Franz Skacel wurde als Sonntagskind am 8. November 1936 in Wien geboren. Seine ersten Schuljahre musste er während des Zweiten Weltkrieges verbringen. Im Jahre 1954 legte er die Reifeprüfung ab und studierte anschließend an der Technischen Hochschule in Wien Nachrichtentechnik. Hier begann er seine berufliche Laufbahn als Wissenschaftliche Hilfskraft im Jahre 1960 bei Professor Rudolf Inzinger, einem der Bahnbrecher der elektronischen Datenverarbeitung, und schloss das Technikstudium mit dem Grad eines Diplomingenieurs 1961 ab.
Als Hochschulassistent arbeitete Skacel im Bereich des Rechenzentrums der Technischen Hochschule und ab 1964 im Institut für Allgemeine Elektrotechnik bei den Professoren Otto Franke und Fritz Paschke. Neben seiner Labor- und Lehrtätigkeit wurde er mehr und mehr auch mit der ökonomischen Verwaltung des Instituts betraut. Seit 1966 war Skacel auch im Assistentenverband tätig und fungierte seit 1966 als Beobachter der Assistenten im Akademischen Senat der Technischen Hochschule. Ab 1967 betrieb er daneben auch das Studium der Rechtswissenschaften, das er im Jahre 1971 mit dem Doktorat abschloss.
Universitätsdirektor von 1976 bis 2000
Mit 1. September 1973 wechselte Skacel von der Technischen Hochschule an die Universität Wien, wo er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. April 2000 im Rahmen der zentralen Universitätsverwaltung mit überaus großem und verdienstvollem Engagement 27 Jahre lang wirkte. Er wurde 1975 zunächst geschäftsführender Rektoratsdirektor und übernahm schließlich mit 1. Juli 1976 die verantwortungsvolle Funktion des Universitätsdirektors der größten Universität Österreichs nach dem UOG 1975, das ihn seine gesamte Amtsperiode begleiten sollte.
Mit großer Energie und Geduld baute er eine neue Organisation nach diesem Gesetz auf und war stets auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern für dieses Unternehmen, dem er alle seine Kraft widmete. Er übte dieses hohe Amt nicht als ein unumschränkter Herrscher aus, der im schroffen Befehlston regierte, sondern suchte seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im geduldigen Gespräch von den erforderlichen Maßnahmen zu überzeugen und sie in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen zu eigenständigen Leistungen und Entscheidungen zu motivieren. In den akademischen Gremien war er stets um Vermittlung und Ausgleich der Interessen unter den Gruppen und Kurien bemüht, stand aber auch nicht an, seinen Grundsätzen und Überzeugungen Geltung zu verschaffen. All das war getragen von seiner freundlichen, hilfsbereiten und liebenswürdigen Art, die ihn über ein Vierteljahrhundert lang zu einer zentralen Anlaufstelle für alle machte, die Rat und Hilfe suchten.
Bildungsbürger mit musischer Begabung
Franz Skacel, der seit 1964 mit Maria, geb. Zehetgruber, eine sehr harmonische Ehe führte, war ein großartiger Vertreter des Wiener Bildungsbürgertums im besten Sinne, dem nicht nur ein breites historisches, juristisches und technisches Wissen zu Eigen war. Darüber hinaus hatte er auch große musische Begabungen. Mit Ausbildungen an Klavier, Orgel und Violoncello im Hintergrund sowie als langjähriger aktiver Chorsänger war er auch ein großer Förderer der Wiener Akademischen Philharmonie. Auch als "Vereinsmeier" ? wie er sich gelegentlich selbst apostrophierte ? versuchte er im Bereich der Wissenschaft und Universität fördernd zu wirken. So war er Mitbegründer der "Internationalen Gesellschaft für Ingenieurpädagogik" (IGIP), des "Österreichischen Forschungsinstituts für Technikgeschichte" (ÖFIT), des "Clubs der Universität Wien" und Vorsitzender der "Katholischen Medienakademie". Darüber hinaus war er den katholischen Studentenverbindungen eng verbunden als Philistersenior der K. Ö. St. V. Rudolphina, als Mitglied der K. Ö. a. V. Floriana und Vorsitzender der Altherrenschaft des ÖCV.
Historisch interessierter Ehrensenator
Ein großes Anliegen war ihm die Pflege der Wissenschafts- und Universitätsgeschichte, die er vor allem durch die Förderung des Archivs der Universität Wien unterstützte, wo er den Hort einer bald 650-jährigen Geschichte der Alma Mater Rudolphina gewahrt und belebt wissen wollte. Sein großes historisches Wissen versetzte ihn aber auch in die Lage, aktuelle Diskussionen und Entscheidungsprozesse aus einer weiten Perspektive zu beurteilen. Franz Skacel schenkte der Universität Wien seine ganze Arbeitskraft, sie dankte es mit der Verleihung der Würde eines Ehrensenators, was ihm viel bedeutete. Er war aber vor allem ein tiefgläubiger Mensch und praktizierender Katholik. Die Kirche, der er sehr verbunden war, ehrte ihn mit der hohen Auszeichnung des Ordens vom Hl. Sylvester. Sein Glauben half ihm letztlich, sein Leiden in den letzten Jahren mit bewundernswerter Geduld und Würde zu tragen. Wir denken an ihn in großer Dankbarkeit und Verehrung.
HR Dr. Kurt Mühlberger, MAS, ist Leiter des Archivs der Universität Wien.
Die hl. Seelenmesse für Franz Skacel wird am Dienstag, 16. Jänner 2007 um 16 Uhr in der Basilika Unsere liebe Frau zu den Schotten (1010 Wien) gefeiert. |