Kurt Lüthi wurde am 31. Oktober 1923 als Sohn eines Volksschullehrers und einer Handarbeitsschullehrerin im Kanton Bern geboren und wuchs in dem Dorf Rohrbach auf. Er studierte Evangelische Theologie in Bern und Basel. Zu seinen Lehrern gehörten Karl Barth, Karl Ludwig Schmidt und Oskar Cullmann. Literarisch wurde er auch durch Martin Buber und Dietrich Bonhoeffer beeinflusst. Nach Abschluss seiner Studien im Jahre 1949 wurde er Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern, zunächst in Beatenberg und später in Biel. Bei Cullmann promovierte Lüthi 1955 in Basel mit einer Dissertation über Judas Iskarioth in der Geschichte der Auslegung. 1959 habilitierte er sich mit einer Studie über Gott und das Böse an der Universität Bern. 1964 wurde als Professor für Systematische Theologie (Helvetisches Bekenntnis) an die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1990 lehrte. In den Jahren 1966/67, 1971/72 und von 1979 bis 1981 war Lüthi Dekan der Fakultät.
Bereits im Studium interessierte sich Lüthi neben der Theologie für Philosophie, Kunst und Germanistik. Schon früh bestand auch ein Interesse an Fragen der politischen Ethik und am christlich-jüdischen Dialog. Seit seiner Berufung nach Wien gehörte Lüthi in Österreich zu den prägenden Persönlichkeiten im ökumenischen Dialog, im Gespräch zwischen Theologie und Kunst, im christlich-marxistischen sowie im christlich-jüdischen Dialog. Lüthi, der seit 1972 mit der Wiener Künstlerin Linda Christanell verheiratet war, engagierte sich auch im Gespräch zwischen Theologie und Psychoanalyse und unterstützte die Anliegen der Feministischen Theologie. Auf all diesen Gebieten trat er durch zahlreichen Veröffentlichungen hervor, darunter seine 2001 erschienene christliche Sexualethik.
Lüthi gehörte über Jahrzehnte verschiedenen Gremien der Evangelischen Kirche in Österreich an, darunter der Synode der Evangelischen Kirche H.B. und der Generalsynode der Evangelischen Kirche A. und H.B. Er war Ehrenmitglied der Stiftung Pro Oriente und Träger der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold. Als profilierter Vertreter des reformierten Protestantismus wirkte er weit über die Grenzen der akademischen Welt hinaus und beteiligte sich immer wieder an öffentlichen Debatten zu gesellschaftlichen Fragen. Seine Theologie, die durch das Erbe Barths und den Dialogischen Personalismus geprägt war, war öffentliche Theologie im besten Sinne des Wortes.
Die Fakultät verliert mit Kurt Lüthi einen anerkannten Wissenschaftler, engagierten Lehrer und geschätzten Menschen. Als solchen wird sie ihn stets in ehrender Erinnerung behalten.
Dekan O. Univ.-Prof. DDDr. James Alfred Loader und O. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Körtner für die Evangelisch-Theologische Fakultät.
Die Beisetzung von emer. O. Univ.-Prof. Dr. Kurt Lüthi findet am Mittwoch, 30. Juni 2010, um 13 Uhr am Evangelischen Friedhof Simmering (Zentralfriedhof, Tor 3) statt. |