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Irene Schnöll-Bitai (1957-2008)


Fakultät für Chemie
In memoriam Irene Schnöll-Bitai (1957-2008)
Nachrufe
Gastbeitrag der Fakultät für Chemie am 12. Dezember 2008

Die Fakultät für Chemie trauert um Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Irene Schnöll-Bitai, die nach langer und schwerer Krankheit am 4. Dezember 2008 verstarb.

Irene Schnöll-Bitai wurde am 10. September 1957 in Sydney/Australien geboren. Von 1976 bis 1983 studierte sie Chemie und Mathematik für das Lehramt an der Universität Wien und begann nach ihrer Sponsion zum Mag. rer. nat. das Doktoratsstudium Chemie, das sie mit der Promotion zum Dr. rer. nat. im Jahr 1988 beendete. Sie schloss zwar im Schuljahr 1985/86 mit dem Probejahr am Bundesgymnasium Wien I auch ihre Lehrerausbildung ab, hatte sich aber damals schon für eine wissenschaftliche Laufbahn entschieden. Seit 1981 war sie zunächst technische Angestellte, ab 1986 Universitätsassistentin, ab 2000 Assistenzprofessorin und nach ihrer Habilitation im Jahr 2004 außerordentliche Professorin am Institut für Physikalische Chemie.

Der Fokus der wissenschaftlichen Tätigkeit von Irene Schnöll-Bitai lag einerseits auf dem Gebiet der Polymerisationskinetik und andererseits auf der Analyse von Polymeren. Obwohl sie so früh aus dem Leben gerissen wurde, hinterlässt sie ein beachtliches wissenschaftliches Werk: Irene Schnöll-Bitai war ganz wesentlich an der Entwicklung der sogenannte PLP-SEC-Methode beteiligt, die ein bahnbrechendes Verfahren zur direkten Bestimmung der Geschwindigkeitskonstante des Kettenwachstums bei radikalischen Polymerisationsprozessen darstellt. Die Methode führte zu einem enormen Aufschwung dieses Gebiets, ist international anerkannt und wird weltweit eingesetzt.

Im Zuge der Suche nach alternativen Verfahren zur direkten Bestimmung kinetischer Konstanten sowie der Möglichkeit der aktiven Beeinflussung der Kettenlängenverteilung des entstehenden Polymers bei der Synthese entwickelte Irene Schnöll-Bitai eine neue instationäre Technik (quenched instationary polymerization), die auf der Kontrolle der Zeitspanne zwischen Kettenstart und (einem gezielten) Kettenabbruch beruht. Diese Arbeiten sind auch der zentrale Teil ihrer Habilitationsschrift (2003). In weiterer Folge legte sie unter anderem das Hauptgewicht ihrer Arbeit auf das Phänomen der axialen Dispersion bei der Gelpermeationschromatographie und entwickelte mehrere Verfahren zur Bestimmung des Ausmaßes der Bandenverbreiterung sowie zu deren Korrektur.

Irene Schnöll-Bitai war auch intensiv in der Lehre involviert, beginnend im ersten Semester mit einem Kurs zu Mathematik für Chemiker, über das Physikalisch-chemische Praktikum in der Grundlehre bis zu Übungen, Seminaren und Spezialvorlesungen des zweiten Studienabschnitts.

Irene Schnöll-Bitai war eine sehr starke Persönlichkeit. Es ist zu bewundern, wie sie trotz schwerer Krankheit, solange es ihr möglich war, mit ungebrochenem Elan zielstrebig ihre Forschungsinteressen verfolgte und ihre Lehraufgaben wahrnahm. Die Scientific Community verliert eine anerkannte Forscherpersönlichkeit, was sich unter anderem in ihrer Mitgliedschaft im "IUPAC Subcommittee on Modeling of Polymerization Kinetics and Processes" manifestiert. Wir verlieren in ihr eine allseits geschätzte und beliebte Kollegin und die Studierenden eine engagierte und kompetente Lehrkraft.

Unsere tiefe Anteilnahme gilt ihrer Familie, ihrem Gatten Werner und ihren Kindern Julia und Daniel. Wir sind in ihrer Trauer bei ihnen und wünschen Ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gerhard Zifferer, im Namen der Fakultät für Chemie

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