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Die Anthropologin und Südamerika-Expertin Elke Mader forscht zu Mythen, Genderaspekten und Globalisierung. Am 17. Jänner hält sie ihre Antrittsvorlesung.


Institut für Kultur- und Sozialanthropologieder Fakultät für Sozialwissenschaften Homepage von Elke Mader Lebenslauf von Elke Mader Einladung zur Antrittsvorlesung    
Über Mythen und Globalisierung
Porträts Neo-Professuren, Forschungsprojekte
Theresa Dirtl (Redaktion) am 11. Januar 2007

Insgesamt verbrachte die Anthropologin Elke Mader über fünf Jahre zu Forschungszwecken in Südamerika. Besonders die Kulturen des Amazonasraums faszinieren die Wissenschafterin, die seit September 2006 die Professur für Allgemeine Kultur- und Sozialanthropologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften innehat. Neben ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten Mythen- und Genderforschung widmet sich die Südamerika-Expertin auch vermehrt den Neuen Medien und E-Learning. Am 17. Jänner hält sie ihre Antrittsvorlesung.

"Auf die Anthropologie bin ich erst an der Universität gestoßen. Ich habe zunächst Kunstgeschichte inskribiert und die Anthropologie im wahrsten Sinn des Wortes gefunden", erzählt Univ.-Prof. Dr. Elke Mader: "Das Institut lag zwei Stockwerke unterhalb der Kunstgeschichte. Ich war neugierig, habe mich dann dort umgesehen und bin gleich geblieben." Im Jahr 1973, als sich die gebürtige Salzburgerin an der Universität Wien einschrieb, war das Fach Völkerkunde, wie damals die Kultur- und Sozialanthropologie genannt wurde, noch ein "exotisches" Studium. Nicht so für Elke Mader, die vom Forschungsspektrum und den Ansätzen fasziniert war: "Hier standen die gelebten kulturellen Prozesse im Mittelpunkt, mit einen starken Fokus auf den außereuropäischen Raum."

Verteilung der Geschlechter

Ihr Interesse für Südamerika, insbesondere für indianische Kulturen im Amazonasgebiet, bildete sich während des Studiums heraus. Nicht verwunderlich, dass Elke Mader für ihre Dissertation die Praxis der Feldforschung anwandte. Im Mittelpunkt standen die Achuar in Peru. Über zwei Jahre verbrachte die Wissenschafterin im peruanischen Regenwald, um die Organisation der Arbeit bei den Achuar zu studieren. Zudem bezog sie die Verteilung der Geschlechter im sozialen Gefüge in ihre Forschungen mit ein - obwohl damals, Ende der 1970er, "die Genderforschung in Österreich noch in den Kinderschuhen steckte", wie Mader sagt.

Politische Systeme und Identitäten

Gleich nach dem Studium folgten einzelne Lehraufträge an der Universität Wien; mit Hilfe von Stipendien finanzierte sich die Anthropologin zudem ihre wissenschaftliche Arbeit. "Ich freue mich sehr über die Professur für Allgemeine Kultur- und Sozialanthropologie. Meine Karriere ist dabei eher atypisch, da ich aus der freien Forschung komme und keine 'klassische' Universitätslaufbahn hinter mir habe", erzählt Mader. So ermöglichte auch ein FWF-Stipendium - das Charlotte- Bühler-Habilitationsstipendium für Frauen - ihre Forschungen bei den Shuar im Amazonastiefland von Ecuador. Dort befasste sich Mader mit der Mythologie des indianischen Volkes, der narrativen Kultur und ihrem Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Leben. Die zentralen Fragen ihrer Forschung lauteten: Wie hängen die Mythen der Shuar mit gesellschaftlichen Machtstrukturen zusammen? Wie manifestiert sich das Menschenbild im Mythos und gleichzeitig in lokalen politischen Systemen? Und welchen Einfluss spielen Mythen im Geschlechterverhältnis?

Neue Medien

Die Globalisierung und Vernetzung der Welt hat natürlich auch vor indianischen Kulturen im Amazonasgebiet nicht Halt gemacht. Daraus hat sich der jüngste Forschungsschwerpunkt von Elke Mader ergeben: Die Nutzung und Repräsentation von Traditionen, Mythen und Ritualen im Internet. "Das ist ein extrem spannendes Feld, da hier Tradition und Moderne aufeinandertreffen. Die Mythenforschung ist ein traditionelles Gebiet, während sich die Anthropologie der Globalisierung erst in den letzten Jahren entwickelt hat. Somit verbinde ich moderne Globalisierungstheorien mit traditioneller Mythenforschung", erklärt Mader. Doch die Wissenschafterin setzt Neue Medien nicht nur in der Forschung, sondern auch zunehmend in der Lehre ein. Dazu laufen gleich mehrere Projekte im E-Learning-Bereich, um virtuelle Lehrbücher für Studierende zu entwickeln.

Interkulturelle Kompetenz

"Die Lehre verbindet mich natürlich sehr mit der Universität Wien. Seit 1986 habe ich hier regelmäßig unterrichtet; mit Schwerpunkt auf Lateinamerika, aber auch in der Grundlagenforschung", so Elke Mader, der die Lehre großen Spaß macht. Für die Anthropologin ist ein wichtiges Ziel dabei die Vermittlung von fundiertem Basiswissen an Studierende, um die Prozesse einer globalisierten Weltgesellschaft verstehen, aber auch hinterfragen zu können. Das sei der Bildungsauftrag und darin sieht Mader auch die Sinnhaftigkeit eines Bakkalaureatsstudiums: Eine Grundausbildung in interkultureller Kompetenz als Basis für andere Berufe, ob im sozialen oder wirtschaftlichen Bereich. "Das zweite wichtige Ziel der Lehre ist natürlich, WissenschafterInnen auszubilden und ihnen die Einheit von Forschung und Lehre zu vermitteln." (td)


Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Elke Mader mit dem Titel "Mythen - Räume. Zur Zirkulation und Verortung von Bedeutung" findet am Mittwoch, 17. Jänner 2007, um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.

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