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Ein Semester Stiftungsprofessur Pflegewissenschaft
Stiftungsprofessur "Pflegewissenschaft" an der Universität Wien
Studium/Lehre
Redaktion am 17. Dezember 2003

Die Universität Wien errichtet gemeinsam mit den Stiftern Rotes Kreuz und Caritas eine Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaft, Vertragsunterzeichnung war am 16. Dezember 2003. Durch die Einrichtung dieses Stiftungslehrstuhls soll die Pflegewissenschaft zunächst universitär verankert werden, mit dem Ziel, in den nächsten Jahren ein ordentliches Studium der Pflegewissenschaft einzurichten.

Damit setzt die Universität Wien einen weiteren Schritt, um dem großen und beständig wachsenden Bedarf an akademisch ausgebildeten Pflegepersonen nachzukommen. Bereits 1999 wurde ein interdisziplinäres „Individuelles Diplomstudium Pflegewissenschaft“ eingerichtet, das bislang von rund 400 Studierenden genutzt wurde. Im Jänner 2000 hat die Universität Wien die Errichtung eines Regelstudiums im Bildungsministerium beantragt – was bislang allerdings unbeantwortet blieb.
Pflegewissenschaft ist eine international etablierte Wissenschaft, die in weiten Teilen Europas als eigene Studienrichtung angeboten wird. Beispielsweise gibt es in Island 29 Professuren für Pflegewissenschaft. In Österreich ist es bislang nicht gelungen, ein derartiges Studium zu etablieren. Der diesbezüglich bestehende Bedarf wurde bislang von der Politik nicht aufgegriffen.

Neue Möglichkeiten durch das UG 2002

Durch das Universitätsgesetz 2002 ergeben sich für die Neuausrichtung von Studienplänen neue Chancen. Die Universitäten können in Zukunft über ihr Studienangebot grundsätzlich frei bestimmen, ohne auf die Zustimmung des Ministeriums oder des Gesetzgebers angewiesen zu sein. In budgetärer Hinsicht wird das künftige Universitätsbudget durch die Leistungsvereinbarung mit dem Ministerium festgelegt.

Bedarf an Pflegewissenschaft steigt kontinuierlich

Die Errichtung einer Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaft folgt einer in den letzten Jahren kontinuierlich veränderten Bedarfslage:

  • Durch die Veränderung der demographischen Struktur der Bevölkerung steigt die Anzahl der Pflegebedürftigen besonders im höheren Alter. Zum einen entsteht damit vermehrter Hilfebedarf bei der Unterstützung alltäglicher Lebensverrichtungen. Zum anderen wächst der Schwerstpflegebedarf bei der Gruppe der älteren und alten Menschen.
  • Durch den Wandel des Krankheitspanoramas nehmen in Österreich die chronischen Erkrankungen stark zu, was wiederum erhöhten Pflegeaufwand mit sich bringt.
  • Durch die zunehmende Ökonomisierung des Pflege- und Gesundheitssystems steigt der Bedarf an neuen, innovativen Versorgungskonzepten, um die Finanzierung aufrechterhalten zu können.
  • Innovative Pflegekonzepte stellen an die Pflegepersonen hohe Ansprüche nicht nur an Fachwissen, sondern auch in Hinblick auf Sozialkompetenz, Führungskompetenz, konzeptionelle und innovatorische Fähigkeiten.
  • Der Mangel an ausgebildeten Pflegekräften ist in Österreich weithin bekannt. Die Attraktivität des Berufsfeldes Pflege würde durch eine Akademisierung erheblich gesteigert.
  • Im Bezug auf die Qualifizierung von Pflegepersonen im universitären Bereich liegt Österreich weit hinter dem europäischen Niveau. Während in unseren Nachbarländern (Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Ungarn) die universitären Bildungsangebote immer weiter ausgebaut werden, wurde der diesbezüglich bestehende Bedarf von der österreichischen Politik bislang weitgehend ignoriert.

Ziele und Aufgaben der Gastprofessur

Zunächst sollen durch die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls an der Universität Wien die Pflegewissenschaften universitär verankert werden, mit dem Ziel, innerhalb der nächsten drei Jahre ein reguläres Studium zu etablieren. Der Bedarf an akademisch ausgebildeten Pflegekräften wird mit dem individuellen Diplomstudium nicht ausreichend abgedeckt, weshalb es das erklärte Ziel der Universität Wien ist, ein „reguläres Studium“ Pflegewissenschaft anzubieten. Zu diesem Zweck werden die Universität Wien und die Medizinische Universität Wien eng kooperieren. Diese Zielvorstellung wird durch die Errichtung dieser Stiftungsprofessur von den Stiftern (Caritas und Rotes Kreuz) nachhaltig unterstützt. Durch ein Studium der Pflegewissenschaften sollen Pflegepersonen wissenschaftlich fundierte Fachkompetenz in Verbindung mit psychosozialer Kompetenz erwerben und befähigt werden, neue Pflegekonzepte für stationäre, teilstationäre und ambulante Bereiche zu entwickeln und umzusetzen sowie die Vernetzung zu fördern. Sie sollen auf die zukünftig immer wichtigere Zusammenarbeit von Fachkräften des Sozial- und Gesundheitswesens vorbereitet und in die Lage versetzt werden, insbesondere innovative Aufgaben in Arbeitsfeldern der Pflegeberatung, Fortbildung, Qualitäts- und Organisationsentwicklung sowie des Managements von Pflegeleistungen zu übernehmen.

Individuelles Diplomstudium Pflegewissenschaft

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