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Günther Vinek war zwei Funktionsperioden lang Vizerektor für Informationsmanagement und Organisation.


Bei einer Antrittsvorlesung.


Günther Vinek: Mitgestalten am Zusammenwachsen der Universität Wien
Personalia, Emeritierung & Pensionierung
Michaela Hafner (Redaktion) am 27. September 2007

Über 40 Jahre lang war Günther Vinek an der Universität Wien tätig, seit 1976 als Professor für Statistik und angewandte Informatik, seit 2000 als Vizerektor für Informationsmanagement und Organisation. Mit 30. September 2007 geht er nun in den Ruhestand. Im Interview erzählt der studierte Chemiker von seinem Wechsel zur Informatik, von der Neugestaltung der Universität Wien und seinen Plänen.

Über 40 Jahre lang war Günther Vinek, geb. 1939, an der Universität Wien tätig. 1957 begann er Chemie zu studieren, worin er 1965 sub auspiciis promovierte. Zunächst am Institut für Physikalische Chemie beheimatet, wechselte er 1968 ans Institut für Statistik und habilitierte sich 1970 in Statistik und angewandte Informatik (Universität Linz) und 1972 an der Juridischen Fakultät der Universität Wien. Seit 1976 war er bis zu seiner Emeritierung am 30. September d.J. Professor für Statistik und angewandte Informatik am Institut für Knowledge and Business Engineering.
Die Informatik beschäftigte ihn fortan nicht nur in der Wissenschaft: Anfang der 1970er Jahre war er Leiter des Rechenzentrums der Medizinischen Fakultät, von 1989 bis 1991 Vorstand des Interuniversitären EDV-Zentrums.
Seit 1. Jänner 2000 war Günther Vinek zwei Funktionsperioden lang Vizerektor für Informationsmanagement und Organisation.

Redaktion: Wie kam es, dass Sie von der Chemie zur Informatik wechselten?
Günther Vinek: Ich war in den 1960er Jahren einer der ersten in Wien, der in der Chemie eine rein theoretische Dissertation geschrieben hat. Ich habe versucht, aufgrund mathematischer Modelle Eigenschaften von chemischen Substanzen, speziell von Festkörpern zu bestimmen. Das waren in erster Linie Rechenaufgaben, ganz zu Beginn auf einer mechanischen Rechenmaschine.
Als die Universität Wien 1963/64 ihren ersten Computer hatte - mit Lochstreifen programmiert -, war das eine Sensation, ich war fasziniert von diesen neuen technischen Möglichkeiten. Ich hatte dann die Gelegenheit, ans Institut für Statistik, an dem dieser Computer stand, zu übersiedeln; dort war ich dann mehr anwesend als am chemischen Institut. So war der Weg, von der Chemie zur Statistik und später zur Informatik. Personen in meinem Alter, die in informatiknahen Berufen tätig sind, haben fast alle Chemie, Physik oder Mathematik studiert.

Redaktion: Sie haben auch als Vizerektor stets die Verbindung zur Wissenschaft gepflegt. Wieso war Ihnen dies so wichtig?
Vinek: Wenn man das Amt eines Vizerektors annimmt, so ist das eine schwere Entscheidung, denn man muss sich darüber im Klaren sein, dass man für die Wissenschaft nicht mehr viel Zeit hat. Mir ist das sicher leichter gefallen, weil das Vizerektorat am Ende meiner Laufbahn stand.
Meine wissenschaftlichen Arbeiten wurden immer durch praktische Fragestellungen initiiert.
So habe ich auch versucht, mit den Studierenden der Wirtschaftsinformatik Themen zu bearbeiten, die für den Unibetrieb wichtig sind, z.B. Möglichkeiten der automationsgestützten Studienberatung, Charakterisierung von Studien durch Studienkennzahlensystem oder Modelle für die computerunterstützte Verwaltung von Studienplänen.

Redaktion: Sie waren seit 1976 Professor, später Prädekan der Sowi-Fakultät. Was hat Sie an der Aufgabe als Vizerektor gereizt?
Vinek: Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, für dieses Amt zu kandidieren, wenn mich nicht Georg Winckler gefragt hätte, ob ich nicht Lust hätte, in sein Team einzusteigen. Ich nehme an, dass ich auch deswegen gefragt wurde, weil ich damals im Auftrag des Senates mit dem Aufbau einer neuen Verwaltungs-EDV befasst war. Ich dachte mir, dass eine gestaltende Tätigkeit in der Universität etwas sehr Faszinierendes sein muss, und so habe ich mich mit dem gesamten Team beworben.

