Logo der Uni Wien
Logo der Uni Wien
Logo der Online-Zeitung
Online-Zeitung der Universität Wien
  •   Home
  •   Forschung
  •   Wissenschaft &     Gesellschaft
  •   Studium & Lehre
  •   Professuren
  •   Personalia
    • Auszeichnungen
    • Köpfe & Karriere
    • Jubiläen
    • Emeritierung & Pensionierung
    • Nachrufe
    • Dekane 2008-2010
    • Dekane 2006-2008
    • Dekane 2004-2006
  •   Service
  •   Dossiers
  •   UniBlicke


Parte Edmund Hlawka (PDF)
In memoriam Edmund Hlawka (1916-2009)
Nachrufe
Gastbeitrag von Peter Schmitt am  4. März 2009

Die Universität Wien trauert um Edmund Hlawka, der am 19. Februar im 93. Lebensjahr nach längerer Krankheit verstorben ist. Edmund Hlawka war ein international geschätzter Wissenschafter, der wie kein anderer die Entwicklung der österreichischen Mathematik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Forscher und als Lehrer geprägt hat.

Edmund Hlawka wurde am 5. November 1916 in Bruck an der Mur (Steiermark) geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend im dritten Wiener Gemeindebezirk. Schon während seiner Schulzeit begann er, mathematische Lehrbücher zu lesen, und nach der Matura (1934 am Realgymnasium) studierte er an der Universität Wien Mathematik, Physik und Astronomie. Seine Lehrer waren unter anderem Wilhelm Wirtinger, Philipp Furtwängler, aber auch Karl Menger, Kurt Gödel und Hans Thirring. Nachdem er schon als Student eine mathematische Arbeit veröffentlicht hatte, promovierte er 1938 mit einer (von Nikolaus Hofreiter angeregten) Dissertation über diophantische Approximation bei Furtwängler zum Dr.phil.

Danach blieb er am Mathematischen Institut, zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft und ab 1941 als Assistent. 1944 habilitierte sich Hlawka mit einer Arbeit, in der er ein Problem von Hermann Minkowski (aus der Geometrie der Zahlen), löste. Dieses Resultat - heute Satz von Minkowski-Hlawka genannt - machte ihn sofort international bekannt und trug ihm zahlreiche Einladungen ein. Aber Hlawka, der nicht gerne reiste, blieb auch nach dem Krieg Wien - und der Universität Wien - treu, wo er 1948 zum ordentlichen Universitätsprofessor ernannt wurde und bis 1981 wirkte.

Neben kurzen Tagungsbesuchen und Auslandsaufenthalten nahm er nur einmal eine längere Einladung an, nämlich an das renommierte Institute of Advanced Studies in Princeton (Wintersemester 1959). Der Universität Wien diente Hlawka zweimal als Dekan: 1955-56 an der philosophischen Fakultät und 1976-77 im ersten Jahr der naturwissenschaftlichen Fakultät. An der Universität Wien entstand sein reichhaltiges wissenschaftliches Oeuvre (mehr als 180 wissenschaftliche Publikationen), mit dem er eine "Wiener Schule" der Geometrie der Zahlen und der Gleichverteilung - beides Teilgebiete der Zahlentheorie - begründete, und die zu etwa 80 persönlich betreuten Dissertationen führte (von insgesamt rund 130 als erster Prüfer begutachteten). Viele seiner SchülerInnen machten danach an in- und ausländischen Universitäten Karriere.

Edmund Hlawka war aber nicht nur ein herausragender Wissenschafter von internationalem Rang, sondern - wie die mehr als 800 Lehramtsprüfungen belegen - auch ein erfolgreicher und beliebter Lehrer, der bei seinen StudentInnen Begeisterung für das - für viele doch spröde - Fach hervorrufen konnte.

Nach über 40 Jahren Zugehörigkeit zur Universität Wien entschloss sich Hlawka 1981, einen Ruf an die Technische Universität anzunehmen (Institut für Analysis, Technische Mathematik und Versicherungsmathematik, als Nachfolger auf die lange vakant gebliebene Stelle von Erich Bukovics), nicht zuletzt auch, weil diese von seiner Wohnung wesentlich schneller und bequemer zu erreichen war als das Institut in der Strudlhofgasse.

Noch lange nach seiner Emeritierung im Jahr 1987 blieb Hlawka wissenschaftlich tätig, schrieb zahlreiche Arbeiten, oft mit Beziehung zu seiner alten Liebe, der theoretischen Physik, und suchte beinahe täglich sein Büro an der TU auf. Diese Verbindung zu seiner Wirkungsstätte, die er erst während seiner letzten vier Lebensjahre aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, half ihm auch dabei, 1991 den Tod seiner Frau Rosa (geborene Reiterer) zu verkraften, einer Studienkollegin, die er 1944 geheiratet hatte und die ihm bis dahin viele Lasten des praktischen Lebens abgenommen hatte.

Edmund Hlawka war Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (seit 1956 korrespondierendes, und seit 1959 wirkliches Mitglied). Seine Leistungen wurden durch zahlreiche Ehrungen gewürdigt, darunter mehrere Ehrendoktorate, das Goldene Ehrenzeichen mit Stern für Verdienste um die Republik Österreich, sowie Mitgliedschaften bei ausländischen Akademien. Seit 2001 ist auch ein Himmelskörper (Asteroid 10763) nach ihm benannt.


Peter Schmitt, für die Fakultät für Mathematik


Edmund Hlawka wird auf dem Friedhof Neustift am Walde, Halle 2 (18, Pötzleinsdorfer Höhe 2) aufgebahrt und Donnerstag, 5. März 2009, um 13 Uhr nach feierlicher Einsegnung zur Ruhe gebettet.

<< zurück zur Übersicht
 
Impressum Druckversion
Universitat Wien | Dr.-Karl-Lueger-Ring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0