Martha Sebök, geboren 1943, studierte von 1961 bis 1965 Lehramt Deutsch und Französisch an der Universität Wien und arbeitete bis 1990 als AHS-Lehrerin. Daneben war sie u.a. Mitglied der Projektgruppe Französisch des BM für Unterricht und Kunst und absolvierte in den 1980er Jahren noch ein Jus-Studium.
1990 wechselte sie als Juristin ins Wissenschaftsministerium und war dort zunächst stellvertretende Leiterin der Abteilung für Hochschullehrer-Dienstrecht, Personalbewirtschaftung, Personalcontrolling, Ärzterecht, österreichische Delegierte in einem EU-Mobilitätsprogramm für ForscherInnen und ab 2000 Leiterin der Abteilung für das Organisationsrecht der Universitäten sowie für rechtliche Angelegenheiten der Frauenförderung und Gleichbehandlung zuständig. Ab 1. Oktober 2003 war sie Vizerektorin für Personalwesen und Frauenförderung an der Universität Wien.
Redaktion: Was war für Sie der größte Erfolg während Ihrer Funktionsperiode? Martha Sebök: Am wichtigsten war für mich, dass wir den Übergang vom UOG '93 ins UG 2002 geschafft haben - den technischen, organisations- und dienstrechtlichen Umstieg. Die Universität Wien ist kein Schiff, sondern ein riesiger Tanker, der nur schwer zu bewegen ist - es gab die Erwartungshaltung, dass der Riesenbetrieb Universität Wien beim Umstieg vom UOG '93 in das UG 2002 kläglich scheitern würde. Doch wir waren die ersten, die z.B. eine Satzung und Betriebsvereinbarungen hatten. Ich bin stolz darauf, dass wir diese große Herausforderung so erfolgreich geschafft haben.
Redaktion: Einer Ihrer Beweggründe, sich als Vizerektorin zu bewerben, war mitzuerleben, wie sich das UG 2002 in der Praxis bewähren wird. Wie lautet Ihre Bilanz? Sebök: Die wichtigen Eckpunkte des Gesetzes - z.B. die Universität als Dienstgeberin, das Entlassen der Universitäten in die Autonomie - haben sich positiv bewährt. Innerhalb der Universität Wien hat sich sehr viel bewegt, man hat begonnen darüber nachzudenken, wohin sich die Universität entwickeln soll, welche Pläne die Fakultäten für die Zukunft haben, es gibt nun auch ein stärkeres Budgetbewusstsein. Ein paar Kleinigkeiten gehören meines Erachtens reformiert, z.B. im Studienrecht oder die Berufungsverfahren, doch die großen Linien haben sich bewährt.
Redaktion: Was hat sich in der Personalabteilung getan? Sebök: Das Image der Personalabteilung hat sich, wie Überprüfungen und Evaluierungen zeigen, sehr gebessert, das freut mich sehr. Die MitarbeiterInnen sehen sich heute als DienstleisterInnen in einer Serviceeinrichtung. Viele neue Services wurden erfolgreich eingeführt, wie z.B. der BewerberInnenpool für ProjektmitarbeiterInnen, die Inseratengestaltung oder der Mitarbeiterausweis. Generell wurde die Verwaltung durch die Einführung der Personalverrechnungssoftware Le Salaire und von PM-SAP optimiert.
Redaktion: Zum Bereich Frauenförderung: Sie haben in einem Interview vor vier Jahren gesagt, "Gesetze alleine genügen nicht, das muss in die Köpfe hinein". Haben Sie das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren etwas geändert hat? Sebök: Ich denke, dass in diesem Bereich sehr viel geschehen ist. An manchen naturwissenschaftlichen Fakultäten, wie z.B. den Fakultäten für Physik und Informatik, ist Frauenförderung heute durchaus ein wichtiges Thema. Insgesamt ist die Frauenförderung ein Bereich, der sehr gut funktioniert. Die Mitarbeiterinnen sind sehr engagiert und haben Pilotprojekte wie das Mentoring-Programm durchgeführt, die international Aufsehen erregten. Wichtig war auch, dass das Mentoring-Programm an der Universität Wien institutionalisiert werden konnte und auch die Frauenförderung als ein Kriterium der Zielvereinbarungen in die Entwicklungsplanung aufgenommen wurde, an dem die einzelnen Organisationseinheiten zu messen sind.
