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Die "Grande Dame" der Zeitgeschichte: Erika Weinzierl


Institut für Zeitgeschichte  
Historikerin Erika Weinzierl wird 80
Jubiläen
Anna Kim (Redaktion) am  3. Juni 2005

In der NS-Zeit gehörte sie als Studentin der Widerstandsgruppe um den Geistlichen Karl Strobl an, 1963 problematisierte sie als Erste das Verhalten der katholischen Kirche während des Nationalsozialismus. Sie engagierte sich als Pazifistin gegen die Atomrüstung, für eine humane Asyl- und Migrationspolitik und insbesondere für eine umfassende und tabulose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus: Erika Weinzierl, emeritierte Professorin am Institut für Zeitgeschichte, wird am 6. Juni 80.

Als Kind musste sie miterleben, wie jüdische MitschülerInnen verfolgt und vertrieben, wie Juden und Jüdinnen auf einem Viehlastwagen, dicht aneinander gedrängt, in Vernichtungslager gebracht wurden. 1998 meinte Erika Weinzierl: "Die Wiener haben die Köpfe gesenkt und gemurmelt: 'Da bringen sie jetzt die Juden wieder in den Osten.' Dass da irgendetwas nicht stimmt, das hat man gewusst." Biografischer Abriss Erika Weinzierl wurde am 6. Juni 1925 als Erika Fischer in Wien geboren. 1943 wurde sie vom NS-Regime zum Arbeitsdienst verpflichtet ? u.a. musste sie in einem Rüstungsbetrieb und als Straßenbahnschaffnerin arbeiten ?, doch noch während des Krieges begann sie ein Medizinstudium, 1945 begann sie jedoch an der Universität Wien Geschichte und Kunstgeschichte zu studieren. Parallel absolvierte sie den Lehrgang des Instituts für Geschichtsforschung an der Universität Wien. Einer ihrer Kommilitonen und Mit-Widerstandskämpfer war der spätere Ordinarius der Judaistik, Kurt Schubert. Während ihres Studiums lernte sie auch ihren Mann, den späteren Professor für Experimentalphysik, Peter Weinzierl, kennen, der 1996 verstarb. Erika Weinzierl ist Mutter zweier Söhne (Michael, 1950-2002; Ulrich, geb. 1954). 1948 promovierte sie und trat in den Bundesdienst als Archivarin am Haus-, Hof- und Staatsarchiv ein. Nach ihrer Habilitation 1961 an der Universität Wien ("Die österreichischen Konkordate von 1855 und 1933") lehrte sie an der Universität Salzburg, bis sie 1979 als o. Professorin für neuere und neueste Geschichte an das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien berufen wurde, dessen Vorständin sie von 1979 bis 1990 war. 1995 emeritierte Erika Weinzierl, ist jedoch weiterhin wissenschaftlich tätig (Publikationen, Vorträge) und beinahe täglich am Institut für Zeitgeschichte anzutreffen. Forschung zum Nationalsozialismus Weinzierl, die sich einmal als "Linkskatholikin" bezeichnete, befasste sich in ihrer Laufbahn v.a. mit den Themen Kirchengeschichte, Widerstandsbewegung und Antisemitismus. Zu ihren wichtigsten Werken gehören: "Österreich, Zeitgeschichte in Bildern" (1968) und "Zu wenig Gerechte. Österreicher und Judenverfolgung 1938-1945" (1969). Sie gab 30 Bücher heraus bzw. fungierte als Mitherausgeberin, u.a. für "Vertreibung und Neubeginn. Israelische Bürger österreichischer Herkunft" (1992), und verfasste mehr als 200 Aufsätze und wissenschaftliche Beiträge. Mitgliedschaften Erika Weinzierl war langjährige Präsidentin der "Aktion gegen den Antisemitismus" und Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der von ihr mitbegründeten Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung. Zudem war sie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Instituts "Wiener Kreis", Vorstandsmitglied des Kuratoriums der Stiftung Bruno-Kreisky-Archiv, Mitglied des Kuratoriums des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und Mitglied des Berliner Beirates "Topographie des Terrors". Vielfach ausgezeichnet Die Liste der Auszeichnungen, die sie im Laufe ihres Lebens erhielt, ist lang und international, beispielsweise erhielt sie die päpstliche Medaille Bene merenti (1952) und den Preio Adelaide Ristori vom Cebtro Culturale Italiano in Rom (1979). Ihr wurden außerdem u.a. das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst I. Kl., die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien, der Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik, der Dr.-Hertha-Firnberg-Staatspreis für besondere Leistungen im Bereich Wissenschaft und Forschung, der Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch und der Wilhelm-Hartl-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verliehen. (ak)   Veranstaltungstipps: Montag, 6. Juni 2005, 19 Uhr Ort: Wien Museum/Karlsplatz Anlässlich des 80. Geburtstags Erika Weinzierls sprechen Univ.-Prof. Dr. Rudolf Ardelt (Rektor der Johannes Kepler-Universität Linz), Gen. Dir. HR Prof. Dr. Lorenz Mikoletzky, Univ.-Prof. Dr. Edith Saurer (Institut für Geschichte, Universität Wien) und Prof. Dr. Leon Zelman (Jewish Welcome Service) im Rahmen der Wiener Vorlesungen. Mittwoch, 8. Juni 2005, 19.30 Uhr Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Theodor-Kramer-Gesellschaft an emer. Univ.-Prof. Dr. Erika Weinzierl mit Peter Schwarz, Wien; Sandra Wiesinger-Stock, Wien; Karl Müller, Salzburg Ort: ESRA, Tempelgasse 5, A-1020 Wien (Bitte Lichtbildausweis mitnehmen) Um Anmeldung wird gebeten: info@esra.at oder Tel. 01/214 90 14  

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