Abschied von einem Freund
Die Universität Wien trauert um Alfred Ebenbauer. Wer ist "die Universität", wer kann sich herausnehmen, für "die Universität" zu sprechen? Corporate Identity (CI) gehört heute nicht nur zum Selbstverständnis moderner Unternehmen, sondern hat auch an Universitäten Einzug gehalten. Ich nehme mir nicht heraus, für "die Universität" zu sprechen, ich fasse hier meine Gedanken als Wegbegleiter von Alfred Ebenbauer zusammen.
Ich habe Alfred vor mehr als einem Vierteljahrhundert kennengelernt und glaube dankbar sagen zu dürfen, mehr als die Hälfte dieser Zeit zu seinem Freundeskreis gezählt zu haben. Alfred war Nutznießern von eingefahrenen Systemen stets unwillkommen. Das ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, dass Alfred grundsätzlich alles und jedes hinterfragt hat. Seine Einstellung war nicht bequem, allerdings sehr zielorientiert aufgrund einer angemessenen Sturheit. Alfred war stets ein Querdenker und konnte mit der österreichischen Formel "Des war scho imma so" wenig anfangen. Seine persönliche Identifizierung als Universitätslehrer sowie als Universitätsfunktionär zwangen ihn stets zu hinterfragen, ob alles so sein muss, wie es ist. Der Gedanke, Leiter einer "nachgeordneten Dienststelle" zu sein, war dem Rektor Ebenbauer zuwider, zu stolz war er auf "seine" Universität. Alfred träumte von einer offenen Universität, von einem Heraustreten aus dem elfenbeinernen Turm, von einem Entstauben des angesammelten Muffs unter den Talaren. Er suchte dazu den Kontakt zu Personen außerhalb der Universität, seine Redegewandtheit unterstützte ihn dabei sehr. Sich der Zustimmung der "vorgesetzten Dienststelle" im Voraus zu vergewissern, war nicht seine Art. Mit diesen Kontakten hat Alfred Ebenbauer wesentlich dazu beigetragen, traditionelle Spannungen zwischen der für Universitäten zuständigen Bundesverwaltung und der Stadtverwaltung der Gemeinde Wien zum Nutzen der Universität Wien zu entkrampfen. Der Universitätscampus der Universität Wien kann als ein Monument für Alfreds Erfolge auf diesem Gebiet gesehen werden: Ein mit Leben erfüllter Universitätsbereich, in dem die Mischung von Bevölkerung und Studierenden, von Bildung und Erholung, von Forschung und Stadterneuerung gelebt wird.
Alfred Ebenbauer war der Wegbereiter für eine selbstbewusste Universität. Bedenkt man die Definition von CI, die sich in einem Lexikon findet: "Corporate Identity ergibt sich aus den übergeordneten Zielen und Leitbildern eines Unternehmens und bezeichnet das Selbstverständnis eines Unternehmens gemäß seiner gewählten Aufgabe und Rolle innerhalb der Gesellschaft", so hat er, ohne es ausgesprochen zu haben, der Universität zu einer CI verholfen. Für mich repräsentierte Alfred Ebenbauer "die Universität", sowohl als Obmann des Dienststellenausschusses für das wissenschaftliche Personal wie auch als Rektor. Alfred Ebenbauer ist es gelungen, die Interessen des Personals zu vertreten und später als oberster Dienstvorgesetzter zu fungieren, ohne sich jemals selbst zu verleugnen. Seine hervorragenden Reden, in denen er überzeugend seinen Standpunkt vermittelt hat, werden lange an Alfred Ebenbauer erinnern.
Leicht war es mit Alfred nie. Mir fehlt ein Reibebaum, mit dem ich streiten, betrübt sein, feiern und mich über Erfolge freuen kann. |