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Die Kunsthistorikerin Gabriele Werner kritisiert die Austreibung der Politik aus der Bildwissenschaftt.


Käthe-Leichter-Gastprofessur Institut für Kunstgeschichte der Historisch-Kulturwissen- schaftlichen Fakultät Einladung zur Käthe-Leichter-Vorlesung (PDF)    
Gabriele Werner: "Die Politik in den Bilddiskurs zurückholen"
Wissenschaft, Porträts Neo-Professuren
Bernadette Ralser (Redaktion) am 25. Februar 2009

Seit nunmehr zehn Jahren werden alljährlich zwei Käthe-Leichter-Gastprofessuren für jeweils ein Semester vergeben. Ziel ist die Erweiterung des Lehrangebots zur Frauen- und Geschlechterforschung an den beiden kulturwissenschaftlichen Fakultäten. Im Wintersemester 2008/09 war Gabriele Werner in diesem Rahmen zu Gast am Institut für Kunstgeschichte. Die Kunsthistorikerin, die am Mittwoch, 4. März 2009 im Großen Festsaal erstmals die Käthe-Leichter-Vorlesung hält, bleibt dem Institut weiterhin als Gastprofessorin für Neue und Neuere Kunstgeschichte erhalten.

"Ohne die Fragestellungen, die innerhalb der feministischen Theorien entwickelt wurden, ist zeitgemäßes wissenschaftliches Arbeiten schlichtweg unmöglich", ist Univ.-Prof. Dr. Gabriele Werner, M.A. überzeugt. Dies ist auch die Grundhaltung, mit der die Kunsthistorikerin im Wintersemester 2008/09 ihre Käthe-Leichter-Gastprofessur am Institut für Kunstgeschichte antrat.

"Diese 'Wanderprofessur' ist ein geeignetes Instrument, um die feministische Theorie in jenen Disziplinen wach zu halten, in denen sie nicht so stark im Lehrplan verankert ist", sagt die gebürtige Deutsche im Rückblick auf den einsemestrigen Lehrauftrag, der ihr Anfang 2008 vom Gender-Ausschuss der beiden kulturwissenschaftlichen Fakultäten zugesprochen wurde: "Der Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung setzt ein deutliches Zeichen für die Entwicklung, Veränderung und Transformation dessen, was feministische Theorie und Forschung in der universitären Lehre bedeutet."
 
In der Käthe-Leichter-Vorlesung am 4. März 2009 spricht die Wissenschafterin über die Notwendigkeit feministischer Theorien für die Bilderfrage. Die Veranstaltung im Großen Festsaal im Hauptgebäude der Universität Wien markiert nicht nur das Auslaufen Werners Käthe-Leichter-Gastprofessur, sondern auch den Antritt ihrer  Gastprofessur für Neue und Neuere Kunstgeschichte im Sommersemester 2009.

Studierenden selbstbestimmtes Lernen vermitteln

In der Lehre ist es Gabriele Werner besonders wichtig, den StudentInnen zu vermitteln, dass ein universitäres Studium nichts mit Schulunterricht oder Auswendiglernen zu tun hat, sondern mit dem reflexiven, analytischen Aneignen und Nutzen von Wissen, dem Finden von eigenen Positionen und Fragestellungen: "An einer Universität sollte es keinen Ort geben, an dem nicht diskutiert wird", so die Gastprofessorin: "Ich lehre keine Wahrheiten, sondern Positionen innerhalb eines breiten Wissensfeldes - das möchte ich meinen Studierenden klarmachen."

Humboldts Traum

Werner selbst hat von 1977 bis 1986 an der Universität Hamburg studiert: Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Politologie, Deutsche Philologie und Philosophie. "Ich habe meine Studienzeit intensiv ausgekostet", erzählt sie: "Das hat mein Bild von Studium und Lehre entscheidend geprägt." Für die 50-Jährige, die nach ihrer Promotion über Mathematik im Surrealismus (1995) an der Humboldt-Universität zu Berlin und bis 2008 an der Wiener Universität für Angewandte Kunst lehrte, ist die Universität ein Ort der selbstbestimmten Wissensaneignung und -verarbeitung - nicht der Wissensverwaltung: "Meine Lehre ist stark von diesem 'Humboldtschen Traum' geprägt. Für mich stellt die Studienzeit weiterhin die einzige Phase im Leben dar, in der man die Freiheit hat, soviel Wissen wie möglich anzuhäufen."
In der Forschung liegen Werners Schwerpunkte auf ästhetischer Theorie und Bildtheorie, Populärkunst, Gegenwartskunst und Medientheorie.

Bilder vom Krieg

Da die Käthe-Leichter-Gastprofessur nicht in ein strenges Curriculum eingebunden ist, erlaubt sie es, Inhalte anzubieten, die im Lehrkatalog weniger stark präsent sind. Ein Themenschwerpunkt, mit dem sich Gabriele Werner in ihren Lehrveranstaltungen beschäftigt, sind Bilder vom Krieg und gewalttätigen Auseinandersetzungen. "Diese Bildwelten als Repräsentationen der Wirklichkeit zu verstehen und zu analysieren, hilft dabei, die realen politischen Gegebenheiten mitzuverstehen", so die Wissenschafterin.

In diesem Zusammenhang steht ein weiteres Themengebiet, das Werner in Forschung und Lehre besonders wichtig ist: das Fehlen des Politischen im Bilddiskurs: "Ich möchte die Bildtheorien wieder mit einem politischen Zugang konfrontieren - und damit mit allen Fragestellungen, die sich innerhalb der feministischen Kunstgeschichte stellen."

Lehrauftrag verlängert

Die Evaluierung ihrer Lehrveranstaltungen im Rahmen der Käthe-Leichter-Gastprofessur hat klar ergeben, dass das Bedürfnis der Studierenden nach einer stärkeren Einbindung feministischer Theorien in die Kunstgeschichte groß ist.

"Es ist ein Irrglaube, dass feministische Theorien nur mit Gegenwartskunst oder aktuellen Medienfragen zu tun haben - aus den Kommentaren der StudentInnen ging eindeutig hervor, dass der Wunsch da ist, alle Genres und Epochen der Kunstgeschichte auch unter diesem Gesichtspunkt zu lernen und zu verstehen", resümiert die feministische Kunsthistorikerin, die im Sommersemester 2009 - nunmehr als Gastprofessorin - ihr Lehrprogramm am Institut für Kunstgeschichte fortführen und ausbauen wird. (br)


Die Käthe-Leichter-Vorlesung von Gabriele Werner zu "Politik im Bild. Zur Notwendigkeit feministischer Theorien für die Bilderfrage" findet am Mittwoch, 4. März 2009 um 18 Uhr im Großen Festsaal der Universität Wien statt.


Im Sommersemester 2009 wird die Käthe-Leichter-Gastprofessur von Mag. Dr. Adelheid Herrmann-Pfandt am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde besetzt.

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