Soziologe Leopold Rosenmayr wurde 80 |
| Jubiläen |
| Redaktion am 4. Februar 2005 |
Der Familien-, Jugend- und Altersforscher Leopold Rosenmayr beging gestern, am 3. Februar, seinen 80. Geburtstag. Der "Altersforscher der Nation" und studierte Philosoph bemühte sich in den 1950er Jahren um die Wiederbelebung der empirischen Sozialforschung. |
Leopold Rosenmayr ist trotz seiner 80 Jahre unermüdlich. Nach wie vor hält der seit 1995 emeritierte Professor Vorlesungen am Institut für Soziologie, zuletzt zu "Sozialgerontologie, Lebenslauf und Generationen". Lebenslauf Leopold Rosenmayr wurde am 3. Februar 1925 in Wien geboren. Nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft entschiede er sich für das Philosophie-Studium. Nach seiner Promotion im Jahr 1949 absolvierte er bis 1953 seine, wie er es selbst bezeichnet, "Lehr- und Wanderjahre" in Frankreich und den USA. Sein Schwenk von der Philosophie zur Soziologie resultierte aus dem Wunsch, "Brücken zur Gesellschaft" schlagen zu wollen. 1954 gründete er eine "Sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle" an der Universität Wien und trug damit entscheidend zur Wiederbelebung der empirischen Sozialforschung in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Sein Bestreben war es, die seit Beginn der 1930er Jahre zurückgebliebene Forschung in diesem Bereich weiterzuentwickeln. So arbeitete er erstmals in Österreich mit sozialwissenschaftlichen Mikrozensen, statistischen Erhebungen der Bevölkerung, und konzipierte empirisch-soziale Feldinterviews in Kooperation mit Psychologie und Tiefenpsychologie. Praxisbezug wichtig Nach seiner Habilitation 1955 wurde Leopold Rosenmayr 1961 Professor für Soziologie und Sozialphilosophie an der Universität Wien. Als Mitglied der österreichischen Statistischen Zentralkommission und als Berater bzw. Autor für mehrere Regierungsberichte, etwa den Familienbericht 1969 oder den Frauenbericht 1975, hat der Wissenschafter grundlegend an gesellschaftspolitischen Entscheidungen mitgewirkt. Für diesen Praxisbezug, der sich wie ein roter Faden durch sein wissenschaftliches Werk zieht, wurde Rosenmayr 1994 von der deutschen Schader-Stiftung ausgezeichnet. Der Soziologe wurde vor allem für seine über Jahrzehnte erfolgreiche Vermittlungsarbeit zwischen seinem Fach und der Praxis gewürdigt. Zuletzt wurde der Soziologe, der eine Reihe von Auszeichnungen erhielt, 2002 mit dem Kardinal-Innitzer-Preis für Soziologie ausgezeichnet. Seine empirischen Arbeiten zur Stadt-, Gemeinde-, Familien-, Jugend- und Alterssoziologie brachten Rosenmayr auch internationale Reputation. So untersuchte Rosenmayr den politischen Wertewandel in hoch entwickelten Gesellschaften, studierte Familienbeziehungen und Freizeitgewohnheiten jugendlicher ArbeiterInnen und schrieb über die Kräfte des Alters. Der Vater von vier Kindern leitet das Ludwig-Boltzmann-Institut für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung in Wien und ist seit 1990 Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Forschungen in Mali Rosenmayr bereist und beforscht seit Jahrzehnten Afrika, speziell den westafrikanischen Staat Mali. So leitete der Soziologe auch immer wieder Forschungsprojekte in ländlicher und städtischer Umwelt. Im Mittelpunkt der Studien stehen die Konflikte zwischen den Altersgruppen und die Barrieren und Chancen der Jugend im Entwicklungsprozess. (APA/red) |

