An den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) am Campus Vienna Biocenter steht die Ribonukleinsäure (RNA) in vielen Forschungsgruppen seit rund 15 Jahren im Mittelpunkt. Eine der prominentesten VertreterInnen ist Univ.-Prof. Mag. Dr. Renée Schroeder. "Die Arbeit an den MFPL ist enorm spannend, weil dort mittlerweile so viele Gruppen sehr erfolgreich zu RNA-Biologie arbeiten, dass wir eine kritische Masse zum Thema erreicht haben und damit auf dem besten Weg sind, ein weltweites RNA-Zentrum zu werden, das wir in Europa wahrscheinlich schon sind", sagt Renée Schroeder. Sie könnte es sich gar nicht vorstellen, woanders zu forschen, und die Rahmenbedingungen tragen zu ihrer Zufriedenheit bei: "Man hat an der Universität Wien viel Freiraum, Projekte umzusetzen - diese Freiheit hat man in keinem anderen Beruf und ich weiß sie sehr zu schätzen."
Das merkt man der aktiven Wissenschafterin an. So wie sie selbst sich für die Vielseitigkeit des RNA-Moleküls fasziniert, begeistert andere die Vielfältigkeit von Renée Schroeder.
Begeistert und mehrfach ausgezeichnet
Renée Schroeder lacht viel, ist mit Begeisterung dabei und dynamisch. Der Gedanke, zwischen Arbeit und Privatleben zu trennen, ist ihr fremd. Daher bringt sie vieles unter einen Hut. Zur Mitgliedschaft in Ethik-Kommissionen, in der European Molecular Biology Organisation (EMBO) und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) kommen leitende Tätigkeiten wie ihre Rolle als Vizepräsidentin des FWF.
Diese Funktionen und ihre Forschung übt sie sehr erfolgreich aus: Renée Schroeder erhielt im Jahr 2006 das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und war Wittgenstein-Preisträgerin des Jahres 2003 sowie Wissenschafterin des Jahres 2002. Davor würdigte man sie mit dem "Special Honor Award for Women in Science" (2001), dem "SANDOCZ-Forschungspreis für Biologie" (1992) und dem Theodor-Körner-Stiftungspreis für Wissenschaft und Kunst (1984).
Begegnungen am Weg
Nachdem sie ihr Biochemie-Studium 1981 an der Universität Wien abgeschlossen hatte, ging sie einige Jahre als Postdoc ins Ausland. Stationen waren Frankreich und die USA. Im Jahr 1989 ging es zurück an die Universität Wien, wo sie am Institut für Mikrobiologie und Genetik seit 1995 Außerordentliche Universitätsprofessorin war. Heute leitet sie das Department für Biochemie. Im Gegensatz zum männerlastigen Studium in Wien begegneten ihr im Ausland eine Gruppe imponierender Wissenschafterinnen in Frankreich und eine eindrucksvolle Laborchefin in den USA. "Dort sah ich, wie toll es sein kann, Frau in der Wissenschaft zu sein", erzählt Renée Schroeder. Später wurde sie selbst im Rahmen des Mentoring-Programms der Universität Wien als Mentorin Vorbild für junge Kolleginnen.
Frauen in den Wissenschaften feiern
Unter anderem wegen ihres Engagements für Frauen in der Wissenschaft und für feministische Forschung zeichnete sie der Klub für Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen im Jahr 2002 als Wissenschafterin des Jahres aus. Am Vienna Biocenter initiierte Schroeder beispielsweise das Frauennetzwerk 'Women in Science and Education' (WISEnet), in dem sich regelmäßig rund 30 Gruppen- und Projektleiterinnen sowie Jungwissenschafterinnen treffen. "Ziel ist die Kommunikation zwischen Frauen zu verbessern, sich gegenseitig zu helfen und nicht zuletzt Spaß zu haben", sagt Renée Schroeder. Für nächstes Jahr ist am Internationalen Frauentag ein Symposium mit dem Titel "Celebrating Women in Science" geplant.
Kommunikation an erster Stelle
In vielen ihrer zahlreichen Projekte legt Renée Schroeder wert darauf, Kommunikation zu fördern. Momentan entwickelt sie mit der Linguistin Ruth Wodak ein interdisziplinäres Dialogforum, das die Kommunikation zwischen den Fakultäten und Disziplinen verbessern soll, so dass interdisziplinäre und interfakultäre Forschungsanträge wahrscheinlicher werden. Kommunikation schreibt sie auch bei der Vermittlung ihrer Forschung groß: "Die meisten Dinge lassen sich einfach darstellen. Man darf nicht zu pedantisch sein und kann komplizierte Details weglassen, wenn sie nicht unbedingt notwendig sind."
Förderung von JungwissenschafterInnen
Ihre zahlreichen Erfahrungen gibt Renée Schroeder gerne weiter: "Die schönste Seite meines Berufs ist vielleicht nicht einmal die Wissenschaft, sondern die Arbeit mit jungen Menschen, weil es Spaß macht ihnen zu helfen, ihre Träume zu verwirklichen, indem man Tipps gibt und Karrieremodelle entwickelt." Die Molekularbiologin weiß, dass von jungen ForscherInnen sehr viel verlangt wird und dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, damit sie bleiben und gute Leistungen erbringen. Nachdem sie vor zehn Jahren bereits mit dabei war, das erste PhD-Programm am Campus Vienna Biocenter zu entwickeln, startete sie kürzlich ein Projekt, um die Postdoc-Phase durch ein gemeinsames Programm der Life Sciences zu strukturieren.
Ziele verwirklicht
Ihre eigene Postdoc-Phase sei chaotisch und unstrategisch gewesen. "Mein Vorteil war jedoch, dass ich immer wusste, was ich wollte, nämlich Kinder haben und unabhängig sein", sagt Renée Schroeder. Vielleicht sei sie auch ein Beispiel für eine Person, die nicht aufgibt, fügt die Mutter von zwei Söhnen (23 und 25 Jahre) hinzu. (hh)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Renée Schroeder mit dem Titel "Searching for novel functions of RNA molecules" findet am 29. Oktober 2008 um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien (Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien) statt. |