Seit 20 Jahren ist Udo Bläsi an der Universität Wien tätig. Kein Wunder also, dass er die Berufung zum Professor für Molekulare Mikrobiologie im September 2009 auch als "Anerkennung der bisher erbrachten Leistungen" sieht. Der Mikrobiologe hält am Mittwoch, 27. Jänner 2010 zugleich mit Kollegin Manuela Baccarini seine Antrittsvorlesung zum Thema "Pathogenicity of Pseudomonas aeruginosa viewed at the molecular level". |
Udo Bläsi "gehört" schon länger zur Universität Wien als der 1992 errichtete Campus Vienna Biocenter, an dem er arbeitet. Begonnen hat der gebürtige Deutsche 1990 als Lektor am Institut für Mikrobiologie und Genetik in der Althanstraße. 1992 wechselte er an das Biozentrum in der Dr.-Bohr-Gasse, wo er seit 2001 als Sprecher des Spezialforschungsbereichs "Modulators of RNA Fate and Function" und seit 2009 als Leiter des Departments für Mikrobiologie, Immunologie und Genetik tätig ist. Die Möglichkeit zum selbstständigen Arbeiten stand für ihn stets im Mittelpunkt: "Junge WissenschafterInnen müssen frühzeitig die Chance bekommen, eigenständig zu arbeiten, damit die Wissenschaft mit Leben erfüllt wird."
Papier statt Pipette
Mit dem räumlichen Umzug von der Althanstraße in die Dr.-Bohr-Gasse haben sich im Lauf der Zeit auch die Aufgaben des Mikrobiologen geändert. "Ich hatte wohl seit 1995 keine Pipette mehr in der Hand. Durch vielfältige Aufgaben, wie Forschungsmanagement, Gutachtertätigkeiten, Administration und Lehre komme ich nicht mehr ins Labor - sonst müsste ich die Instrumente alle zehn Minuten weglegen", erläutert Udo Bläsi.
Seine Forschungsinteressen liegen unter anderem im Bereich der Virulenzgenregulation im Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa. Dieser gegen verschiedene Antibiotika resistente Keim spielt insbesondere bei in Krankenhäusern erworbenen Infektionen eine Rolle - und ist zugleich das Thema von Bläsis Antrittsvorlesung am Mittwoch, 27. Jänner 2009, im Kleinen Festsaal der Universität Wien.
Freiheit und Eigenständigkeit
In der Lehre geht es Bläsi vor allem um die Vermittlung von Eigenständigkeit und Kreativität: "Ich kann nicht sechs Jahre lang studieren, Bücher wälzen und die Theorie auswendig lernen, ohne zur Umsetzung des Wissens angeleitet zu werden. Wir brauchen nicht nur AbsolventInnen, die die Pipette schwingen können, sondern es geht um die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken. Wissenschaft ist kein Job wie viele andere, er erfordert Passion, Teamfähigkeit und ein gutes Durchhaltevermögen. Die große Anzahl an Erstsemestern erschwert diese Idealvorstellung allerdings."
Er selbst hat mit einem Lehramtsstudium - Biologie und Chemie - begonnen und durch ein Praktikum in einem mikrobiologischen Labor schließlich das Studienfach gewechselt. Die Gründe liegen für Bläsi auf der Hand: "Ich war von der Mikrobiologie sofort fasziniert. Mich hat damals auch schon meine eigene kleine Forschung interessiert; und die Freiheit, die man dabei hat. Zum Aufbau einer Karriere ist allerdings viel Einsatz nötig, was - vor allem familiär gesehen - nicht immer ganz einfach ist. Wenn NachwuchswissenschafterInnen sehr viel (Frei)zeit im Labor verbringen, hat der Partner bzw. die Partnerin oftmals wenig Verständnis dafür", sagt der vierfache Vater.
"Titel bedeuten nur etwas, wenn man sie auch ausfüllen kann"
Udo Bläsi ist kein Mensch, der sich von Titeln beeindrucken lässt. Im Vordergrund stand und steht bei dem 52-Jährigen stets sein Team und die Forschung. "Titel bedeuten nur etwas, wenn man sie auch ausfüllen kann. Um gute Forschung zu machen, muss man kein 'Ordinariat' innehaben. Es ist wichtig, WissenschafterInnen ab einer gewissen Qualifizierung Aufstiegschancen, das heißt eine planbare Karriereleiter, zu bieten. Mit dem Inkrafttreten des neuen Kollektivvertrags ist dies endlich möglich - früher verharrten viele Spitzenleute irgendwo aufgrund von Gesetzen und vorgegebenen Strukturen. In den Max F. Perutz Laboratorien am Zentrum für Molekulare Biologie wird zum Glück nach Leistung und nicht nach Titeln beurteilt." (mw)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Udo Bläsi mit dem Titel "Pathogenicity of Pseudomonas aeruginosa viewed at the molecular level" findet am Mittwoch, 27. Jänner 2010, um 17 Uhr im Senatssaal der Universität Wien zugleich mit der Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Manuela Baccarini - sie spricht zum Thema "Deciphering signaling pathways in vivo" - statt. |