Gabriela Tröstl: Die Organisationskünstlerin |
| Köpfe & Karriere, DLE-LeiterInnen |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 18. August 2004 |
Eine effiziente Gesamtkoordination der zahlreichen Aufgaben der einzelnen Dienstleistungseinrichtungen (DLE) an der Universität Wien ist wichtig. Für einen reibungslosen Ablauf der übergreifenden Geschäftsprozesse ist Hofrätin Dr. Gabriela Tröstl, ehemalige Universitätsdirektorin und Leiterin der neu errichteten Stabsstelle ?Verwaltungskoordination und Recht?, verantwortlich. |
In der Stabsstelle sind drei Mitarbeiterinnen mit koordinierender Tätigkeit in Zusammenarbeit mit den acht DLE?s beschäftigt. Außerdem wird derzeit ein Konfliktmanagement aufgebaut, weiters ist die technische Betriebskoordination von SAP in der Stabsstelle angesiedelt. ?Es gibt immer wieder übergreifende Geschäftsprozesse, die in mehrere Dienstleistungen hineinragen. Da ist Koordination von Nöten?, erklärt Dr. Gabriela Tröstl eine ihrer Hauptaufgaben neben der Betreuung der Berufungsverhandlungen, bei denen sie tatkräftig von einer Mitarbeiterin der Stabsstelle unterstützt wird. Die Einrichtung versteht sich als Schnittstelle zwischen der Universitätsleitung und der Verwaltung und hat koordinierenden Charakter: ?Es werden universitätsweite Projekte abgewickelt, wo Zusammenarbeit aufgrund der Komplexität unabdingbar ist. Ein Beispiel ist die Einführung von PM ? SAP mit Beginn 2005, das die Verrechnung der Beamtengehälter über das SAP vorsieht?, so Tröstl. Hier wird eng mit der Personalabteilung, dem Controlling und dem ZID kooperiert. Organisatorische Aufgaben Ein Schwerpunkt in der Anfangsphase war die organisatorische und verwaltungstechnische Trennung der Medizinischen Fakultät, schildert die 44-jährige Wienerin. Mit dem In-Kraft-Treten des Organisationsplans ab 1. Oktober 2004 hat die Universität Wien 15 Fakultäten und zwei Zentren. ?Es wird sehr viel Koordinationsbedarf beim Aufbau der neuen Organisationsstrukturen geben?, erläutert Dr. Tröstl. Mittelfristig ist der Aufbau eines first-level-supports geplant, um der Verwaltung rasche und effektive Unterstützung bieten zu können. Neben der Koordination der Geschäftsprozesse der Verwaltung ist Gabriela Tröstl auch für die Umsetzung und Redaktion der Adaptierung des Organisationshandbuches zuständig. Ziel der Dokumentation ist eine einheitliche, umfassende Information für MitarbeiterInnen über Geschäftsprozesse an der Universität sowie die Transparenz für alle Interessierten. Gleichzeitig zählt zu den Aufgaben der Stabsstelle die Qualitätssicherung der operativen Daten für das Berichtswesen. Kein Blut und keine Zahlen Dass sie gerne für die Universität Wien tätig ist, zeigt schon ihr Lebenslauf. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften (1978-1983), das kein Wunschstudium war ? ?Medizin konnte ich nicht studieren, weil ich kein Blut sehen kann, in Mathematik war ich nicht besonders gut und so bin ich bei den Rechtswissenschaften gelandet? ?, blieb sie der Alma Mater Rudolphina als Universitätsassistentin am Institut für österreichische und deutsche Rechtsgeschichte am Juridicum treu. Obwohl sie nicht in die Forschung gehen wollte, übte sie diese Tätigkeit drei Jahre aus. ?Die Seminare ? insbesondere bei o. Prof. Dr. Werner Ogris ? haben mein Interesse für die Rechtsgeschichte geweckt?, schildert die Verwaltungsjuristin, die seit 1991 mit dem Techniker Dipl.-Ing. Gerhard Tröstl verheiratet ist. Eigentlich wollte sie den klassischen JuristInnenberuf der Richterin anstreben, ?aber als ich mit dem Studium fertig war, gab es so viele RichterInnen, dass niemand mehr aufgenommen wurde?. Trotzdem ist sie froh darüber, dass sie die Universität auch von der wissenschaftlichen Seite her kennen gelernt hat: ?Ich weiß, wie sich ein/e AssistentIn fühlt und welche Probleme er/sie hat.? Nach ihrer Tätigkeit als Universitätsassistentin wechselte sie in die Verwaltung, zuerst als Sachbearbeiterin in der Rechtsabteilung, deren Leiterin sie 1990 wurde. 1993 wurde sie mit der stellvertretenden Leitung der Personalabteilung betraut, 1995 erfolgte die Ernennung zur Stellvertreterin des Universitätsdirektors Dr. Franz Skacel. Als einen Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere bezeichnet sie die Bestellung zur Universitätsdirektorin im Jahr 2000. Dass sie als Frau so weit die Karriereleiter hinaufklettern konnte, ist für Dr. Tröstl nicht wesentlich. So ist sie niemals aufgrund ihres Geschlechts auf Widerstände gestoßen. ?Wenn man gute Arbeit leistet, sich mit dem Unternehmen identifiziert und den Willen zeigt, eine Führungsposition anzustreben, dann ist dies auch möglich?, ist die gebürtige Wienerin überzeugt. Nie langweilig Der Wunsch, das ?Unternehmen Universität? zu verlassen, kam Gabriela Tröstl nie in den Sinn. All ihre Tätigkeiten boten und bieten Abwechslung. ?Es hat mich nicht nur die juristische Seite meines Berufes sehr interessiert, sondern vor allem die Organisation. Das mache ich eigentlich lieber als reine, trockene Juristenarbeit. Ich bin eher ein praxisorientierter Mensch?, erklärt Tröstl. Und wie entspannt sich die Rechtshistorikern a. D. nach einem anstrengenden Arbeitstag? ?Ich lese sehr gerne, vor allem die Kriminalromane mit Commissario Brunetti.? Auch das Reisen zählt zu ihren liebsten Hobbys. Heuer war sie bereits im Februar für zwei Wochen in Burma und diesen Sommer reiste sie nach Italien. (du) |

