Thomas Schönfeld wurde am 27. Juni 1923 in Wien geboren. Knapp 15-jährig musste er 1938 mit seiner Familie nach Großbritannien flüchten, nach einem Jahr emigrierte er weiter in die USA, wo er das Studium der Chemie begann. Im September 1946 ging er als Angestellter der US-Militärregierung nach Deutschland, von wo er 1947 nach Wien zurückkam und an der Universität Wien inskribierte. Am damaligen 1. Chemischen Laboratorium der Universität erstellte er seine Dissertationsarbeit über "Adsorptionserscheinungen in hochverdünnten Lösungen (Untersuchungen mit Hilfe radioaktiver Stoffe)" unter Anleitung von Univ. Doz. Dr. E. Broda. Nach seiner Promotion 1950 war er Assistent am 1. Chemischen Institut, später am Institut für Anorganische Chemie, wo er sich 1963 habilitierte ("Die Aufnahme von Ionen metallischer Elemente durch Anionenaustauscher in Gegenwart von Komplexbildnern"). 1968 wurde er Titularprofessor, 1972 erfolgte seine Berufung zum Ordinarius am Institut für Anorganische Chemie der Universität Wien.
Seine wissenschaftlichen Schriften umfassen zahlreiche Publikationen, Beiträge zu Büchern und Handbüchern sowie eine "Bibliography on radioanalytical Chemistry in Austria (1936-1979)". 1955 schrieb er gemeinsam mit E. Broda für das "Handbuch der mikrochemischen Methoden" einen Beitrag über "Radiochemische Methoden der Mikrochemie". Das 1956 erschienene Buch "Die technischen Anwendungen der Radioaktivität", ebenfalls gemeinsam mit E. Broda verfasst, wurde ins Japanische, Polnische, Rumänische, Russische, Tschechische und ins Englische übersetzt. Sehr wichtig war Schönfeld die Herausgabe von Engelbert Brodas "Ausgewählten Schriften: Wissenschaft, Verantwortung, Frieden" (1985).
Von den praktischen Arbeiten zeigt vielleicht das Projekt mit dem Titel "Deposition of inhaled fission products in lungs and lymph nodes of human being" - das erste Forschungsprojekt, das von der IAEA überhaupt vergeben wurde - am deutlichsten, mit welchem Einsatz er seine Ideen umzusetzen vermochte: Von Anfang 1958 bis Ende 1965 wurden an die 660 Organproben verascht und gammaspektrometrisch mit einem Einkanal-Meßgerät untersucht. 1959 wurde ihm für seine radiochemischen Arbeiten der Wissenschaftspreis des Theodor-Körner-Fonds verliehen.
Seit 1965 war Thomas Schönfeld als Berater für das Forschungszentrum Seibersdorf auf dem Gebiet des Strahlenschutzes tätig (Entwicklung von Methoden der Ausscheidungsanalyse, Arbeiten über die Sorption und Mitfällung radioaktiver Stoffe, Aufbau eines Teilkörperzählers sowie eines Alphaspektrometers, Bau eines mobilen Hochleistungssammlers zur Bestimmung geringster Aktivitätskonzentrationen in Luft), ebenso war er auch viele Jahre Mitglied der Österreichischen Strahlenschutzkommission. Im Fachbeirat verschiedener wissenschaftlicher Zeitschriften, wie der "Monatshefte für Chemie", der "Isotopenpraxis" und des "Journal of Radioanalytical and Nuclear Chemistry" stellte er sein umfangreiches Wissen als Referent zur Verfügung.
Seine Vorträge und Vorlesungen, die ein sehr breites Spektrum abdeckten, waren in ihrer Klarheit und Detailfülle legendär. Im Jahr 1995 organisierte er in Wien das Loschmidt-Symposium. 1997 erhielt er für sein Lebenswerk den Erwin-Schrödinger-Preis der ÖAW, der jährlich für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften vergeben wird.
Jeder, der Thomas Schönfeld kannte, weiß jedoch, dass sein Bild gänzlich unvollkommen wäre ohne die Würdigung seines Engagements in der Friedensbewegung, seines Einsatzes für die Ächtung der Atomwaffen und seiner Mitarbeit in der internationalen Pugwash-Bewegung; bis zuletzt war er als Vorsitzender der NGO Committee on Peace in Wien tätig, immer in der Überzeugung, dass Wissenschaft und Vernunft zu einer besseren Welt beitragen können.
Mag. Dr. Gabriele Wallner ist Außerordentliche Universitätsprofessorin am Institut für Anorganische Chemie.
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