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Mit 30. September 2006 emeritierte Wolfgang Greisenegger. Rektor Georg Winckler über seinen Vorgänger: "Wolfgang Greisenegger hat sich nicht nur in seinem Fach, sondern durch die Wahrnehmung höchster Ämter um unsere Universität verdient gemacht. In der Theaterwissenschaft trat er vor allem als Spezialist für Theatergeschichte auf, als Rektor setzte er sich für die nachhaltige Aufarbeitung der NS-Geschichte der Universität und für die Umwandlung des Alten AKH in einen Universitätscampus ein. Ich danke meinem Vorgänger für seinen Einsatz und hoffe sehr, dass er der Universität wie bisher verbunden bleibt!" Foto: Studio Pöll


Greisenegger 2003 im ehemaligen Büro des Dekanats der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften, das mit Graphiken von Raimund Abraham geschmückt ist. Foto: ro


Präsentation der "Kontroverse Siegfriedskopf" im Juli 2006. Foto: mh


Wolfgang Greisenegger gab auch im Rahmen der KinderuniWien seine Faszination für die Theaterwissenschaft weiter. Foto: KinderuniWien


Würdigung von Dekan Franz Römer (PDF) Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft
'Projekt Universität': Emeritierung von Wolfgang Greisenegger
Emeritierung & Pensionierung
Michaela Hafner (Redaktion) am  9. Oktober 2006

Wolfgang Greisenegger, Theaterwissenschafter, Alt-Rektor und langjähriger Dekan an der Universität Wien, war ein engagierter universitärer Lehrer und Amtsträger. In seiner Amtszeit wurde das Alte AKH als Universitätscampus eröffnet. Als Autor, Regisseur und Kritiker machte er sich auch in der Welt des Theaters einen Namen. Die feierliche Verabschiedung findet am Dienstag, 10. Oktober 2006, im Großen Festsaal der Universität Wien statt.

O. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Greisenegger ist der Universität Wien seit Jahrzehnten verbunden: als Student und Absolvent, als Wissenschafter und universitärer Lehrer, als Dekan, als Pro- und Praerektor unter Alfred Ebenbauer und schließlich 1998/99 als Rektor. Als Mensch, für den Kulturgeschichte immer auch Zeit-Geschichte ist, war die Neuaufstellung des 'Siegfriedskopfes' im umgestalteten Arkadenhof des Hauptgebäudes im Juli 2006 ein Ereignis, das ein wenig ruhmvolles Kapitel der Geschichte der Universität Wien in verantwortungsvoller Weise schließt.
In seine siebenjährige Amtszeit als Prorektor und Rektor fiel unter anderem die Umwandlung des Areals des Alten Allgemeinen Krankenhauses in den Universitätscampus: "Ein kühnes Experiment, das inmitten der Stadt eine Erholungszone für die Wiener schuf, die Universität der  Bevölkerung entgegenrückte."
Als Gegner Horizonte verengenden Spezialistentums sprach sich Greisenegger gegen die Ausgliederung der Medizinischen Fakultät aus, schätzt aber die Autonomie des UG 2002: "Es ist einer Institution wie der Universität gemäß,  über die wesentlichen Belange eigenverantwortlich zu entscheiden." Universität und Demokratie Die Universität sieht der 68-jährige Wolfgang Greisenegger als "hohe Schule der Demokratie ? auch wenn das Durchsetzen von Neuerungen oft mühsam ist." Andere in Entscheidungsprozessen zu überzeugen, sei eine Hauptaufgabe akademischer Funktionsträger, stellt Greisenegger rückblickend fest. Unangenehmen Themen hat er sich nie entzogen. Franz Römer, Dekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, meint über ihn: "Wolfgang Greisenegger ist ein weltoffener Forscher und Lehrer, der dort, wo er es für angemessen hält, auch den Konflikt mit 'Obrigkeiten' nicht scheut und seine Haltung immer offen vertritt." Neugierig auf Menschen und Diskussionen Stets will Greisenegger, der von sich sagt, "neugierig auf Menschen zu sein", diese zu einem Gespräch verleiten, Studierende genauso wie KollegInnen. Lebenslanges Lernen ? eben auch in Diskussionen ? ist für ihn deshalb "kein Schlagwort, sondern Vergnügen".
Als kritischer Geist und politischer Mensch machte ihm auch immer Spaß, bei seinen Studierenden zu erleben, "dass sie Mut haben, eigene Gedanken zu entwickeln". Institutsvorstand ? Dekan ? Rektor Nach einigen Jahren als Vorstand des Instituts für Theaterwissenschaft (1982 bis 1989) leitete er ab 1989 als Dekan die Grund- und Integrativwissenschaftliche Fakultät. Unter Rektor Alfred Ebenbauer war er seit 1994 Prorektor und anschließend Praerektor. Bereits 1996 gewählt, folgte er 1998 Ebenbauer als Rektor nach. Seine Amtszeit endete aufgrund der Implementierung des UOG '93 im Dezember 1999.
Erneut übernahm Wolfgang Greisenegger (bis zum September 2004) das Amt des Dekans der nunmehrigen Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften. Anschließend war er Vizedekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät. "Das ewige Projekt Universität" Am Amt des Dekans schätzte er die Gestaltungsmöglichkeiten und die Aufgabe, Lösungen für Probleme zu suchen. Auch wenn er sich neben seinen vielen universitären Funktionen immer auch der Forschung widmete, so musste er in einem Interview 2003 gestehen, dass es sehr schwierig sei, Amt, Lehre und Forschung unter einen Hut zu bringen: "Mein eigentliches 'Forschungsprojekt' ist das Dekanat." Und fügt im Jahr 2006 lachend hinzu: "Das ewige Projekt Universität." Selbst nach seiner Emeritierung bleibt Prof. Greisenegger der Wissenschaft und Lehre treu: Im Wintersemester hält der Theaterwissenschafter Lehrveranstaltungen an der Universität Wien und am Mozarteum Salzburg. Mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich arbeitet er an einem gemeinsamen Doktoratsprogramm.
In Zukunft möchte er auch wieder vermehrt Vorträge halten und Prosa schreiben. Ein Lebensmotto habe er nicht, sagte er einmal: "Diese Lüge habe ich mir seit je verboten." Wissenschaftliche Laufbahn Wolfgang Greisenegger wurde am 15. Jänner 1938 in Wien geboren. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.
Greisenegger studierte an der Universität Wien Theaterwissenschaft, Mittelalterliche und Neuere Geschichte, Deutsche Philologie sowie Mittelalterliche und Neuere Kunstgeschichte. 1964 promovierte er über den "Wandel der Farbigkeit auf dem Theater vom Mittelalter bis zur Goethezeit".
Schon seit 1962 war er wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Theaterwissenschaft, seit 1964 Universitätsassistent. 1977 habilitierte er sich als Dozent für das Fach Theaterwissenschaft ("Die Realität im religiösen Theater des Mittelalters").
Als C3-Professor war er 1981/82 an der Universität München tätig, seine Lehrtätigkeit führte ihn unter anderem auch an die Universität Klagenfurt, an die Akademie der bildenden Künste in Wien (1971 bis 1985) und in die USA.

Seit 1986 ist Wolfgang Greisenegger Ordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Wien. Er gilt als Experte in den Bereichen Theatergeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Ausstattungswesen und Bühnenbau (Theaterbau, Bühnenbild, Bühnentechnik). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen weiters die österreichische Theatergeschichte sowie die Sozialgeschichte des Theaters. Seine Professur übernahm mit 1. Oktober der Schweizer Stefan Hulfeld. Leidenschaft Theater Neben den wissenschaftlichen und universitären Aufgaben engagierte sich Greisenegger auch im Bereich des Theaters: So war er seit Mitte der 1960er Jahre Theaterkritiker fürs Radio und für Tageszeitungen (darunter die "Salzburger Nachrichten"), ist als Regisseur und Autor sowohl  fürs Theater als auch für den ORF tätig und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Regisseur, Librettist und Berater beim Carinthischen Sommer mit. 2003 war er wissenschaftlicher Leiter der Niederösterreichischen Landesausstellung "Theaterwelt ? Welttheater. Tradition und Moderne um 1900". Auszeichnungen Wolfgang Greisenegger erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.
Zudem ist er korrespondierendes Mitglied der Philosophisch-Historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Von 1984 bis 1988 war er Präsident der Weltvereinigung der Theaterwissenschaftler, im Jahr 2001 wurde er zum Präsidenten des österreichischen P.E.N.-Clubs gewählt. (mh)  

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