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Die Fakultät für Psychologie trauert um Anton K. Formann, der am 12. Juli 2010 nach kurzer, schwerer Krankheit unerwartet verstarb.


"In memoriam Anton K. Formann (1949-2010)" (PDF) Fakultät für Psychologie Institut für Psychologische Grundlagenforschung der Fakultät für Psychologie


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Gastbeitrag der Fakultät für Psychologie am 11. Oktober 2010

Die Fakultät für Psychologie trauert um Univ.-Prof. Dr. Anton K. Formann, MSc, der am 12. Juli 2010 - völlig unerwartet, nach kurzer schwerer Erkrankung - im Alter von 60 Jahren in Wien verstorben ist.

Anton ("Toni") Formann wurde am 27. August 1949 in Wien geboren. Nach der Matura am Bundesrealgymnasium VIII Albertgasse studierte er ab 1968 an der Universität Wien (Psychologie, Statistik, Anthropologie, Studium irregulare). 1973 promovierte er zum Dr. phil. bei O. Univ.-Prof. (i.R.) Dr. Gerhard H. Fischer, dem langjährigen (1968-1998) Ordinarius für Psychologie (mit besonderer Berücksichtigung der Methodenlehre und Mathematischen Psychologie) an der damaligen Abteilung für Methodenlehre und Differentiellen Psychologie des damaligen Instituts für Psychologie der Universität Wien.

An dieser Abteilung war Formann promotionsnah (1973) zunächst kurzzeitig als wissenschaftliche Hilfskraft tätig, begann aber schon im selben Jahr, kurz nach erfolgter Promotion, seine Laufbahn als Universitätsassistent. 1985 habilitierte er sich im Fach Psychologie, 1999 ein weiteres Mal (in Angewandter Statistik), jeweils an der Universität Wien, an den damaligen grund- und integrativwissenschaftlichen bzw. wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten. Zusätzlich erwarb er 1998 den Grad Master of Science in Applied Statistics (mit Auszeichnung) an der Sheffield Hallam University (Sheffield, United Kingdom).

2004 wurde Formann Nachfolger Fischers am Lehrstuhl für Methodenlehre, nachdem er nach Fischers Pensionierung (1999) bereits einige Jahre die Leitungsfunktion der Abteilung für Methodenlehre und Differentielle Psychologie am Institut für Psychologie innegehabt hatte. Ab 2005 war Formann stellvertretender Vorstand des jetzigen Instituts für Psychologische Grundlagenforschung an der 2004 gegründeten Fakultät für Psychologie sowie, in der Funktionsperiode 2006-2008, zusätzlich auch Vize-Dekan der Fakultät für Psychologie.

Bereits die Forschungsarbeiten zu seiner Dissertation führten zur späteren Publikation eines innovativen und damals entschieden zukunftsweisenden Kurztests für Intelligenz (Wiener Matrizen-Test; Formann & Piswanger, 1979). Im speziellen basierte dieses psychologische Testverfahren einerseits auf der Erfassung der abstrakten (sprachfreien) Fähigkeit zum Schlussfolgern; andererseits zeichnete es sich durch die Zugrundelegung eines den herkömmlichen Testkonstruktionsprinzipien und Verrechnungsmethoden überlegenen probabilistischen Test- und Messmodells aus (Rasch-Skalierung). Dementsprechend hat der Wiener Matrizen-Test seither auch weite Verbreitung und Anwendung in Forschung und Praxis gefunden. Zu Formanns posthumen Publikationen wird eine revidierte und renormierte Neufassung dieses Tests zählen, die von ihm noch abgeschlossen werden konnte und derzeit in Druck ist (Formann, Waldherr, & Piswanger, 2011). Insofern schlägt diese kommende Publikation einen weiten Bogen - zurückreichend nämlich in die Anfänge von Formanns Forschung aus den frühen 1970ern und diese wiederaufgreifend.

Im Zuge seiner ersten Habilitation (1985 in Psychologie) publizierte Formann eine Monografie zur Latenten Klassenanalyse (Latent Class Analysis; Formann, 1984), einem ursprünglich auf den österreichisch-amerikanischen Soziologen Paul F. Lazarsfeld (1901-1976) zurückgehenden statistischen Verfahren zur Klassifikation und Typenfindung auf Basis qualitativ erhobener Merkmale. Obgleich deutschsprachig, findet sich dieses Werk auch in der angloamerikanischen Forschung in den Jahren seither und immer noch anhaltend weithin zitiert. Es gilt daher mit Recht als moderner Klassiker zum Thema. Übergeordnet bildete die Latente Klassenanalyse jenes Forschungsthema, welches Formann wohl am kontinuierlichsten wie auch über die längste Strecke seiner akademischen Karriere hinweg begleiten sollte. Unter anderem war er auch Verfasser des entsprechenden Artikels über Latente Klassenanalyse für das angesehene Referenzwerk Encyclopedia of Statistical Sciences (Formann, 1999).

Weitere seiner zahlreichen Forschungsarbeiten zur Latenten Klassenanalyse, wie auch zu anderen seiner Forschungsthemen, erschienen in renommiertesten internationalen Fachzeitschriften der Felder Biostatistik, Mathematische und Angewandte Statistik sowie Psychometrie - unter anderem publizierte Formann jeweils mehrfach bis vielfach in den Fachzeitschriften Biometrics, British Journal of Mathematical and Statistical Psychology, Journal of the American Statistical Association, Psychometrika und Statistics in Medicine. Im Verlauf seiner Forscherkarriere erbrachte er auch grundlegende Beiträge zu einer Reihe seiner weiteren Forschungsthemen, darunter vor allem zu probabilistischen Test- und Messmodellen in der Psychologie (Item-Response-Theorie bzw. Rasch-Modelle), psychometrischer Veränderungsmessung, Mischverteilungsmodellen und zur statistischen Analyse kategorieller Daten. Diese Beiträge waren regelmäßig auch durch die Entwicklung entsprechender Software-Lösungen sowie die Ermöglichung von Anwendungen für die psychologische Forschung gekennzeichnet. In den letzten Jahren entwickelte Formann ein zunehmendes Interesse an quantitativ basierten State-of-the-Art-Methoden von Forschungssynthese und an der formalen Integration von Ergebnissen empirischer Forschung. In diesem Bereich entwickelte er u.a. einen neuartigen, auf der trunkierten (gestutzten) Normalverteilung basierenden, statistischen Test zur Entdeckung und Quantifizierung des Ausmaßes an Publikationsverzerrung (publication bias) in Meta-Analysen (Formann, 2008) ...

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Für die Fakultät für Psychologie:

Univ.-Prof. Dr. Germain Weber, Dekan
Univ.-Prof. Dipl.-Psych. Dr. Helmut Leder, Institut für Psychologische Grundlagenforschung (Institutsvorstand)
Privatdoz. MMag. DDDr. Martin Voracek, Arbeitsbereich Methodenlehre (Leitung), Institut für Psychologische Grundlagenforschung (Institutsvorstand-Stv.)


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