, geborene Gailer, vor, die im 97. Lebensjahr die Erneuerung der Doktorwürde anlässlich der 70. Wiederkehr ihrer Promotion feiern konnte. Er wies in seiner Ansprache auf die schwierigen Bedingungen hin, unter denen die Ausgezeichnete ihre Matura gemacht und ihr Chemiestudium rasch und zielstrebig absolviert hatte. Vizedekan O. Univ.-Prof. DDr. Bernhard Keppler verlas und überreichte die Ehrenurkunde der Universität Wien.
Allein die Beschaffung der erforderlichen Chemikalien sei eine unvorstellbar schwierige Sache gewesen, bestätigte Frau Dr. Hartung in ihren Dankesworten. Sie blicke mit Freude auf ein erfülltes und langes Leben zurück. Ihrem aktiven Lebensstil und ihrer Freude an der Natur schreibe sie es zu, dass sie so gesund und lebensfroh geblieben sei. Die Bedeutung und Faszination der Chemie liege für sie darin, dass alle Natur und alles Leben letztlich Chemie sei.

Von links nach rechts: Bernhard Keppler, Franz Dickert, Senta Rossmanith, Kurt Rossmanith, Herbert Woidich, Gertrud Hartung, Herbert Ipser, Karl Irlweck, Gerhard Sontag, Peter Markl und Karl Buchtela – im Bild fehlen die Jubilare Robert W. Rosner und Helmut Ronge.
Mag. Johannes Theiner arbeitet an der Fakultät für Chemie. |