Ein Signal ist in der Regel ein Zeichen, das eine bestimmte Information enthält und diese von einem Sender an einen Empfänger weiterleitet. Die Übertragung von Signalen findet dabei nicht nur im technischen, sondern auch im naturwissenschaftlichen Bereich statt. Und jener Zusammenhang von Signalen und (menschlichen) Zellen ist das Forschungsgebiet von Manuela Baccarini. Seit Juni 2009 ist sie Professorin für Zelluläre Signalübertragung am Zentrum für Molekulare Biologie.
Am Mittwoch, 27. Jänner 2010 hält die Wissenschafterin - gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Mikrobiologen Udo Bläsi - ihre Antrittsvorlesung zum Thema "Deciphering signaling pathways in vivo". Im Zuge dieser Vorlesung will Baccarini dem interessierten Publikum die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich der Signalübertragung näherbringen. Dieser Forschungsansatz soll in Zukunft u.a. mögliche Therapieansätze gegen Krebs liefern.
Die Signalübertragung in den Zellen: Ein Computerspiel?
Das Publikum der Antrittsvorlesung darf gespannt sein, denn die Wissenschafterin wird im englischsprachigen Vortrag nicht nur die Geschichte des Forschungsbereichs, sondern auch ihre eigene Arbeit nachzeichnen. Sie vergleicht die Entwicklung ihres hauptsächlichen Forschungs- und Lehrgebiets - der Signalübertragung in den (menschlichen) Zellen - mit einem Computerspiel: "Auch unsere Forschung spielte sich - historisch gesehen - auf verschiedenen Levels ab." Vor 30 Jahren wussten WissenschafterInnen nur, dass Zellen Inputs - sprich Signale - von außen erhalten und einen gewissen Output provozieren. Die Vorgänge, die sich dazwischen abspielen, waren zu diesem Zeitpunkt eine Art uneinsehbare "Black Box".
"Im nächsten Level erreichten wir mit dem Wissen um den Ablauf der Signalübertragung ein neues Niveau." Lange Zeit glaubte man, dass die Übertragung von Signalen in menschlichen Zellen linear verlaufe - nun weiß man, dass in den Zellen unheimlich viel miteinander "kommuniziert" wird. "Heute ist für uns klar, dass der eigentliche Output ein Produkt dieser Kommunikation ist", erklärt Baccarini.
Der nächste Schritt in der Entwicklung ihres Forschungsbereichs ist für sie vollkommen nachvollziehbar: "In diesem Forschungslevel wollen wir die Signalübertragung nicht nur im Reagenzglas, sondern auch am lebenden Objekt, also in vivo, erforschen."
Ein "faszinierendes" Gebiet für Forschung und Lehre
Wenn die Wissenschafterin über ihr Forschungsgebiet spricht, hört man gebannt zu, denn ihre Begeisterung ist ansteckend. Auch auf die Frage, was sie an der Signalübermittlung in den Zellen interessiert, weiß sie schnell Antwort: Zu Beginn ihrer Forschungen zur Signalübertragung beschäftigte sie sich vor allem mit Zellen und wie diese auf bestimmte Reize in vitro, also in der Zellkultur, reagierten. "Heute konzentriere ich mich auf das viel kompliziertere Niveau des ganzen Organismus und schaue mir an, wie bestimmte Moleküle Prozesse wie die embryonale Entwicklung - aber auch die Krebsentstehung - steuern. Der Prozess der Signalübermittlung ist für mich grenzenlos faszinierend", so die Wissenschafterin.
Die Signalübertragung in Zellen und in ganzen Organismen wird nicht nur ein Schwerpunkt in der Forschung, sondern auch in der Lehre der neuen Professorin sein: "Vor allem in der postgradualen Lehre fühle ich mich sehr wohl, denn die DissertantInnen bringen viel Interesse für dieses komplexe Forschungsfeld mit."
Forschungsstandort Österreich
Manuale Baccarini arbeitet schon seit über zehn Jahren in Wien - die Professur an der Universität Wien bietet der Wissenschafterin nun die Möglichkeit, auch weiterhin in Österreich zu forschen und lehren. Das Land übt einen besonderen Reiz auf Baccarini aus, die schon in ihrer Heimat Italien sowie in Deutschland und in den USA geforscht hat. Als Charakteristikum des Forschungsstandorts Österreich nennt sie die Tatsache, dass man sich hier - im Gegensatz zu anderen Ländern - als WissenschafterIn nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen kann, sondern sich immer wieder aufs Neue beweisen muss.
Dieser Herausforderung will sich die gebürtige Italienerin auch weiterhin stellen, denn sie sieht ihr Forschungsfeld als Gewinn für die Gesellschaft. "Diese Art von Forschung informiert die Medizin von morgen, und die Ergebnisse werden als 'molecular based therapies' schon heute mit Erfolg angewandt", so die Zellforscherin. (pp)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Manuela Baccarini vom Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Wien (Max F. Perutz Laboratories) zum Thema "Deciphering signaling pathways in vivo" findet am Mittwoch, 27. Jänner 2010 um 17.30 Uhr im Senatssaal der Universität Wien statt - gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Udo Bläsi, ebenfalls Zentrum für Molekulare Biologie, der zum Thema "Pathogenicity of Pseudomonas aeruginosa viewed at the molecular level" sprechen wird. |