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START-Preise gingen an die Sprachwissenschafterin Melanie Malzahn ...


... den Biophysiker Bojan Zagrovic ...


... und die Archäologin Barbara Horejs.


FWF - Der Wissenschaftsfonds START-Programm des FWF Internationale START-/Wittgenstein-Jury Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Institut für Sprachwissenschaft der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Department für Strukturbiologie und Computational Biology des Zentrums für Molekulare Biologie Österreichisches Archäologisches Institut  
START-Preise 2010 vergeben
Auszeichnungen
Redaktion am 14. Juni 2010

Über einen START-Preis 2010 können sich die Sprachwissenschafterin Melanie Malzahn von der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, der Biophysiker Bojan Zagrovic vom Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Wien sowie die Archäologin Barbara Horejs vom Österreichischen Institut für Archäologe (ÖAI) freuen. Weitere START-Preise gingen an das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) sowie das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der ÖAW sowie an das Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck.

Mit dem START-Programm werden hochqualifizierte Nachwuchs-wissenschafterInnen in Österreich gefördert, die außergewöhnliche internationale wissenschaftliche Publikationstätigkeit vorweisen können und über Auslandserfahrung verfügen. Sie erhalten in den nächsten sechs Jahren jeweils 200.000 Euro jährlich für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Damit soll die Möglichkeit geboten werden, auf längere Sicht und finanziell weitgehend abgesichert ihre Forschungsarbeiten zu planen und eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen.

Die Entscheidung über die PreisträgerInnen trifft eine internationale Jury, die sich aus renommierten ExpertInnen aus dem Ausland zusammensetzt. Das Programm wird vom Wissenschaftsfonds FWF im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung durchgeführt.

Melanie Malzahn

Melanie Malzahn (geb. 1973 in Hamburg, Deutschland) ist seit 2008 im Rahmen eines APART-Stipendiums am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien tätig. Sie studierte Sprachwissenschaft an der Universität Wien und habilitierte sich 2009 ebendort. 2009 erhielt sie ein Stipendium der Fondation Colette Caillat für einen Forschungsaufenthalt am Institut de France in Paris. Von Februar bis April 2010 war sie Visiting Scholar am Department of Linguistics der Harvard University. Sie leitet das FWF-Projekt "Historische Grammatik des Tocharischen". Zu ihren wichtigsten Publikationen zählt die Monographie "The Tocharian Verbal System" (2010).

Forschungsschwerpunkt: "Eine Gesamtedition tocharischer Handschriften"

Die Seidenstraße hat als Transferroute nicht nur für Waren, sondern auch für Ideen und Sprachen eine Vielzahl von Kulturen hervorgebracht. Tocharisch ist eine von mehreren einst entlang dieser Verbindungsroute gesprochenen, mittlerweile ausgestorbenen Sprachen bzw. Sprachgruppen. Es handelt sich dabei um einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie – Tocharisch ist sowohl mit den romanischen als auch mit den germanischen Sprachen verwandt. Mehr als 1.500 Jahre hindurch bewahrte das spezifische Klima der Taklamakan-Wüste (Zentralasien) tausende in Tocharisch abgefasste Schriftstücke vor dem Zerfall – hauptsächlich buddhistische Literatur und Dokumente des Alltagslebens, wie beispielsweise Liebesbriefe. Sie gelangten mit den großen Turfanexpeditionen Ende des 19. Jahrhunderts in europäische Museen und nach Japan. Die Entschlüsselung der Dokumente, die bisher nur einem sehr kleinen Fachpublikum zugänglich bzw. verständlich sind, verspricht wesentliche Einblicke in die Kultur der tocharischsprachigen Menschen. Ziel des Projekts ist es, die vorhandenen tocharischen Texte als Foto sowie in Umschrift und Übersetzung mit jeweils einem sprach- und einem kulturwissenschaftlichen Kommentar versehen online verfügbar zu machen.

Bojan Zagrovic

Bojan Zagrovic (geb. 1974 in Zagreb, Kroatien) ist seit 2010 Junior Group Leader am Department für Strukturbiologie und Computational Biology am Zentrum für Molekulare Biologie ( Max F. Perutz Laboratories). Er studierte Biochemie an der Harvard University und promovierte 2004 an der Stanford University in Biophysik. Von 2004 bis 2007 forschte er im Rahmen eines EMBO-PostdoktorandInnen-Stipendiums an der ETH Zürich; von 2007 bis 2008 leitete er eine Forschungsgruppe am Mediterranean Institut for Life Sciences in Split, Kroatien. Er hat eine Reihe von Preisen und Forschungsstipendien erhalten, darunter 1995 bis 1997 das John Harvard Stipendium, 1997 bis 2000 das Stanford Graduate Fellowship sowie 1998 bis 2003 das Howard Hughes Medical Institute Predoctoral Fellowship. 2008 wurde er vom Genome Technology Magazin unter die 30 vielversprechendsten jungen Molekularbiologen weltweit gewählt.

