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Konstanze Fliedl hält am am Donnerstag, 25. Juni 2009 ihre Antrittsvorlesung.


Einladung zur Antrittsvorlesung (PDF) CV von Konstanze Fliedl Institut für Germanistik der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Arthur-Schnitzler-Gesellschaft
Konstanze Fliedl: Passionierte Literaturwissenschafterin
Porträts Neo-Professuren
Marion Wittfeld (Redaktion) am 18. Juni 2009

Bereits als Kind wusste Konstanze Fliedl, dass sie später "etwas mit Büchern"zu tun haben möchte. Den Berufswunsch von damals hat sie schon lange in die Tat umgesetzt. Seit September 2007 Professorin für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik, hält die Literaturwissenschafterin am 25. Juni 2009 ihre Antrittsvorlesung zum Thema "verhört".

Nach dem Studium der Deutschen Philologie, Kunstgeschichte und Theologie und ihrer Promotion über die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer habilitierte sich Univ.-Prof. Mag. Dr. Konstanze Fliedl 1997 an der Universität Wien mit einer Arbeit über Arthur Schnitzler. Ab 2002 Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Salzburg, war sie davor als Gastdozentin an verschiedenen europäischen Universitäten - wie beispielsweise in Warschau, Zürich, Berlin und Barcelona - tätig. 1999 erhielt die Literaturwissenschafterin den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik und wurde im selben Jahr Vorsitzende der Arthur-Schnitzler-Gesellschaft.

"Heimkehr" ans Institut für Germanistik: Bleibt alles anders

Den Antritt ihrer neuen Professur an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät beschreibt Konstanze Fliedl im weitesten Sinne als Rückkehr. Das Institut für Germanistik habe sich seit ihrer Studienzeit allerdings stark verändert, weshalb ein wenig Orientierungszeit nötig war. Der inzwischen stattgefundene Generationswechsel gefällt der Literaturwissenschafterin jedoch gut: "Durch die neuen Berufungen und die vielen jungen KollegInnen kommen auch neue Fragestellungen in der Forschung und in der Lehre auf."
 
Die Lehrtätigkeit und damit zusammenhängend die Beobachtung der Entwicklungen von Studierenden und ihrem wachsenden Interesse an eigenständigen Fragestellungen liegt Fliedl besonders am Herzen: "Durch die Professur habe ich die großartige Gelegenheit, weiterzugeben, was mich seit jeher an Literatur fasziniert hat. Die Literatur ist ein Ort, an dem - über ästhetische Erfahrungen hinaus - ein Nachdenken über gesellschaftliche Erfahrungen und Entwicklungen möglich ist. Die Lehrtätigkeit ist deshalb für mich ein großes Geschenk."

Forschungsschwerpunkte

Neben der Literatur der Jahrhundertwende und der Literatur von Frauen bildet auch Editionskunde einen Forschungsschwerpunkt der neuen Professorin. So plant sie unter anderem die Herausgabe einer kritischen Arthur-Schnitzler-Edition. "Schnitzler war ein unglaublich wacher Zeitgenosse. Ich schätze an ihm vor allem seine Fähigkeit, gesellschaftliche Missstände präzise und hart darzustellen, wie beispielsweise die 'Judenfrage' um die Jahrhundertwende in Österreich. Durch seine heutige Popularität wird jedoch seine 'kritische Wucht' oft vergessen", erläutert Konstanze Fliedl: "Ich habe ein großes Problem mit Wiener Schnitzler-Aufführungen, wenn sie in eine 'Schnitzler-Folklore' einmünden. Man muss ihn aus diesem Kontext des Ästhetisierten, des 'Jugendstil-Schnitzlers' herauslösen, um die Brisanz und Bedeutung seiner Texte auch für die heutige Zeit verstehen zu können."

Nachwuchsförderung

Die Förderung des Nachwuchses ist der Philologin nicht nur aus ihrer eigenen Biographie heraus ein Anliegen: "Es bedarf mehr Möglichkeiten der Unterstützung für den wissenschaftlichen Nachwuchs. In meiner Funktion als Mitglied des APART-Kuratoriums der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sehe ich viele qualifizierte BewerberInnen, denen man allen ein Stipendium gönnen würde. Wir dürfen es dem Nachwuchs nicht zu schwer machen, sonst bleibt er aus." Die Mittelkürzungen sind derzeit in der Wissenschaft ein großes Problem. "Gerade bei jungen Kolleginnen ist die Karriereplanung oft schwierig", weiß die Literaturwissenschafterin aus eigener Erfahrung, denn ohne ein APART-Habilitationstipendium hätte sie ihre universitäre Laufbahn nicht beginnen können: "Die Universitäten müssen deshalb die Politik überzeugen, dass es wichtig ist, in den Nachwuchs zu investieren."

Germanistik-Studierende brauchen Zusatzqualifikationen

Praxiserfahrung ist für Studierende aller Studienrichtungen von Bedeutung. Speziell in der Germanistik sieht Fliedl da einen besonders hohen Bedarf: "Germanistik-Studierende müssen damit rechnen, nach ihrem Studium vorerst in 'branchenfremden' Berufen arbeiten zu müssen. Mich macht diese Ressourcenverschwendung manchmal traurig, denn wir haben sehr gute AbsolventInnen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass manche Studierende das selbst etwas lockerer sehen und sich flexibel auf unterschiedliche Berufe einstellen können."

Eine Vorbereitung auf die spätere Praxis sollte bereits während des Studiums stattfinden. "Wir bieten z.B. eine Ringvorlesung mit Lehrenden aus verschiedenen Praxisfeldern - wie aus dem Buchhandel und der Dramaturgie - an. Ich kann den Studierenden nur raten, während ihres Studiums die Augen und Ohren offen zu halten: Wo kann ich nebenbei oder in den Ferien arbeiten, welche Zusatzqualifikationen sind wünschenswert? etc. Oft werden Studierende nach einem Praktikum fordernder und entwickeln genauere Vorstellungen davon, was sie während ihres Studiums lernen möchten. Das kann ich nur begrüßen", so Fliedl.

Einräumen von Lesezeit

Der neuen Professorin zufolge muss ein guter Philologe oder eine gute Philologin vor allem eines: viel lesen. So versucht sich Fliedl neben ihren zahlreichen universitären und außeruniversitären Tätigkeiten ausreichend Lesezeit zu reservieren: "In der neuen Literaturwissenschaft interessiert uns ja gerade die Gegenwartsliteratur ganz besonders. Da muss man auf dem neusten Stand bleiben. Außerdem habe ich ja speziell wegen der Bücher überhaupt erst Deutsche Philologie studiert." (mw)


Die Antrittsvorlesung von Konstanze Fliedl findet am Donnerstag, 25. Juni 2009 um 18 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.   

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