Die Universität Wien trauert um ihren früheren Rektor und Professor für Ältere Deutsche Sprache und Literatur, die Rektorenkonferenz um ihren ehemaligen Vorsitzenden und der ÖAD um seinen Präsidenten.
Alfred Ebenbauer hat in den Jahren 1987 bis 1990 als Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät und von 1991 bis 1998 als Rektor der Universität Wien gewirkt. Darüber hinaus hat er als amtierender Institutsvorstand des Instituts für Germanistik und Ehrensenator der Universität Wien maßgeblich zur Entwicklung der Universität Wien beigetragen. Er hat die Geschichte der Universität Wien, um deren Aufarbeitung er sich stets bemühte, wesentlich mitgeprägt. Die Universität Wien verliert nicht nur einen kritischen Denker, sondern auch einen hervorragenden Germanisten, der es in unvergleichlicher Weise verstand, seine Begeisterung für die Universität und das Fach an KollegInnen, Studierende und die Öffentlichkeit weiterzugeben.
In den Jahren 1991 bis 1993 machte er sich als Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz und bis 1998 als deren Vizepräsident um das Bildungs- und Universitätssystem Österreichs verdient. Ab 1997 engagierte er sich als Präsident des Österreichischen Austauschdienstes unermüdlich für die Internationalisierung der österreichischen Hochschullandschaft. 2005 wurde er mit dem Großen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.
Die Nachricht über den plötzlichen Verlust von Alfred Ebenbauer hat uns zutiefst getroffen; sein Beitrag, den er für die österreichische Hochschullandschaft geleistet hat, wird noch lange nachwirken.
Unsere tief empfundene Anteilnahme gilt der Familie, den Angehörigen und allen KollegInnen, die an seinem Wirken teilhaben durften.
Georg Winckler, Rektor der Universität Wien Franz Römer, Dekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät
Das Begräbnis von Alfred Ebenbauer wird am Donnerstag, 23. August 2007 um 15 Uhr in der Feuerhalle Simmering, Raum 2 (1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 337; gegenüber dem 2. Tor des Zentralfriedhofes) stattfinden. Parte (PDF)
Die Seelenmesse wird am Montag, 10. September 2007 um 16.30 Uhr in der Kirche "Unsere Liebe Frau zu den Schotten" (1010 Wien, Freyung 6) gefeiert. Alfred Ebenbauer
Alfred Ebenbauer wurde am 13. Oktober 1945 als erstes von fünf Kindern eines Agrarbeamten in der Obersteiermark geboren. Sowohl die Schule in Judenburg als auch das Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Wien absolvierte er mit Auszeichnung, er promovierte 1970 sub auspiciis praesidentis mit einer Dissertation über Helgisage und Helgikult.
1970 wurde Ebenbauer Assistent am Institut für Germanistik der Universität Wien und habilitierte sich 1978. Nach verschiedenen Lehraufträgen in Deutschland wurde der Altgermanist 1981 zum Ordentlichen Universitätsprofessor für Ältere deutsche Sprache und Literatur an die Uni Wien berufen.
Seit 1986 betätigte er sich intensiv in der Universitätspolitik: Von 1986 bis 1990 war er Prädekan und Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 1991 wurde er zum Rektor der Universität Wien und gleichzeitig für zwei Jahre zum Chef der Österreichischen Rektorenkonferenz gewählt.
Während seiner Amtszeit gab er eine Untersuchung über einen anatomischen Atlas des 1955 verstorbenen österreichischen Mediziners Eduard Pernkopf in Auftrag. Im Zuge der Recherchen stellte sich heraus, dass von 1938 bis 1945 an der Anatomie der Universität Wien mit Leichen von Hingerichteten gearbeitet wurde, darunter Widerstandskämpfer und Juden. Auch in den Sammlungen fanden sich Präparate zweifelhafter Herkunft. Ebenbauer entschuldigte sich als Rektor stellvertretend für die Universität bei den Opfern. Als Rektor engagierte sich Ebenbauer außerdem für die Errichtung des Uni-Campus im Alten AKH.
2005 wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, außerdem wurde ihm das Große Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien verliehen. Seit 1997 war er Präsident des Österreichischen Akademischen Austauschdienstes (ÖAD), zuletzt war Alfred Ebenbauer Vorstand des Instituts für Germanistik. (red) | | | | | | | | |