Redaktion: Als Vizerektor waren Sie vor allem mit strategischer Planung befasst, insbesondere mit der Entwicklungsplanung, der Wissensbilanz, den Leistungsvereinbarungen. Welche zentralen Ziele konnten in diesen Bereichen in den letzten Jahren erreicht werden?
Vinek: Ich habe mitgearbeitet am großen Projekt, die Universität Wien nach dem Universitätsgesetz 2002 neu zu gestalten. Eine der wesentlichen Aufgaben war, das Informationswesen in der Universität Wien aufzubauen - vor acht bis zehn Jahren war die Universität Wien diesbezüglich in einem schlechteren Zustand als andere Universitäten. Wir brauchten Informationen über den Zustand der Universität, über Stärken und Schwächen. Erst aufgrund dieser Basisdaten, die heute in einem Datawarehouse aufbereitet sind, konnten Gespräche über Zielvereinbarungen mit den Fakultäten und Leistungsvereinbarungen mit dem Ministerium geführt werden.

Ich habe mir die Arbeit insofern anders vorgestellt, als ich am Anfang blauäugig der Meinung war, vieles ließe sich schneller umsetzen. Es waren doch tiefgreifende Eingriffe: der neue Organisationsplan, die neue Fakultätsstruktur - das zieht sich ja bis heute, wo die Einrichtung der Studienservicecenter, die Wissenschafter von administrativer Arbeit entlasten sollen, noch nicht ganz fertig ist. Das heißt wir haben versucht, die Universität in ihrer administrativen Tätigkeit unternehmensähnlicher, im Sinne von Serviceorientierung, zu machen.
Was mir wichtig ist: Vieles von dem, was ich umgesetzt habe, war nicht ausschließlich meine persönliche Leistung. Das geht nur in einem Team. Einerseits im Team des Rektorats, andererseits im Team mit dem ZID, in der Zusammenarbeit mit Dienstleistungseinrichtungen und Dekanaten. Man ist nur so gut wie seine MitarbeiterInnen.

Redaktion: Gibt es Projekte, die Sie noch gerne initiiert oder bis zum Ende begleitet hätten?
Vinek: Viele Projekte, die wir begonnen haben, sind zwar einerseits fertig, aber doch auch in Weiterentwicklung. Im Univis haben wir wichtige Schritte beendet, etwa die Unterstützung der Studienzulassung, die Prüfungsverwaltung, die Personalverwaltung - doch es gibt ständig neue Anforderung. In der Personalverwaltung möchte man beispielsweise die elektronische Abwesenheitsverwaltung einführen. Vor wenigen Tagen sind erstmals in einigen Bereichen zentrale Anmeldesysteme in Betrieb gegangen, das müsste es in Zukunft flächendeckend für die gesamte Universität geben.
Der Weg der Universität, den ich beobachtet und mitgestaltet habe, war ein Weg ausgehend von einem lockeren Konglomerat aus sehr eigenständigen Fakultäten und Instituten hin zu einer Universität, die eine Institution ist, trotz aller Freiheiten und Spezifika, die die einzelnen Bereiche haben und haben müssen.

Redaktion: Im Zusammenhang mit der Entwicklungsplanung haben Sie viel an interner Kommunikationsarbeit, also Gespräche mit den Fakultäten und Zentren, übernommen.
Vinek: Die Gespräche waren sehr wichtig. Im Dialog mit den Fakultäten und Zentren wurde festgelegt, was im jeweiligen Fachbereich berücksichtigt und angestrebt werden soll, damit das Gesamtziel der Universität Wien laut Entwicklungsplan erreicht werden kann, nämlich zu den Top-Forschungsuniversitäten in Europa zu gehören.
Das Rektorat konnte in stärkerem Maß ein Bewusstsein für Qualität in die Universität tragen. Heute wird - auch innerhalb der Fakultäten - viel über Publikationen in international sichtbaren Organen diskutiert, man ist stärker bemüht, Drittmittel einzuwerben, man ist auch stärker bereit zur interdisziplinären Zusammenarbeit und Vernetzung.

