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Sir-Peter-Ustinov-Professur der Stadt Wien vergeben
Köpfe & Karriere
Michaela Hafner (Redaktion) am 17. März 2004

Der deutsche Philosoph Horst-Eberhard Richter nimmt im Sommersemester 2004 erstmals die Sir-Peter-Ustinov-Gastprofessur wahr. In seiner Vorlesung, die am 22. März beginnt, wird er sich der Vorurteilsforschung widmen.

Die Professur zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen, die mit dem Gießener Professor Horst-Eberhard Richter erstmals besetzt wurde, wurde von dem im Jahr 2003 vom Schauspieler Sir Peter Ustinov in Wien gegründeten Sir Peter Ustinov Institut mit Unterstützung durch die Stadt Wien gestiftet und am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien eingerichtet.
Das Vorurteil sei verantwortlich für die Missverständnisse zwischen Nationen und benutze die blanke Unkenntnis als Waffe, meinte der Weltstar Ustinov bei der Vertragsunterzeichnung im Juni 2003. Demokratie lebe vom Wechsel der Meinungen - gefährlich seien deshalb die eingefrorenen Standpunkte.
Sir Peter Ustinovs Vision ist die Schaffung eines international aktiven Kompetenzzentrums, welches die Bekämpfung von Vorurteilen als Ursache menschlichen Leids und Zwists vorantreibt, indem es die Entstehungs- und Wirkungsstrukturen transparent macht und zur Entwicklung von Strategien zu seiner Bekämpfung beiträgt.

Horst-Eberhard Richter

Mit Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter konnte das Sir Peter Ustinov Institut einen bedeutenden Namen auf dem Gebiet der Psychoanalyse, Psychiatrie und Sozialphilosophie für die erste Gastprofessur gewinnen.
Zu seinen Werken gehören "Eltern, Kinder und Neurose", "Der Gotteskomplex", "Alle reden vom Frieden" und "Als Einstein nicht mehr weiterwusste". Er hat einen wesentlichen Beitrag zur Analyse zeitgeschichtlicher Entwicklungen geleistet und sich für den Frieden und für eine konstruktive internationale Zusammenarbeit persönlich sehr engagiert, heißt es in einer Aussendung des Instituts für Zeitgeschichte.

Vorlesung und Seminar: "Umgang mit dem Bösen"

Professor Richter wird sowohl eine öffentlich zugängliche Block-Vorlesung (22. März bis 2. April und 14. bis 25. Juni) als auch ein auf 25 TeilnehmerInnen beschränktes Seminar zum Thema "Umgang mit dem Bösen" anbieten. Beide Lehrveranstaltungen werden eine Sozial- und Wirkungsgeschichte des "Bösen" (Manichäische und vorurteilsbeladene Weltbilder und Praxis) von der Antike bis zur Gegenwart in der Philosophie, Religion und Politik zum Gegenstand haben.
Im ersten Teil der Lehrveranstaltungen geht es um "Das Böse im Frühchristentum und im Mittelalter": der Bogen spannt sich dabei vom Schwinden des antiken Weltvertrauens über die "Hure Babylon" zur Apokalypse des Johannes bis zu Augustins Gnadenlehre und der Psychopathologie des Kreuzzugs-Wahns.
Im zweiten Teil, "Das Böse in der Neuzeit", stehen die Naturwissenschaft als neue Magie auf dem Weg der wahnhaften Selbstvergöttlichung des Menschen im Mittelpunkt, gefolgt von Geschlechterpolaritäten (Sensibilität/Minderwertigkeit/Weiblichkeit versus Rationalismus/ Fortschritt/Mannhaftigkeit), der Gegenüberstellung von Nietzsche und Schopenhauer bis hin zu Visionären und KämpferInnen für Humanisierung: Brandt, Gorbatschow, Mandela, Friedensbewegung, attac - "Eine andere Welt ist möglich!". (mh)

Termine der Vorlesung:
22., 24., 26., 29. und 31. März, jeweils von 18 bis 19.30 Uhr
Hörsaal C2, Uni-Campus Hof 2
Spitalgasse 2-4, 1090 Wien

(Die Termine für den 2. Teil im Juni werden noch bekannt gegeben.)

Sir Peter Ustinov Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen
Institut für Zeitgeschichte

Institut für Konfliktforschung

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