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Vizerektor Arthur Mettinger (links), der stv. Vorstand des Instituts für Alte Geschichte und Altertums- kunde, Papyrologie und Epigraphik, Ekkehard Weber (Mitte), der Dekan der Historisch-Kulturwissen- schaftlichen Fakultät, Alfred Kohler (rechts).


Bernhard Palme während der Antrittsvorlesung.




Großer Beifall nach der Vorlesung.


Familie Palme.


Bernhard Palme im Gespräch während des Empfangs. Fotos: DLE Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungs- management


Lebenslauf und Forschungstätigkeit von Bernhard Palme Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik
Papyrussammlung und Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek   Artikel über Bernhard Palme:  
Bernhard Palme: Herr über das Papier des Alltags
Papyrologie und Mentalitätsgeschichte der Antike
Antrittsvorlesungen
Gastbeitrag von Bernhard Palme am  4. Mai 2005

Im Rahmen seiner Antrittsvorlesung "Papyrologie und Mentalitätsgeschichte der Antike" am 3. Mai 2005 sprach Univ.-Prof. Dr. Bernhard Palme über seine Forschungsarbeit und eröffnete dabei unverfälschte Einblicke in die Lebensverhältnisse der Antike. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung.

Im Alterum diente Papyrus als universell eingesetzter Beschreibstoff, ähnlich wie heute Papier. Vor allem im trockenen Sand Ägyptens sind zu Hunderttausenden Papyrusurkunden aus der griechisch-römischen Epoche erhalten geblieben, die als unverfälschte Originaldokumente der Schriftkultur bunte und detailreiche Einblicke in die Lebensverhältnisse in einem hellenistischen Königreich, einer römischen Provinz und einer spätantiken Diözese gewähren. Steuererklärungen, Briefe, Einkaufszettel Mittlerweile liegen über 40.000 Papyri publiziert vor, die Texte verschiedenster Genres beinhalten: Werke der antiken Literatur, medizinische Rezepte, magische Beschwörungsformeln, Verwaltungsakten, Steuerabrechnungen, Einkaufszettel, Privatbriefe und verschiedenste Texte des privaten Rechtsverkehres: Heiratsurkunden, Pachtverträge, Eselskäufe und vielerlei mehr. Eine besondere Faszination geht von jenen Texten aus, in denen unmittelbar die Gedankenwelt des Schreibers zum Ausdruck kommt. Vor allem in Privatbriefen und in so genannten magischen Papyri kommen sehr direkt Freud und Leid, allerlei Empfindungen und Ansichten zur Sprache. In diesen Dokumenten sprechen Männer ? und gelegentlich sogar Frauen ? aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zu uns; und sie sprechen in jener Sprache, mit der sie alltäglich untereinander kommuniziert haben. Nicht nur Edition, ? Allerdings waren diese Denk- und Verhaltensweisen von Individuen oder Gruppen aus dem griechisch-römischen Ägypten bislang kaum Gegenstand der papyrologischen oder kulturhistorischen Forschung. Obwohl sich der Papyrologe, dessen  vornehmliche Aufgabe es ist, die Texte zu edieren und aufzubereiten, im Verlaufe seiner Studien ein gewisses Bild von den Menschen und ihren Denkweisen formt, die durch die Texte zu uns sprechen, wagt er kaum, seine Ansichten über das, was in den Köpfen und Herzen dieser Menschen vorging, zu formulieren. Diese Gedanken- und Wahrnehmungswelt, die jedes menschliche Handeln maßgeblich bestimmt, ist das Forschungsfeld der Mentalitätsgeschichte. ? sondern auch Mentalitätsgeschichte Entwickelt wurde das Konzept der "histoire des mentalités" vorwiegend von französischen Mediävisten der Zwischenkriegszeit. Führende Althistoriker haben mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen mittlerweile auch im Bereich der griechischen, römischen und spätantiken Geschichte Beachtung verschafft. Ausgangspunkt ihrer Studien sind jedoch fast ausschließlich die literarischen und ikonographischen Quellen, die lediglich die Mentalität einer kleinen, gebildeten Oberschicht repräsentieren.  Die Papyrustexte hat man bislang allenfalls sporadisch dafür herangezogen. Ängste und Hoffnungen, Freud und Leid Viele Inhalte, welche die ertragreichsten Felder der Mentalitätsgeschichte ausmachen, liegen aber in den Papyri offen da: Ängste und Hoffnungen, Vorstellungen vom Jenseits, dem Wirken göttlicher Mächte, Tod und Sterben, Umgang mit Freud und Leid, Bewältigung von Krankheit, Erleben von Individuum, Familie, Gesellschaft, Staatlichkeit, Sexualität und Bedeutung der Liebe, Jugend und Alter, Rechtsempfinden; gesellschaftliche Bewertungskriterien wie Ehre, Schande etc. Anhand eines Privatbriefes, einer Orakelfrage, eines Liebeszaubers und eines Kondolenzbriefes lässt sich beispielhaft zeigen, welche Möglichkeiten die Papyri für die Mentalitätsgeschichte bieten. Thematisch kreisen die Beispiele um zwei menschliche Grunderfahrungen: Liebe und Trauer. Dabei wird deutlich, wie die Ansicht über die dem Briefschreiber zugrunde liegende Mentalität unmittelbare Auswirkungen auf die philologische Textgestaltung hat ? und wie umgekehrt das sprachliche Verständnis eines Schriftstückes die Einschätzung der Mentalität seines Schreibers bestimmt. Es zeigt sich, wie notwendig es ist, den Jargon der Umgangssprache genau zu prüfen, um die valeur der Wortwahl einschätzen zu können. Hierbei ist der Papyrologe als Vermittler am Zuge, noch bevor der Mentalitätshistoriker einschreitet. Die Beispiele lassen aber auch Skylla und Charybdis der Mentalitätsgeschichte hervortreten: Auf der einen Seite ist von universellen Konstanten in den menschlichen Verhaltens- und Denkweisen auszugehen; auf der anderen Seite besteht wegen des Allgemeinmenschlichen und Allzumenschlichen die Gefahr, das eigene Selbst als  ?psychologischen Anachronismus? in Fremdes, Historisches hineinzutragen. Über die "kleinen Leute" Die Papyrologie kann auf dem Gebiet der Mentalitätsgeschichte Entscheidendes beitragen, weil sie den Zugriff auf die mittleren und unteren Volksschichten ermöglicht und im Erfassen von deren Geisteshaltung eine wichtige Ergänzung zu der Mentalität der sozialen und geistigen Eliten beisteuert, die anhand der literarischen und künstlerischen Produktion erarbeitet wird. Die sprachlichen und interpretativen Schwierigkeiten bei jedem einzelnen Text gemahnen, behutsam in kleinen Schritten vorzugehen, bevor eine umfassende Mentalitätsgeschichte des griechisch-römischen Ägypten geschrieben werden kann. Doch schon bei ihrer zentralen Aufgabe, der Edition und Kommentierung neuer Papyrustexte, steuert die Papyrologie hier Wesentliches bei, indem sie als Spezialdisziplin sozusagen im Vorfeld weitergreifender geschichtlicher Auswertung wirkt. Im Wechselspiel zwischen Textkritik und historischer Analyse eröffnen die Papyri neue, vielfältige und facettenreiche Perspektiven auf die Mentalitäten und damit auf die Kulturgeschichte des klassischen Altertums. Die Antrittsvorlesung "Papyrologie und Mentalitätsgeschichte der Antike" fand am Dienstag, 3. Mai 2005 um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.  

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