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Thomas Gaube erforscht "öffentliche Güter" wie die Umweltqualität. Foto: T. Gaube


Institut für Volkswirtschaftslehreder Fakultät für Wirtschaftswissenschaften  
Thomas Gaube: Weiche Themen, harte Methoden
Porträts Neo-Professuren, Forschungsprojekte
Harald Zwilling (Redaktion) am 23. Februar 2007

Vor- und Nachteile von Maßnahmen wie Ökosteuer, Spendenlotterien oder der vermehrten Beschäftigung gering qualifizierter ArbeitnehmerInnen im öffentlichen Dienst sind Forschungsthemen von Thomas Gaube, seit Oktober 2006 Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Die Möglichkeit, sozialwissenschaftliche Fragen mit hoher Präzision und methodischer Strenge anzugehen, stellt für ihn den ganz besonderen Reiz der volkswirtschaftlichen Forschung dar.

Ihre Eigenschaft, sozialwissenschaftliche Fragen mit mathematischer Genauigkeit und logischer Konsistenz zu behandeln, zog V.-Prof. Dr. Thomas Gaube in die Volkswirtschaft. Eine Vertragsprofessur für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunk Finanzwissenschaft führte den Deutschen im Oktober 2006 von Bonn nach Wien: "Es hat mich sehr gefreut, von  einer der forschungsstärksten Fakultäten im deutschsprachigen Raum ein Angebot erhalten zu haben."

Ein zentrales Thema für Gaube ist die Forschung über öffentliche Güter. Darunter versteht man in der Volkswirtschaft Themen wie Umweltqualität oder das Wohlbefinden von Bedürftigen in einer Gesellschaft. Damit diese Themen mit den mathematisch-logischen Werkzeugen der Volkswirtschaft behandelt werden können, werden Umweltqualität und Co. als messbare Güter definiert.

Effizient zu mehr Umweltqualität

"Das Interesse breiter Bevölkerungsschichten an Umweltqualität steigt. Aber welche politischen Maßnahmen sind die effizientesten, um dieses 'öffentliche Gut' bereitzustellen?", gibt Gaube ein Beispiel für eines seiner Forschungsthemen. Mit diesem Thema verbunden sind Fragen, die man auch aus der politischen Diskussion kennt: Ist eine Ökosteuer besser als Emissionsbegrenzungen, weil sie dem Staat Einnahmen bringt? Kann man mit den Einnahmen aus der Ökosteuer die Lohnsteuer - und damit indirekt die Arbeitslosenzahlen - senken? "Der durch Umweltsteuern entstehende Spielraum zur Senkung der Lohnsteuer stellt ein zusätzliches Argument für eine stärkere Beachtung des Umweltschutzes dar", meint Thomas Gaube, der sich an der Universität Bonn habilitierte.

Maßnahmen für Globalisierungsverlierer

Im Zuge der Globalisierung steigt in vielen Ländern, bei gleichzeitig sinkendem Lohnniveau, die Arbeitslosigkeit von wenig qualifizierten ArbeitnehmerInnen. In einem vor kurzem publizierten Aufsatz hat sich Gaube mit der Frage beschäftigt, ob es eine volkswirtschaftlich gesehen effiziente Maßnahme ist, diese Personen (wie etwa in skandinavischen Ländern praktiziert) vermehrt im öffentlichen Dienst zu beschäftigen. "Damit verringert man direkt die Arbeitslosenzahlen, erzeugt eine künstliche Nachfrage und hebt so das Lohniveau", weiß Gaube um die Vorteile dieses Prinzips. Durch die 'künstliche Beschäftigung' entstehen dem Staat allerdings auch Kosten: "Ob diese Kosten höher oder niedriger sind als die von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder anderen Alternativen, entscheidet letztendlich über den Umfang, in dem eine solche Maßnahme effizient ist."

Theorie und Praxis

Die Prognosen, Modelle und Annahmen der Volkswirtschaft werden permanent dahingehend geprüft, ob sie geeignet sind, die beobachtbare Wirklichkeit zu beschreiben. Inwieweit hat aber die Arbeit der VolkswirtschafterInnen selbst Einfluss auf die politische Realität? Thomas Gaube glaubt nicht, dass seine Forschung direkten Einfluss auf die Politik hat: "Natürlich lesen Politiker keine wissenschaftlichen Publikationen." Über den Umweg der Politikberatung, die sich durchaus am Mainstream der wissenschaftlichen Diskussion und nicht an ideologiegefärbten Präferenzen orientiere, fänden die Erkenntnisse der WissenschafterInnen aber indirekt Eingang in die Politik.

Einfach, aber vollständig und präzise

Die Studierenden erreicht Thomas Gaube im Gegensatz zu den PolitikerInnen aber direkt: In der Lehre beschäftigt er sich mit der Erklärung und Bewertung staatlicher Eingriffe in marktwirtschaftliche Ökonomien, wie sie etwa Ökosteuer oder die Beschäftigung wenig qualifizierter Arbeitskräfte im öffentlichen Dienst darstellen. Weiters lehrt Gaube Allokationstheorie (also die Theorie der volkswirtschaftlichen Verteilung von Mitteln, Leistungen und Gütern) und zum Zusammenhang von Steuertheorie und Politik. In seinen Lehrveranstaltungen versucht er, "zentrale Ergebnisse und Einsichten möglichst einfach, aber auch vollständig und präzise zu vermitteln".

Damit die StudentInnen aktiv an seinen Lehrveranstaltungen teilnehmen können, stellt er vor den Lehrveranstaltungen Skripten im Internet bereit: "Sonst geht mehr Energie ins Mitschreiben als ins Zuhören und Diskutieren." Die Arbeit mit den Studierenden in Wien macht Thomas Gaube viel Freude: "Die Studierenden hier sind außergewöhnlich interessiert und gut. Da die Ausbildung weitgehend in kleinen Gruppen stattfindet, entsteht ein anregender Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden." (hz)

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