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Alfred Ebenbauer bei der Feier anlässlich seines 60. Geburtstages im Oktober 2005.



Trauer um Altrektor Alfred Ebenbauer (13.8.2007)
Nachrufe von Wegbegleitern über Alfred Ebenbauer
Nachrufe
Redaktion am 23. August 2007

Heute Donnerstag, 23. August 2007, findet die Verabschiedung von Altrektor Alfred Ebenbauer statt. Wegbegleitern und Freunden bleibt er als mitreißender akademischer Lehrer, brillanter Wissenschafter und kommunikativer Hochschulpolitiker in Erinnerung.

Georg Winckler, Rektor

Alfred Ebenbauers großer Verdienst ist, die Universität Wien beweglich, offen für Neues gemacht zu haben. Ohne Rücksicht auf Interessen suchte er auch die geschichtliche Wahrheit der Verstrickungen der Universität in ihrer jüngsten Vergangenheit wie etwa im Fall des Pernkopf-Atlasses. Und dies alles machte er nicht aus Eigennutz, nicht aus Eitelkeit, sondern letztlich aus Begeisterung für die Universität.

Rede von Rektor Georg Winckler
bei der Trauerfeier am 23.8.2007 (PDF)


Wolfgang Greisenegger, Altrektor

Alfred Ebenbauer war einer jener akademischen Lehrer, die durch ihre herausfordernde Begeisterung mitzureißen verstehen; als Dekan definierte er für die Geisteswissenschaften zeitgemäße Ziele und festigte ihr gut fundiertes Selbstbewusstsein.
Als langjähriger Rektor und Mitglied der Österreichischen Rektorenkonferenz demonstrierte er, dass Demokratie in der Universität nicht nur möglich, sondern unabdingbar sei. Der Universität wird sein Engagement, werden seine Zwischenrufe fehlen!


Jörg Hoyer, ehem. Vorsitzender des Senats UOG '93

Abschied von einem Freund

Die Universität Wien trauert um Alfred Ebenbauer. Wer ist "die Universität", wer kann sich herausnehmen, für "die Universität" zu sprechen? Corporate Identity (CI) gehört heute nicht nur zum Selbstverständnis moderner Unternehmen, sondern hat auch an Universitäten Einzug gehalten. Ich nehme mir nicht heraus, für "die Universität" zu sprechen, ich fasse hier meine Gedanken als Wegbegleiter von Alfred Ebenbauer zusammen.

Ich habe Alfred vor mehr als einem Vierteljahrhundert kennengelernt und glaube dankbar sagen zu dürfen, mehr als die Hälfte dieser Zeit zu seinem Freundeskreis gezählt zu haben. Alfred war Nutznießern von eingefahrenen Systemen stets unwillkommen. Das ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, dass Alfred grundsätzlich alles und jedes hinterfragt hat. Seine Einstellung war nicht bequem, allerdings sehr zielorientiert aufgrund einer angemessenen Sturheit.
Alfred war stets ein Querdenker und konnte mit der österreichischen Formel "Des war scho imma so" wenig anfangen. Seine persönliche Identifizierung als Universitätslehrer sowie als Universitätsfunktionär zwangen ihn stets zu hinterfragen, ob alles so sein muss, wie es ist. Der Gedanke, Leiter einer "nachgeordneten Dienststelle" zu sein, war dem Rektor Ebenbauer zuwider, zu stolz war er auf "seine" Universität. Alfred träumte von einer offenen Universität, von einem Heraustreten aus dem elfenbeinernen Turm, von einem Entstauben des angesammelten Muffs unter den Talaren. Er suchte dazu den Kontakt zu Personen außerhalb der Universität, seine Redegewandtheit unterstützte ihn dabei sehr. Sich der Zustimmung der "vorgesetzten Dienststelle" im Voraus zu vergewissern, war nicht seine Art. Mit diesen Kontakten hat Alfred Ebenbauer wesentlich dazu beigetragen, traditionelle Spannungen zwischen der für Universitäten zuständigen Bundesverwaltung und der Stadtverwaltung der Gemeinde Wien zum Nutzen der Universität Wien zu entkrampfen. Der Universitätscampus der Universität Wien kann als ein Monument für Alfreds Erfolge auf diesem Gebiet gesehen werden: Ein mit Leben erfüllter Universitätsbereich, in dem die Mischung von Bevölkerung und Studierenden, von Bildung und Erholung, von Forschung und Stadterneuerung gelebt wird.

Alfred Ebenbauer war der Wegbereiter für eine selbstbewusste Universität. Bedenkt man die Definition von CI, die sich in einem Lexikon findet: "Corporate Identity ergibt sich aus den übergeordneten Zielen und Leitbildern eines Unternehmens und bezeichnet das Selbstverständnis eines Unternehmens gemäß seiner gewählten Aufgabe und Rolle innerhalb der Gesellschaft", so hat er, ohne es ausgesprochen zu haben, der Universität zu einer CI verholfen. Für mich repräsentierte Alfred Ebenbauer "die Universität", sowohl als Obmann des Dienststellenausschusses für das wissenschaftliche Personal wie auch als Rektor. Alfred Ebenbauer ist es gelungen, die Interessen des Personals zu vertreten und später als oberster Dienstvorgesetzter zu fungieren, ohne sich jemals selbst zu verleugnen. Seine hervorragenden Reden, in denen er überzeugend seinen Standpunkt vermittelt hat, werden lange an Alfred Ebenbauer erinnern.

Leicht war es mit Alfred nie. Mir fehlt ein Reibebaum, mit dem ich streiten, betrübt sein, feiern und mich über Erfolge freuen kann.


Wynfrid Kriegleder, stv. Vorstand des Instituts für Germanistik

Alfred Ebenbauer hat das Institut für Germanistik nachdrücklich geprägt - nicht nur als begnadeter Hochschulpolitiker und brillanter Wissenschaftler, dessen Interessen weit über die Altgermanistik hinausreichten. Ein besonderes Anliegen war ihm stets der fachliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, wobei er es verstand, immer wieder neue Fragestellungen anzuregen.
Wir verlieren mit ihm einen begeisterten und begeisternden Lehrer, einen inspirierenden Forscher, einen tatkräftigen und dabei ausgleichenden Institutsvorstand - einen Freund.


Weitere Nachrufe:

Konrad P. Liessmann: "Er war mein Lehrer" ("Die Presse", 18.8.2007)

Peter Kampits: "Peter Kampits zum Tod von Alfred Ebenbauer" ("Wiener Zeitung", 18.8.2007)

Clemens Ruthner: "König Artus und das Ende einer Ära" ("Der Standard", 22.8.2007) 

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