Johann Höhlmüller: "Ich war nie ein Solist" |
| Köpfe & Karriere, DLE-LeiterInnen |
| Roland Dreger (Redaktion) am 23. Juni 2004 |
Reg.Rat Johann Höhlmüller deklariert sich klar als "Teamplayer". Als Leiter der Dienstleistungseinrichtung (DLE) für Finanzwesen und Controlling will er mit seinen MitarbeiterInnen die neuen Herausforderungen durch das UG 2002 annehmen. |
Im Laufe seiner Karriere an der Universität Wien hat er so einige Veränderungen mitgemacht, erzählt Höhlmüller. Die jetzt ist aber wohl eine der größten Umstellung. Mit der nunmehrigen Vollrechtsfähigkeit der Universitäten ist man im Finanzwesen und Controlling mit großen Veränderungen konfrontiert. Wissensbilanzen müssen erstellt und Leistungsverträge ausgearbeitet werden. Statt der Haushaltsverrechnung des Bundes gilt nun betriebswirtschaftliches Rechnungswesen. Und mit Beginn des Jahres ist man nun auch offiziell eine serviceorientierte Dienstleistungseinrichtung. Dienstleistung als Programm Als Dienstleistungseinrichtung (DLE) hat man sich hier jedoch auch schon vorher verstanden, konstatiert deren Leiter: "Dienstleistungsbereitschaft zu zeigen, das führte zu einer gewissen Reputation der Quästur, die auch das Finanzwesen jetzt zweifellos hat." Eine Leistung, die sich Höhlmüller keineswegs auf seine eigenen Fahnen heften möchte. Da lobt er schon lieber seine MitarbeiterInnen: "Ich bin hier von sehr engagierten und gut ausgebildeten MitarbeiterInnen umgeben und mit diesen möchte ich die neuen Herausforderungen annehmen." Funktion mit Ablaufdatum Seit 1971 ist Höhlmüller an der Universität Wien. Eigentlich kein geplanter Karriereschritt: "Mit einer humanistischen Matura bin ich nicht unbedingt auf das Rechnungswesen vorbereitet worden, habe dann jedoch großen Gefallen daran gefunden." Und diese Freude an seiner Arbeit hat er sich bis zum heutigen Tag bewahren können, wie er glaubhaft versichert. Schon vier Jahre nach seinem Eintritt wurde Höhlmüller stellvertretender Leiter der Quästur, 1987 deren Leiter. In den Anfängen, so erinnert er sich, war selbst die Arbeit eines Quästurleiters die eines Fachreferenten. Nun, als Leiter einer Dienstleistungseinrichtung, gilt es, "eine Linie vorzugeben, den 'Laden' zu organisieren und professionell nach außen hin zu vertreten." In die Amtszeit von Höhlmüller fallen immerhin drei Universitätsgesetze, die Umstellung zur Teilrechtsfähigkeit und nun die Vollrechtsfähigkeit der Universität. Mit diesen Gesetzen veränderten sich gewissermaßen gleich zweimal Funktion und Aufgabe grundlegend. "Es war immer eine gewisse Herausforderung, zu wissen, dass es ein Ablaufdatum gibt", so Höhlmüller zu seiner Motivation. Historisch gewachsene Struktur Einen großen Vorteil "seiner" DLE sieht Höhlmüller in der historisch gewachsenen Struktur. Bisher rechtlich gesehen zwei Organisationseinheiten, wurden die Bereiche Controlling und Buchhaltung (ehemals Quästur) bereits mit Beginn 2000 von Rektor Georg Winckler räumlich vereinigt. Seit Jänner 2004 sind sie es auch im rechtlichen Sinn. "Wir sind eine der wenigen Universitäten, die das Rechnungswesen so integriert organisiert hat, und es bewährt sich bestens", weiß Höhlmüller. Eine der letzten Bewährungsproben war etwa die Einführung des SAP R/3 Buchhaltungssystems. Die Universität Wien fungierte dabei als eine der fünf "Masteruniversitäten" für die 21 Universitäten des Landes. Höhlmüller war der Vertreter der Universitäten im Lenkungsausschuss und zudem im Projektmanagement vertreten. Transparenz als Aufgabe Mit Hilfe der SAP-Software soll unter anderem die Buchhaltung der etwa 400 § 27-Forschungsprojekte der Universität Wien effizient und vor allem transparent durchgeführt werden. Mit Anfang des Jahres fällt dies in den Aufgabenbereich der Finanzabteilung. Und es klingt banal, aber erstmals verfügt die Universität Wien nun über ein eigenes Bankkonto. Bisher war ihr Liquiditätsvermögen ein Recht, auf ein Konto des Finanzministers zugreifen zu können. Nun müssen Überziehungszinsen gezahlt oder es können Gewinne daraus lukriert werden. Eine neue, große Verantwortung, wie Höhlmüller bestätigt: "Das so genannte Liquiditätsmanagement ist für die Universitäten eine völlig neue Aufgabe, dabei kann man sehr viel Geld verdienen oder aber ebenso verlieren." Neu: Bilanz für die Universität Mindestens ebenso neu ist die Erstellung von Bilanzen. In einem ersten Schritt wurde die Eröffnungsbilanz erstellt, die in ein paar Wochen veröffentlicht wird. Die Eröffnungsbilanz ist bereits geprüft, sie wird Ende Juni dem Universitätsrat vorgelegt und voraussichtlich im Juli veröffentlicht. Die Chancen, dass in der nächsten Zeit Langeweile bei Höhlmüller und seinem Team aufkommt, stehen dennoch äußerst gering. Eine gewaltige Herausforderung steht bereits im Oktober ins Haus: Die dann neue Organisation der Universität Wien muss natürlich auch in der Buchhaltungswelt ihre Entsprechung finden. Über eines wird sich Höhlmüller so auch in nächster Zukunft sicher nicht beklagen müssen: über zu wenig Abwechslung im Beruf. (ro) |