Redaktion: Auch im Bereich Personalentwicklung hat sich viel getan: Seit 2005 gibt es den Welcome Day für neue MitarbeiterInnen, heuer wurde das Jahresgespräch zwischen MitarbeiterInnen und Führungskräften verpflichtend eingeführt, es gab Projekte für Lehrlinge und Wiedereinsteigerinnen. Sebök: Es war mir wichtig, dass die neu aufgenommenen MitarbeiterInnen an der Universität Wien willkommen geheißen werden und die wichtigsten Informationen für einen erfolgreichen Start erhalten. Die Lehrlinge gehören natürlich nicht zur Hauptpersonalgruppe einer Universität, doch derzeit ist es für junge SchulabgängerInnen schwierig, Lehrstellen zu finden. Ein Großbetrieb wie die Universität Wien sollte sich meiner Meinung nach daher mit einer Lehrlingsinitiative beteiligen. Wir bilden derzeit über 40 Lehrlinge aus - auch mit dem institutionell-egoistischen Blick, die besten zu behalten. Das Jahresgespräch halte ich für eine große Chance, weil MitarbeiterInnen, aber auch Führungskräfte dadurch die Gelegenheit haben, Feedback zu bekommen: Wo gibt es Kritik, was können wir in unserem Aufgabenbereich gemeinsam weiterentwickeln? Mittlerweile bekommen wir von vielen Firmen Anfragen bezüglich unseres Modells.
Redaktion: Ist das Bewusstsein für Personalentwicklung ausreichend vorhanden? Sebök: Gemeinsam mit den Betriebsräten haben wir versucht, das Angebot der Personalentwicklungsmaßnahmen so abzustimmen, dass Weiterentwicklung und Höherqualifizierung möglich sind. Wir haben ein vielfältiges Angebot, sind in Österreich führend und können uns international sehen lassen.´ Bei Führungskräften ist das Bewusstsein für Personalentwicklung teilweise noch zu wenig entwickelt. Oft wird versucht zu verhindern, dass MitarbeiterInnen an Fördermaßnahmen teilnehmen - es wird nur die Abwesenheit vom Arbeitsplatz gesehen, das ist sehr kurzfristig gedacht. Ich würde mir wünschen, dass die Personalentwicklung in die Zielvereinbarungen aufgenommen wird: Was tut eine Führungskraft für ihre MitarbeiterInnen, wie fördert sie sie?
Redaktion: Gibt es ein Projekt, das sich während Ihrer Funktionsperiode nicht mehr ausgegangen ist? Sebök: Eines meiner großen Anliegen ist die elektronische Abwesenheitsverwaltung. Das Projekt wurde vor zwei Jahren begonnen, nun steht es auf den Schienen, der Zug sollte jetzt rollen. Durch die elektronische Abwesenheitsverwaltung - bei Krankheit, Urlaub, Karenz etc. - soll die Universität Wien von der 'Zettelverwaltung' wegkommen. Das Jobcenter, ein Projekt von Personalabteilung, Personalentwicklung und ZID, geht erst im Sommer 2008 in Betrieb. Es wird u.a. eine Verbesserung des Bewerbungssystems und eine verbesserte Verwaltung der Bewerbungen bringen.
Redaktion: Wie sehen Ihre letzten Tage im Rektorat aus? Sebök: Ich möchte dem Rektor einen wohlgeordneten Betrieb übergeben, mich von allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Freundinnen und Freunden verabschieden. Der neuen DLE-Leiterin für Personalwesen und Frauenförderung möchte ich beim Antritt ihres Amtes ein bisschen behilflich sein. Ich habe mich bereit erklärt, in der ersten Zeit bei Bedarf telefonisch weiterhin zur Verfügung zu stehen.
Redaktion: Was planen Sie ab 1. Oktober? Sebök: Ich habe viel vor, ich möchte reisen, Ausstellungen besuchen, und ich habe ja auch ein Enkelkind, um das ich mich mehr kümmern will. Ich möchte vielleicht aber auch wieder das tun, was ich immer am liebsten getan habe, nämlich wieder studieren. Denn ich war immer sehr gern an der Universität. Einerseits winkt jetzt die große Freiheit, andererseits ist der Abschied auch traurig, denn es geht mit der Pensionierung ja auch ein Lebensabschnitt zu Ende, und ich war ja immer ein begeisterter Workaholic.
Redaktion: Was werden Sie am meisten vermissen? Sebök: Die netten jungen MitarbeiterInnen im Rektorat. Die ganze Universität. Ich bin ja von außen (Anm.: vom Wissenschaftsministerium) gekommen und hatte in der ersten Zeit oftmals das Gefühl, dass mir deshalb viel Skepsis entgegengebracht wurde. Wenn ich nun gehe, habe ich den Eindruck, dass die Leute wissen, dass ich zwar von der anderen Seite gekommen, hier aber voll angekommen bin, dass ich akzeptiert wurde. Dafür bin ich dankbar. Es war eine schöne, arbeitsreiche und spannende Zeit. (mh) |