Karl Vocelka, Professor für österreichische Geschichte und Mitbegründer der Früh-Neuzeit-Forschung in Wien, feiert am 23. Mai 2007 seinen 60. Geburtstag. Anlässlich dieses runden Jubiläums findet vom Freitag, 11. bis Samstag, 12. Mai 2007 die Tagung "Wien durch die Jahrhunderte" in der Urania statt. |
"Die Tagung wurde von meinem Freundes- und Schülerkreis organisiert. Ich war sehr überrascht und habe mich natürlich auch sehr gefreut", sagt Ao. Univ.-Prof. Dr. Karl Vocelka: "Durch das Programm wird das breite Betätigungsfeld, in dem ich mich bewege, deutlich."
Die Tagung, die gemeinsam vom Wissenschaftsforum Tschechen in Wien, dem Institut für Geschichte der Universität Wien und der Urania Wien veranstaltet wird, ist eine Zeitreise durch das historische Österreich und gleichzeitig durch die Forschungsfelder von Karl Vocelka. Nach der offiziellen Eröffnung verleiht Jaroslav Pánek, Vizepräsident der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Karl Vocelka die Franticek-Palacký-Medaille für Verdienste um die Gesellschaftswissenschaften.
Wien historisch
Nach dieser Ehrung kann sich der Jubilar "zurücklehnen" und die Vorträge genießen. Im Mittelpunkt der vielseitigen Referate steht die Beziehung von Österreich und Wien zu seinen Nachbarländern und umgekehrt. Unter anderem wird Jaroslav Pánek über Rudolf II. und seine Beziehung zu Wien und Prag sprechen. Wien aus der Sicht der böhmischen Adeligen an der Schwelle zur Frühen Neuzeit präsentiert Václav Bućek aus Budweis. Blasphemie im 18. Jahrhundert, Kaiser Joseph II. oder das jüdische Wien sind unter anderem Themen der nachmittäglichen Vortragsreihe am Freitag. Um Wienerinnen und Weltrevolution oder Spurensuche nach historischen MigrantInnen geht es am Samstag. "Diese breite Beteiligung freut mich enorm. Es zeigt, dass meine Forschungen auch eine Außenwirkung haben und nicht nur im Elfenbeinturm der Universität stattfinden", freut sich Vocelka.
Kritische Distanz
Die Forschungsschwerpunkte von Karl Vocelka, geboren am 23. Mai 1947 in Wien, sind die Frühe Neuzeit sowie die österreichische Geschichte: "Die Geschichte des Landes, in dem man lebt, ist immer faszinierend. Ein Historiker ist dabei nie patriotisch, sondern geht immer mit einer kritischen Distanz an seine Themen heran."
Als Experte der österreichischen Monarchie steht Vocelka der Romantisierung und Verklärung der k. u. k. Zeit besonders kritisch gegenüber: "Die Monarchie ist im Endeffekt gefallen, weil sie es nicht geschafft hat, die vielen sozialen Probleme zu lösen."
Stationen des Historikers
Nach dem Studium der Fächer Geschichte und Germanistik promovierte Vocelka 1971 an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie mit einer auf Archivstudien beruhenden ortsgeschichtlichen Arbeit. Im selben Jahr legte er die Lehramtsprüfung in den Fächern Geschichte und Germanistik ab. Am 1. Februar 1972 wurde er Universitätsassistent am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. 1978 habilitierte sich Vocelka für das Fach Österreichische Geschichte mit einer Arbeit über die politische Propaganda Rudolfs II. (1576-1612).
Es folgte eine intensive Zeit der Forschung und zahlreiche Publikationen zur österreichischen Geschichte. "Ich konnte mich sehr lange auf die Forschung konzentrieren, meiner Meinung nach die eigentliche Tätigkeit von Universitätsprofessoren", sagt Vocelka. Später folgten dann zunehmend auch administrative Tätigkeiten: Von 2000 bis 2004 war er Vorstand des Instituts für Geschichte, seit 2004 ist er Präsident des Wissenschaftsforums Tschechen in Wien (WFTiW) sowie seit 1989 Präsident des Vereins "Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit".
Ausstellungstätigkeit
Neben Auslandsaufenthalten als Gastlektor, unter anderem an der Stanford University (USA) und der Duke University (USA), war Vocelka in zahlreichen Ausstellungen als wissenschaftlicher Leiter tätig. So konzipierte er unter anderem 1990 die burgenländische Landesausstellung "Die Ritter" in Güssing, 1994 die oberösterreichische Landesausstellung "Die Donau" in Engelhartszell oder 2001 "Zu Hause in der Fremde. Tschechen in Wien im 20. Jahrhundert" in Prag und Brünn. (td)
Tagung "Wien durch die Jahrhunderte. Tagung für Karl Vocelka zum 60. Geburtstag" Freitag, 11. Mai bis Samstag 12. Mai 2007 jeweils von 9 bis 16 Uhr Programm Wiener Urania Uraniastraße 1, 1010 Wien |