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Franz Traxler (1951-2010)


In memoriam Franz Traxler (1951-2010)
Nachrufe
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am  9. Februar 2010

Die Universität Wien trauert um Franz Traxler, der am Freitag, 22. Jänner 2010, im Alter von 58 Jahren überraschend in Wien verstorben ist. Ein Nachruf auf einen langjährigen, weit über die Grenzen Österreichs hinaus anerkannten akademischen Lehrer und Forscher.

Franz Traxler hat die aktuelle Entwicklung zur quantitativ-empirischen, theoretisch angeleiteten und international-komparativ angelegten Forschung entscheidend mitgeprägt. Der Wirtschaftssoziologe, der am Freitag, 22. Jänner 2010, im Alter von 58 Jahren überraschend in Wien starb, prägte durch seine zahlreichen, deutsch- und englischsprachigen Veröffentlichungen, seine wissenschaftliche Arbeit und seine interdisziplinäre Orientierung die Entwicklung des Fachgebiets wesentlich.

Franz Traxler, der in Wien geboren wurde, studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien, wo er auch seine wissenschaftliche Karriere als Universitätsassistent am Institut für Allgemeine Soziologie und Wirtschaftssoziologie begann. 1985 erlangte er seine Habilitation für Soziologie und war danach hauptberuflicher Vortragender an der Verwaltungsakademie des Bundes. Franz Traxler erhielt im Laufe seines Lebens mehrere Rufe, entschied sich jedoch den Ruf an die Universität Wien 1992 anzunehmen und beizubehalten.

Sein wissenschaftliches Interesse galt vor allem der Soziologie, insbesondere der Industrie- u. Betriebssoziologie, der Organisationssoziologie, der Politischen Soziologie, den Arbeitsbeziehungen, den Institutionen des Arbeitsmarktes, den Interessenverbände im internationalen Vergleich und dem Theorievergleich auf der Grundlage empirischer Forschung im Bereich Wirtschafts- und Organisationssoziologie.

Neben einer Reihe von Herausgeberschaften (Current Politics and Economics of Europe, 1998-2010, European Journal of Industrial Relations, 1999-2010, European Political Science, 2005-2006, European Sociological Review, 2000-2010, Industrial Relations Journal, 2003-2010, Industrielle Beziehungen, 1994-2005, Journal of Industrial Relations, 2006-2010, Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 1979-1992) war er auch professionspolitisch aktiv (European Group of Organizational Studies, Österreichische Gesellschaft für Soziologie).

Dass er neben seiner herausragenden akademischen Karriere auch immer die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Relevanz seines Schaffens als wichtig ansah, wird durch seine zahlreichen Tätigkeiten als Konsulent für die Europäische Kommission in Brüssel, die OECD in Paris, die ILO in Genf, und die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions in Dublin (Dublin Foundation) erkenntlich. Seit 1999 fungierte sein Institut als nationales Zentrum für den European Industrial Relations Observatory - ein wissenschaftsbasierter Informationsdienst, der von der Dubliner Foundation zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbeziehungen betrieben wird.

Überdies war er für die Stiftung seit Mitte der 2000er Jahre kontinuierlich als Koordinator für und Verfasser von zahlreichen vergleichenden Studien tätig, insbesondere im Bereich der Verbändeforschung. Diese Eingebundenheit in europäische und internationale Forschungsnetzwerke war das Resultat seines auf supranationalen Vergleich der Arbeitsbeziehungen ausgerichteten Interessenschwerpunktes.

Die Bandbreite seiner Funktionen in der österreichischen und internationalen Forschung und die Beigeisterung und Kompetenz, mit der er sie ausübte, war einzigartig groß. Ebenso wie die Lücke die er hinterlässt. Ein langjähriger Kollege und Freund von Franz Traxler, Max Haller, weist auf diese Lücke hin und betont, dass die Soziologie hierzulande einen ihrer bedeutendsten Vertreter verliert. Kommt im Ausland die Rede auf bekannte österreichische Soziologen, war Franz Traxler stets unter den Erstgenannten. Seine Arbeiten zu industriellen Beziehungen und zur Wirtschaftssoziologie hatten hohes Niveau und wurden in den besten Zeitschriften und Verlagen veröffentlicht. Franz Traxler hat durch seine Tätigkeit als akademischer Lehrer, Forscher und Institutsleiter, aber auch durch seine professionspolitische Aktivität im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, deren Präsident er 1993-1997 war, entscheidend zur Entwicklung und Festigung der Soziologie und ihres Ansehens in Österreich beigetragen.  

Franz Traxler bewies, dass wissenschaftliche Aktivität auf höchstem Niveau über disziplinäre Grenzen möglich ist. Ein weiterer langjähriger Kollege und Freund, Berndt Keller, betont diesen Aspekt und nennt Franz Traxler als einen der profiliertesten Vertreter einer interdisziplinär angelegten industrial relations-Forschung, die den traditionellen Gegenstandsbereich des Fachgebiets weit öffnete.

Seine zahlreichen Arbeiten wirkten weit über die Grenzen einer umfassend konzipierten Wirtschafts- und Organisationssoziologie hinein in die Arbeitsmarkt- und Verbandsforschung sowie die Neue Politische Ökonomie. Er hat über viele Jahre die Entwicklung und den aktuellen Stand der internationalen Forschung über die unterschiedlichen Wirkungen von Institutionen und korporativen Akteuren der Arbeitsbeziehungen und Arbeitsmärkte konsequent vorangetrieben und entscheidend befruchtet. Seine methodisch-empirisch stringenten, stets theoretisch angeleiteten und zumeist international-komparativ orientierten Projekte sowie deutsch- und englischsprachigen Publikationen stehen im Mittelpunkt der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion über Form und Konsequenzen von Internationalisierung, insbesondere Europäisierung.
Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wird Professor Traxlers stets ein ehrendes Andenken bewahren. Franz Traxler hinterlässt eine 6-jährige Tochter. Unser aller Mitgefühl gilt insbesondere ihr und allen Angehörigen und Freunden des von uns überaus geschätzten Kollegen.

Die Trauerfeier für Franz Traxler findet ebenso wie die Beerdigung auf Wunsch der Familie im engsten Kreise statt. Unser geschätzter Freund, Kollege und Mitarbeiter wird am 9. Februar 2010 zur letzten Ruhe gebettet.


Der Dekan o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Ch. Pflug für die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Privatdoz. Mag. Dr. Bernd Brandl im Speziellen für die Belegschaft des Instituts für Wirtschaftssoziologie

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