Am Freitag, 26. März 2010, wurde das Goldene Doktordiplom an den Wirtschafts- und Sozialhistoriker Michael Mitterauer verliehen. Langjährige Weggefährten, KollegInnen, Freunde und Familie wohnten der Ehrung im Großen Festsaal der Universität Wien bei. |
Vor 50 Jahren feierte Michael Mitterauer, ebenfalls im Großen Festsaal der Universität Wien, seine Promotion "sub auspiciis praesidentis". Damals sprach er über "Die Anfänge der österreichischen Geschichte als Problem". 50 Jahre später gibt er anlässlich der Verleihung des Goldenen Doktordiploms "Rückblicke und Ausblicke auf die Wiener Wege der Sozialgeschichte".

Andrea Komlosy, Vorständin des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, begrüßte die zahlreich erschienen Gäste im Großen Festsaal der Universität Wien zur Verleihung des Goldenen Doktordiploms an ihren Kollegen Michael Mitterauer.

Rektor Georg Winckler betonte in seiner Rede die lange Verbundenheit Mitterauers mit der Universität Wien - seine erste Beschäftigung reicht bis in das Jahr 1959 zurück - und inwieweit sein akademischer Lebensweg durch eine Reihe von besonderen Ehrungen gekennzeichnet sei: "Ehrungen, die positiv auf die Universität wieder zurückfallen".
Persönlich beeindruckt zeigte sich Rektor Georg Winckler von Michael Mitterauers Publikation "Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs", für die er 2004 mit dem Deutschen Historikerpreis ausgezeichnet wurde. Abschließend bedankte sich Georg Winckler für die Leistungen von Mitterauer für die Universität Wien und hofft, dass er der Alma Mater noch lange verbunden bleibt.

Christian-Hubert Ehalt, Leiter der Abteilung Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien, Organisator der Wiener Vorlesungen und Dozent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, betonte die wichtigen Beiträge, die Michael Mitterauer an der Schnittstelle von Öffentlichkeit und Wissenschaft als "permanent fellow" der Wiener Vorlesungen bis heute leistet. Er lobte Mitterauers Prinzip der Kollegialität gegenüber FachkollegInnen, Studierenden und seinen MitarbeiterInnen, die er stets unterstütze.

Für Michael Viktor Schwarz, Dekan der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, war es eine große Ehre, die Auszeichnung offiziell zu verlesen und an Michael Mitterauer zu übergeben.

Ernst Bruckmüller, Professor am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, hielt die Laudatio auf seinen langjährigen Weggefährten Michael Mitterauer. In seiner Rede skizzierte er den Werdegang des herausragenden Wirtschafts- und Sozialhistorikers. Gerade die Neugierde und die Herausforderung immer neuer Gebiete zeichne Mitterauer aus, betonte Bruckmüller. So habe sich dessen Forschungsgebiet von der Geschichte der Familie weiter zu "unvollständigen Familien", "Familienresten", etc. ausgeweitet: "Auch das ist typisch Mitterauer, er bleibt dann nicht bei einer Sache stehen." Aus seinem Interesse für die "Welt der kleinen Leute" sei ein neues Interesse an autobiografischen Texten entstanden. Bruckmüller weist auf das außerordentliche Engagement von Michael Mitterauer hin, auf Menschen zuzugehen und diese zum Schreiben zu bewegen. Weitere Forschungsschwerpunkte kamen in den 1990ern hinzu, nun wandte sich Mitterauer intensiv dem Balkan zu. Bruckmüller abschließend: "Er hat sich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt und wurde zu einer international bekannten Persönlichkeit."

In seiner Festrede sprach Michael Mitterauer, dessen Promotion sub auspiciis praesidentis vor genau 50 Jahren im selben Saal stattgefunden hat, über "Wiener Wege der Sozialgeschichte - Rückblick und Ausblick". Dabei betonte er sein Anliegen an die Geschichtswissenschaft: Sie soll sich in Lehre und Forschung an aktuellen Fragen orientieren, soll für die Gesellschaft der Gegenwart relevant sein, soll "Geschichte für uns" sein.
KollegInnen, Weggefährten, FreundInnen und Familie von Michael Mitterauer bei seinem Festvortrag.

Im Anschluss an Michael Mitterauers Festrede spielte die Weltmusikgruppe "Hotel Palindrone" drei Stücke, darunter einen "Landler".

Michael Mitterauer, der die Band persönlich kennt und schätzt, bedankte sich bei den vier Musikern für ihren abwechslungsreichen und gelungenen Auftritt. (Text: Theresa Dirtl, Fotos: Michael Janousek) |