1957 begann Günther Vinek an der Universität Wien Chemie zu studieren. Er promovierte 1965 sub auspiciis. Zunächst am Institut für Physikalische Chemie beheimatet, wechselte er 1968 an das Institut für Statistik und habilitierte sich 1970 in Statistik und angewandter Informatik (Universität Linz) und 1972 an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.
Die Berechnungen in seiner theoretisch orientierten Dissertation weckten seine Aufmerksamkeit für das neue Werkzeug "Computer". Einmal Feuer gefangen führte der wissenschaftliche Weg von Günther Vinek von der Chemie über die Statistik zur Informatik.
1973 wurde er zum ordentlichen Universitätsprofessor für Operations Research und Angewandte Informatik an die Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz berufen. 1975 bis 76 war er an dieser Universität auch Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Mit Oktober 1976 trat er seinen Dienst als ordentlicher Universitätsprofessor an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien an. Ab 1981 wurde seine Planstelle in Statistik und Angewandte Informatik umbenannt. Dadurch wurde die erste Informatikprofessur an der Universität Wien begründet. In zunehmendem Maße wurde seine wissenschaftliche Tätigkeit geprägt von Fragestellungen mit Praxisbezug, selbstverständlich auf der Grundlage eines fundierten theoretischen Wissens.
Als "homo universitatis" war es einerseits sein Anspruch, einen Beitrag zur Wissenserweiterung zu leisten, andererseits war es ihm ein besonders Anliegen, sein Wissen – über Grundlagen, über Modelle wie auch über praktische Anwendungen weiterzugeben. Die Lehre, die Zusammenarbeit mit den Studierenden, war eine seiner großen Leidenschaften. Seine Freude, mit jungen Leuten zu arbeiten, drückte sich auch aus in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, u. a. in der Betreuung zahlreicher Diplomarbeiten und Dissertationen.
Seine Fähigkeit zu kommunizieren machte es ihm leicht, mit verschiedenen Personen und Gruppen in der Universität zusammenzuarbeiten. Dies führte auch dazu, dass er neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit mehrfach gebeten wurde, auch Leitungsaufgaben zu übernehmen. Anfang der 1970er-Jahre wurde er Leiter des Rechenzentrums der Medizinischen Fakultät. Von 1989 bis 91 war er Vorstand des Interuniversitären EDV-Zentrums. Wissenschaft und Praxis zu verbinden war sein Anliegen. Ideen, Wirtschaft und Informatik in einem eigenen Studium zu verbinden, fand seine unmittelbare Unterstützung. Günther Vinek war einer der ersten Träger der Wirtschaftsinformatik an der Universität Wien.
Innerhalb der Wirtschaftsinformatik galt sein spezielles Interesse dem Informationsmanagement und der (Verwaltungs-)Organisation. Aufgrund seiner Praxisorientierung beschäftigte ihn in den Folgejahren die Informatik nicht nur als theoretische Wissenschaft. Sein hohes Interesse, wissenschaftliche Fragen aus dem Blickwinkel der Praxis zu beleuchten, machte er zum Gegenstand seiner Lehrveranstaltungen. Gemeinsam mit Studierenden erarbeitete er Themen, die für die Studien- und Lehrorganisation von zentraler Bedeutung sind. Diesen Fragestellungen wurde in hohem Detaillierungsgrad auf den Grund gegangen, was auch die Aufmerksamkeit anderer Fachbereiche nach sich zog.
Bereits in dieser Phase war das Anliegen von Günther Vinek, die Universität in ihrer administrativen Tätigkeit stärker am Servicegedanken zu orientieren. Services für die WissenschafterInnen, die MitarbeiterInnen und die Studierenden standen für ihn im Mittelpunkt.
Ende der 90er-Jahre erarbeitete Günther Vinek im Auftrag des Senats den Aufbau einer neuen integrierten Verwaltungs-EDV. In unmittelbarer Folge entschied er sich, die Aufgabe des Vizerektors für Informationsmanagement und Organisation im Team von Rektor Georg Winckler zu übernehmen. Von 1. Jänner 2000 bis 30. September 2007 war Günther Vinek zwei Funktionsperioden lang Vizerektor.
Neben seiner Kernkompetenz im Bereich IT-Organisation und der Weiterentwicklung der IT-Services war eine seiner Hauptaufgaben die Abstimmung mit den Fakultäten im Zuge der Organisations- und Entwicklungsplanung am Beginn der Universitätsautonomie. Eine nicht einfache Zeit für die Universität Wien, in der durch das vermittelnde Wirken von Günther Vinek viel Trennendes überwunden werden konnte, die Universität Wien nachhaltig zusammenwuchs und eine vertrauensvolle Gesprächskultur etabliert wurde. In dieser Zeit entstand erstmalig ein gesamtuniversitäres Strategiepapier, der erste Entwicklungsplan der Universität Wien, an deren Erarbeitung er wesentlichen Anteil hatte.
Rektorat, Senat und Universitätsrat der Universität Wien entschieden, Günther Vinek nach dem Ende seiner Tätigkeit eine besondere Ehre zuteilwerden zu lassen: Die Universität Wien ernannte ihn zu ihrem Ehrensenator.
Neben seiner Tätigkeit für die Universität Wien war es Günther Vinek wichtig, immer wieder Zeit für seine außeruniversitären Interessen zu finden. Dazu zählte unter anderem die klassische Musik. Seine Begeisterungsfähigkeit für die Musik, oder für die Vielfalt der wissenschaftlichen Disziplinen, wie auch seine Fähigkeit zuzuhören, machten ihn beruflich wie privat zu einem gesuchten Gesprächspartner. Er lebt weiter in diesen Menschen, seinen KollegInnen, seinen Studierenden, seinen MitarbeiterInnen. Seine Ideen werden noch lange weiterwirken.
Am 28. September 2010 verstarb Günther Vinek. Die Universität Wien wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
Verabschiedung von Günther Vinek Freitag, 8. Oktober 2010, 12 Uhr Wiener Zentralfriedhof, Tor 2, Halle 1 1110 Wien
Seelenmesse in Gedenken an Günther Vinek Montag, 18. Oktober 2010, 16.30 Uhr Schottenkirche, Freyung 6 1010 Wien Zur Parte (PDF) Trauerpredigt von Paul Michael Zulehner
Es wird gebeten, auf Kranz- und Blumenspenden zu verzichten und stattdessen für die Abteilung Krebsbehandlung/Krebsforschung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder zu spenden: Kto.Nr.: 22310717600, BLZ. 12000 Empfängername: Konvent der Barmh. Brüder Verwendungszweck: Kranzspende f. Hr. Prof. Vinek
REAKTIONEN seiner Weggefährten:
Frederick Rennert (PDF)
Peter Rastl (PDF)
A Min Tjoa (PDF)
Martin Hitz (PDF)
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