Aufgewachsen in einem religiösen Elternhaus, hat Univ.-Prof. Dr. Thomas Prügl schon früh das kirchliche Leben und das für ihn damit zusammenhängende soziale und kulturelle Engagement in und außerhalb der Kirche erfahren. Vielleicht war es die für ihn als kleiner Junge beeindruckende Schönheit von Kirchenbauten, die ihn zu einem Theologiestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München veranlasste. Nach seiner Promotion 1994 und einer darauffolgenden sechsjährigen wissenschaftlichen Assistenz am Münchener Grabmann-Institut zur Erforschung der mittelalterlichen Theologie und Philosophie folgte Prügl einem Ruf an die University of Notre Dame (Indiana, USA). Dort war er bis vor einem Jahr als Professor für Theologiegeschichte tätig.
Zurück nach Europa, auf nach Wien
Nach sechs Jahren in den USA zog es Thomas Prügl wieder zurück in den deutschsprachigen Raum. Der Umzug nach Wien hat zum einen fachliche Gründe, denn Wien ist ein wichtiges Zentrum der Mediävistik. Für Prügl, der sich intensiv mit handschriftlichen Quellen befasst, bietet die Nationalbibliothek mit ihrer bedeutenden Handschriftensammlung exzellente Forschungsmöglichkeiten. Zum anderen bedeutet "Wien ein Zurück an die Donau, in die Heimat", so Prügl, der in Obernzell in Bayern geboren wurde.
Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Studierenden
"Das Studium an einer Privatuniversität in Amerika ist ohne Stipendium sehr teuer. Aus diesem Grund sind viele amerikanische Studierende im Gegensatz zu manch ihrer europäischen KollegInnen viel zielstrebiger und ehrgeiziger, das Studium rasch abzuschließen", meint Prügl. Für den Theologen sind die US-AmerikanerInnen zudem pragmatischer und flexibler in der Karriere- und Lebensgestaltung. Die europäischen Studierenden stechen hingegen besonders mit breiteren Sprachkenntnissen hervor. "Die englischsprachige Welt hat sich darauf eingestellt, dass der Rest der Welt ebenfalls Englisch spricht", so Prügl. Andere Sprachen wie Italienisch, Französisch oder, gerade im Fach Theologie von Bedeutung, Latein sprechen die wenigsten. Hier haben europäische Studierende für Prügl ganz klar eine bessere Schulvorbildung und daher auch Qualifikationsvorteile.
"Ich sehe mich weniger als Chef, sondern ich vertrete das Fach"
Seine Rolle als Vorstand des Instituts für Kirchengeschichte ist für Thomas Prügl derzeit noch neu. In Amerika gab es solche klar definierten Rollen nicht. Dort war die Universität sehr kollegial aufgebaut, man hat sich stärker als ein Team verstanden. Diese Erfahrung beeinflusste Prügls "Führungsstil" enorm. Sein Ziel ist es, möglichst viele KollegInnen und Studierende und ihre verschiedenen Fähigkeiten und Potenziale mit einzubinden. "Ein Chef kann nicht alles machen, aber er kann fördern, fordern, ermutigen und darauf achten, dass ein reibungsloser Ablauf zustande kommt", so Prügl.
Neue Forschungsschwerpunkte am Institut
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger liegen Prügls Forschungsschwerpunkte nicht in der religiösen Alltagsgeschichte, sondern in der Theologie- und Konziliengeschichte. Daraus ergeben sich auch inhaltliche Veränderungen für das Institut, beispielsweise bei Forschungsprojekten, Dissertationsthemen oder Konferenzen. "Ich werde aber erfolgreich Gewachsenes weiterhin unterstützen", so Prügl, "die Spezialisierungen der anderen KollegInnen sind wertvolles Kapital, das weiterhin Gewinn abwerfen soll".
An der Konziliengeschichte faszinieren Prügl vor allem die Reformthematik und die Kollegialität. Er sieht darin einen Auftrag und ein Erbe, an das sich die Kirche erinnern soll und das es wach zu halten gilt. Der zweite Schwerpunkt, die Geschichte der Theologie, gehört für ihn unbedingt zur Kirchengeschichte dazu. Es gebe keine verbindliche Auslegung eines Textes, so Prügl, da jede Zeit in der Weise Stellung zu einem Text nimmt, wie sie es für richtig hält. Die traditionelle Kirchengeschichte ist eher eine Ereignisgeschichte, die v.a. auf die Hauptakteure – Päpste, Kaiser, Bischöfe – schaut. Daneben bietet die Kirche und deren Geschichte für Prügl allerdings noch viel mehr Seiten: Wie lebten und leben die Christen, was denken sie und wonach orientieren sie sich, sind dabei nur drei mögliche Fragestellungen.
Glauben und Wissenschaftlichkeit schließen sich nicht aus
Glauben ist für Prügl beruflich die Grundlage seiner Wissenschaft, privat eine sein Leben und Tun dominierende Grundhaltung und Einstellung zur Wirklichkeit. Die Kurzformel des Anselm von Canterbury bringt es für ihn auf den Punkt: "Glaube, der nach Einsicht sucht" (lat. "fides quaerens intellectum"). Der vermeintliche Gegensatz zwischen Wissenschaftlichkeit und Glauben ist für Prügl nicht gegeben. Im Gegenteil: Wissenschaftlichkeit müsse sich bewusst werden, auf welchem Fundament sie stehe, und der Glaube dürfe niemals in Richtung Fideismus abdriften, d.h. man dürfe bestimmte Lebensbereiche nicht aus einer rationalen Rechtfertigung vor sich selbst entlassen. (mw)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Thomas Prügl mit dem Titel "Das Basler Konzil (1431-1449) als Herausforderung für Kirchengeschichtsschreibung und Ekklesiologie" am Montag, 15. Dezember 2008 um 18 Uhr c.t. im Kleinen Festsaal der Universität Wien (Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien) statt. |