Ich selbst habe durch diese Gespräche viele Bereiche der Universität Wien besser kennen gelernt, habe auch viele andere Denkweisen schätzen gelernt. Man kann nicht alle Bereiche über einen Kamm scheren, etwa die Frage, wie man bei den Geisteswissenschaften - ähnlich wie bei den Naturwissenschaften - zu einem objektiven Qualitätsurteil in der Forschung gelangt. In den Naturwissenschaften ist das relativ institutionalisiert, in den Geisteswissenschaften aus guten Gründen nicht, weil dort die Arbeitsweise eine andere ist. Aber es muss doch in jedem Bereich möglich sein zu sagen, ob etwas gut ist oder noch besser sein könnte.
Der Gedanke, dass Evaluation notwendig für den Betrieb und eine Hilfe zur Weiterentwicklung ist, ist heute in der Universität stärker vertreten als vor einigen Jahren.

Redaktion: Die Themen Informationsmanagement und EDV haben Sie über Jahrzehnte begleitet, von der Wissenschaft über die Tätigkeit als Vorstand des Interuniversitären EDV-Zentrums (gemeinsam mit der TU Wien) bis zum Geschäftsbereich im Rektorat.
Vinek: Die Aufgaben eines Rechenzentrums - wie es früher hieß - haben sich sehr geändert. In den 1960er Jahren war ein Computer eine einmalige und kostbare Ressource, die Hauptaufgabe bestand darin, so ein Ding zu betreiben und zu verwalten und die Rechen- und Verarbeitungsleistung an die Benutzer zu verteilen.
Heute ist das Bereitstellen von Rechenleistung keine Hauptaufgabe des Zentralen Informatikdienstes mehr, heute geht es vor allem um die Netzwerkinfrastruktur und das Bereitstellen von Services. Das zu gestalten war eine sehr interessante Aufgabe, die mir deswegen leicht gefallen ist, weil unser ZID eine herausragende Stellung unter den übrigen ZIDs der österreichischen Universitäten innehat. Der ZID spielte - nicht zuletzt durch die persönlichen Initiativen von Dr. Rastl - eine tragende Rolle bei der Geburtsstunde des Internet, und seit kurzem ist die Universität Wien Trägerinstitution von ACOnet, einem Netzwerk, über das die akademische Landschaft an Hochleistungsnetze angeschlossen ist.

Redaktion: Was sind aus Ihrer Sicht künftige Herausforderungen in diesem Bereich?
Vinek: Es wird eine noch größere Integration der einzelnen Informatikdienste geben - eine Integration, wie sie z.B. schon zwischen Telefonie und Computer stattgefunden hat. In der Informatik geht der Trend zu überall verfügbarer Computerfunktionalität (ubiquitous computing), das wird unsere Lebensweise gravierend verändern.

Redaktion: Nach über 40 Jahren an der Universität Wien: Fällt Ihnen der Abschied schwer?
Vinek: Es gibt ein weinendes und ein lachendes Auge. Ich bin doch sehr mit der Universität Wien verbunden und ihre Geschicke sind einem gerade auch durch die Tätigkeit im Rektorat nicht egal. Das weinende Auge ist aber zumindest in der nächsten Zeit etwas schwächer, weil geplant ist, dass ich der Universität in den nächsten Jahren in einem kleinen Mitwirkungsverhältnis zur Verfügung stehe und meine Expertise weitergeben kann. Denn mein Aufgabengebiet wird ja zum größten Teil von Vizerektor Jurenitsch übernommen, zu seinem ohnehin schon sehr großen Bereich. Es ist vorerst ein sanfter Ausstieg.

Das lachende Auge ist, dass ich mich nun wieder mit Dingen beschäftigen kann, auf die ich während der Tätigkeit an der Universität verzichten musste, z.B. Reisen oder der Besuch von Konzerten, allgemein die Beschäftigung mit Musik.
Ich hatte auch immer starke interdisziplinäre Interessen, ich bin z.B. seit Jahrzehnten - nicht regelmäßig - Mitglied in einer Diskussionsrunde zwischen Naturwissenschaftern und Philosophen, so etwas würde ich gerne intensivieren. Ob ich es schaffe, mich nach acht Jahren wieder in meine Wissenschaft einzulesen, muss ich erst probieren.

Insgesamt sehe ich den Ruhestand schon als einen Übergang in einen neuen Abschnitt des Lebens. Es ist mir damals nicht leicht gefallen, von der Chemie wegzugehen, denn das Fach hat mich begeistert - aber es hat mich etwas anderes mehr begeistert, nämlich das neue Medium Computer. In diesem Sinne sehe ich den Übergang: Bewusst etwas anderes machen, ohne das Alte ganz verlieren zu müssen. (mh)

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