Forschungsschwerpunkt: "Spezifische und globale Aspekte der Proteinwechselwirkungen"

Proteine sind an fast allen biologischen Prozessen beteiligt: Sie lesen und übersetzen den Inhalt unserer Gene, leiten den Stoffwechsel der Zellen und schützen uns vor Viren und Bakterien. Um ihre Funktionen richtig ausführen zu können, müssen diese "molekularen Maschinen" in einer spezifischen Weise ständig miteinander wechselwirken: Sie verfügen über komplementäre Bindungsflächen, mit denen sie direkt aneinander "andocken" können.Wie sich die Bindungspartner in der Zelle überhaupt finden und welche Mechanismen zuerst die "Partnersuche" und dann die spezifische Erkennung der Bindungsflächen leiten, sind wissenschaftlich ungelöste Fragen. Um sie zu beantworten und zu einem besseren Verständnis biologischer Systeme zu gelangen, kommen im Projekt fortgeschrittene Computersimulationen in enger Kollaboration mit Experimenten zum Einsatz. Ziel ist es, ein einheitliches Bild zu schaffen, das sowohl die spezifischen als auch die nicht-spezifischen Komponenten der Wechselwirkung von Proteinen vereint. Da hohe Computerleistungen erforderlich sind, um Proteine auf reale Weise zu simulieren, werden im Rahmen des Projekts verteilte Computertechniken – sogenannte "distributed computing techniques" – weiterentwickelt und angewandt.

Barbara Horejs

Barbara Horejs (geb. 1976 in Wien) ist selbständige Archäologin am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) und leitet seit 2003 Lehrveranstaltungen in Wien, Berlin und Bratislava. Sie studierte Ur- und Frühgeschichte sowie Klassische Archäologie an der Universität Wien, der Universität Athen sowie an der Freien Universität Berlin, wo sie 2005 in Ur- und Frühgeschichte promovierte. Für ihre Dissertation erhielt sie den Förderpreis für die beste Qualifikationsarbeit der Fakultät an der Freien Universität Berlin. Seit 2006 ist Horejs Sprecherin der Bronzezeit AG im Deutschan Archäologenverband. Aktuell leitet sie das FWF-Projekt "Grundlagenforschung zur Kupfer- und Bronzezeit in Ephesos", an dem auch die Interdisziplinäre Forschungsplattform Archäologie (VIAS) der Universität Wien beteiligt ist. Die Archäologin hat an zahlreichen Forschungs- und Rettungsgrabungen in Österreich, Deutschland, Griechenland und der Türkei teilgenommen.

Forschungsschwerpunkt: "Sesshafte bis protourbane Gesellschaften in Westanatolien"

Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen zwei spannende Abschnitte in der archäologisch noch wenig erforschten Ur- und Frühgeschichte Westanatoliens (Türkei): die Periode der ersten Sesshaftigkeit des Neolithikums im 7. Jahrtausend v. Chr. sowie die Entwicklung protourbaner Zentren am Übergang vom Chalkolithikum zur Bronzezeit im 4. und 3. Jahrtausend vor Christus. Beide Zeithorizonte sind in einem neuen Fundplatz (Çukuriçi Höyük) in Westanatolien vorhanden, wie erste Ausgrabungen von Barbara Horejs belegen. Geplant sind weitere Ausgrabungen auf diesem Siedlungshügel sowie archäologische und geologische Surveys in den Tälern des Kaikos und Kaistros (Mikroregionen von Pergamon und Ephesos). Neben der Definition archäologischer und kultureller Perioden liegen die Schwerpunkte des Projekts auf der Untersuchung sich ändernder Gesellschaftssysteme in einer sich wandelnden Umwelt sowie der Struktur von Wissenstransfer, Kommunikation und Austausch zwischen Anatolien, der Ägäis und Südosteuropa.

Weitere START-Preise sowie Wittgenstein-Preis 2010

Weitere START-Preise gingen an Florian Schreck vom Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der ÖAW, an dem die Universität Wien und die Universität Innsbruck beteiligt sind, sowie an Julius Brennecke vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der ÖAW und an Barbara Kraus vom Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck. Mit dem Wittgenstein-Preis wurde heuer Wolfgang Lutz, Direktor des Instituts für Demographie (VID) der ÖAW und Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, ausgezeichnet. (FWF/br)

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